Alsdorfer Futavis GmbH: Das Batterie-Management der Zukunft

Alsdorfer Futavis GmbH : Das Batterie-Management der Zukunft

Großes entsteht oft im Kleinen, gerade in der Kommunikations- und Steuerungstechnik. Gerne wird das Beispiel mit Steve Jobs und Steve Wozniak angeführt, die einst den ersten Apple Computer zusammenlöteten.

Wer weiß, was noch aus der Alsdorfer Futavis GmbH wird, deren Mitarbeiter derzeit an der Jülicher Straße in den ehemaligen Räumen einer Spedition und einer wachsenden Zahl von Containern untergebracht ist. Dort wird an wichtigen Grundlagen für den Durchbruch der Elektromobilität geforscht, entwickelt werden Platinen bzw. Steuerelementen für Batterien maßgeschneidert.

Offenbar ist die Qualität der Entwicklungen so gut, dass auch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) auf die Alsdorfer aufmerksam geworden ist. Jetzt schaute Staatssekretär Thomas Rachel (CDU/Düren) als Bote mit wertvoller Post vorbei. Inhalt: ein Förderbescheid in Höhe von über 180.000 Euro für das Projekt „InnoCase“. An dem Projekt ist auch die RWTH Aachen beteiligt, die weitere 475.000 Euro Unterstützung erhält, wie Rachel sagte.

Sicherheit und Kühlung

Es geht bei dem Vorhaben um innovative Gehäusekonzepte für großformatige Lithium-Ionen-Batterien. Keine einfache Sache. Futavis-Geschäftsführer Dr. Jens Bockstette spricht von „hohen Herausforderungen“. Dabei geht es um Produktions- und Montagetechnik, insbesondere um Sicherheit und Kühlung der entsprechenden Zellstapel. Kritische Temperaturen wollen bestimmt und rechtzeitig erkannt, also gemessen werden. Gewährleistet sein wollen sicheres Steuern und (partielles) Abschalten bei Bedarf, ohne dass das Gesamtsystem negativ beeinflusst wird, also weiter läuft. Futavis hat sich auf Batteriemanagement-Systeme spezialisiert. Die Einsatzpalette reicht von kleineren Einheiten in Rasenmähern bis hin zu gekoppelten in E-Bussen oder Lastwagen. Es geht noch eine paar Nummern größer: statische Speichersysteme.

Bei Überwachung und Steuerung kommen spezielle Platinen zum Einsatz, deren Aufbau möglichst streng gehütetes Geheimnis bleiben sollte, damit Mitbewerber nicht von der aufwändigen Entwicklungsarbeit anderer einfach profitieren, ohne zu zahlen.

Wichtig bei der Entwicklung, so Bockstette, ist die Simulation von größeren Systemen, was kostensenkend und zeitsparend wirkt.

Interessante Einblicke gewährte der Firmenchef, der zuvor bei der RWTH und FEV arbeitete, beim Rundgang. Einfallsreich sind die Simulationsanordnungen. Da wird zum Beispiel eine handelsübliche Tiefkühltruhe kostensparend, aber äußerst effizient in ein Temperaturmesssystem eingebaut. Ein Beleg dafür, dass kleinere Einrichtungen mit klugen Köpfen sehr schnell und flexibel Aufgaben lösen können, wie Staatssekretär Rachel lobt. Innerhalb von vier Jahren wolle das Ministerium rund 500 Millionen Euro in Forschungsprojekte rund um Batterien stecken.

Schlüsseltechnologie

Der internationale Druck sei groß. Es gelte, wichtige Kernkompetenzen für E-Mobilität in Deutschland zu entwickeln. „Die Batterietechnologie ist zur Schlüsseltechnologie geworden“, sagt er. Zu beantwortende Frage sei, wie denn die Batteriezellen der Zukunft aussehen sollen. Herausforderung der (Automobil-)Industrie sei, entsprechende Produktionsstätten zu schaffen, um nicht anderen Ländern wie China den Markt zu überlassen. Die Diskussion um selbstfahrende E-Systeme befördere den Druck.

Alsdorfs Bürgermeister ist natürlich angetan von der Futaris GmbH, ist die Firma doch neben anderen Einrichtungen wie der Atesteo Gmbh & Co. KG, die sich als „Führender Drivetrain Testing Partner der Automobilindustrie“ darstellt, und die FEV, die am Alsdorfer Standort ein hochmodernes Prüfzentrum errichtet, das die Durchführung von Emissions- und Reichweitentests nach den weltweit neusten gesetzlichen Standards gewährleistet, ein weiteres Aushängeschild für die Kommune.

Zuletzt hat sich Futavis pro Jahr „verdoppelt“. Derzeit zählt man rund 30 Mitarbeiter. Dringend gesucht werden zusätzliche Spezialisten wie E-Techniker, Ingenieure, Informatiker, Software-Entwickler, aber auch Physiker, wie der Geschäftsführer sagt.

Wohin mit den Leuten? Noch können weitere Container auf dem Gelände aufgestellt werden. Aber das wird wohl nicht allzu lange mehr reichen.

Bürgermeister Sonders ist bereits aktiv und will den Unternehmen in der ehemaligen Bergbaustadt einen neuen Standort vermitteln.

Die Bereitschaft, im Umfeld zu bleiben, ist bei Geschäftsführer Bockstette recht ausgeprägt: „Den Standort Alsdorf finde ich hervorragend wegen der Nähe zur RWTH Aachen und der guten Verkehrsanbindung. Beim Verkehrsaufkommen fährt man antizyklisch.“ Will sagen, morgens und abends staut es sich auf der Gegenfahrbahn, aber nicht auf der eigenen Spur.