Chancen für Begräbniskirche in Alsdorf stehen gut

St. Mariä Heimsuchung : Chancen für Kolumbarium in Alsdorf stehen gut

Entwidmung und anschließend Umbau zur Begräbniskirche – die Chancen, dass es in Alsdorf so kommt, stehen nicht schlecht. Die Wahrscheinlichkeit, in St. Mariä Heimsuchung in Schaufenberg mittelfristig Beisetzungen zu ermöglichen und Urnengräber einzurichten, schätzt Konrad Dreeßen, Pfarrer und Leiter der Gemeinschaft der Gemeinden (GdG) in Alsdorf, auf etwa 90 Prozent.

Das hänge jedoch von den Kosten ab, die für eine Sanierung der Außenhaut des Kirchengebäudes entstehen. Kann die Gemeinde die Kosten stemmen, soll es an die Umsetzung gehen.

Wie die Kirche als sogenanntes Kolumbarium aussehen könnte, ist noch nicht in Stein gemeißelt. Seit Ende 2018 läuft ein Archtitekturwettbewerb. Die Entwürfe der vier beteiligten Architekturbüros werden der Kunstkommission des Bistums Aachen und Mitgliedern des Kirchenvorstands am 21. Mai vorgestellt. Zeitnah soll dann ein Preisgericht darüber entscheiden, welcher Entwurf im Falle der Umsetzung zum Zuge kommt.

Drei von vier bleiben Kirchen

In der Kirche Herz Jesu in Kellersberg geht der Kirchenbetrieb weiter. Foto: Thomas Vogel

Hintergrund der möglichen Entwidmung und Umnutzung der Kirche St. Mariä Heimsuchung ist ein Vorgang, der schon ein paar Jahre zurückliegt. Anfang 2016 verordnete das Bistum im Rahmen des „Kirchlichen Immobilienmanagements“ (KIM) Sparmaßnahmen. Die Instandhaltungspauschale für Kirchen wurde um ein Drittel gekürzt.

Vier der elf Kirchengebäude auf Gebiet der GdG in Alsdorf waren daraufhin von der Liste für Zuwendungen des Bistums für Reparaturen herunter genommen worden: Herz Jesu in Kellersberg, St. Barbara in der Broicher Siedlung, St. Josef in Alsdorf-Ost und St. Mariä Heimsuchung in Schaufenberg. Die Bausubstanz in Kellersberg ist in Ordnung und auch St. Josef ist nach dem bevorstehenden Abschluss der Dachsanierung bautechnisch wieder fit, in beiden Häusern läuft der Kirchenbetrieb deshalb auf absehbare Zukunft weiter. Gleiches gilt für St. Barbara. Dort sind vor etlichen Jahren zuletzt Dämmmaßnahmen umgesetzt und das Dach erneuert worden.

Abgerissen werde überhaupt nichts, erklärt Dreeßen, auch wenn hier und da Gerüchte kursierten, die Gegenteiliges behauptet hätten. St. Mariä Heimsuchung sei bislang das einzige Gotteshaus, für das man über eine andere Nutzung nachgedacht habe.

St. Barbara in der Broicher Siedlung wird ebenfalls weiter als Kirche genutzt, auch wenn es für die Instandhaltung kein Geld mehr vom Bistum gibt. Foto: Thomas Vogel

Zuvor war ein Unterausschuss des Kirchenvorstands gegründet worden, dessen Aufgabe es ist, sich speziell um alternative Nutzungen von Kirchen zu kümmern. Dazu gehöre zum Beispiel eine Wirtschaftlichkeitsberechnung. St. Mariä Heimsuchung könne nur dann zu einer Gräberkirche werden, wenn sie sich wirtschaftlich vom Verkauf der Gräber selbst tragen kann, erklärt Dreeßen.

Das Gehalt eines Geschäftsführers müsse davon ebenso bestritten werden können wie Reparaturen am Gebäude über einen Zeitraum von etwa 20 bis 25 Jahren – je nachdem, für welchen Zeitraum Grabstellen dort vergeben werden. Bei der Kirche in Schaufenberg stimme das Einzugsgebiet, das groß genug sei, um für eine entsprechende Auslastung zu sorgen. Der Ortsteil liege recht zentral in Alsdorf, erklärt Dreeßen. Auch die Anbindung an den Öffentlichen Nahverkehr sei gut, eine Bushaltestelle befinde sich in unmittelbarer Nähe.

Das Bistum schaue genau auf den Vorgang in Alsdorf und beteilige sich mit Rat und Lehren aus vergleichbaren Projekten in der Vergangenheit. St. Josef in Aachen etwa sei zu einer Begräbniskirche umgenutzt worden, obwohl die Außenhaut des Baus nicht in Ordnung war, erinnert sich Dreeßen. Dort habe damals ein erkleckliches Sümmchen nachgeschossen werden müssen. Nun werde darauf geachtet, das in St. Mariä Heimsuchung vor der Umnutzung mit dem Bau alles in Ordnung ist.

Pfarrer Konrad Dreeßen (l.) vor St. Josef in Alsdorf-Ost. Auch dort werden weiter Messen gefeiert. Foto: Thomas Vogel

Dass die Außenhaut des Baus saniert werden muss, steht außer Frage. Unklar ist jedoch, wie teuer eine Sanierung wird. Auf das Ergebnis der Kostenberechnung warte der Kirchenvorstand derzeit, sagt Dreeßen. Von der Zahl auf dem Preisschild hänge dann ab, ob der Plan für die Kirche verwirklicht wird. Steht der Umnutzung aus finanzieller Sicht nichts mehr im Wege, werden – weil dort ein Friedhof entstünde – auch Stadt und Bezirksregierung eingebunden. Das letzte Wort werden Bischof und Priesterrat haben. Nicken auch sie den Plan ab, kann es losgehen.

Dreeßen wünscht sich, dass der Plan funktioniert, die Kirche entwidmet und anschließend zu einer Begräbniskirche umgenutzt werden kann, denn: „Meiner Meinung nach ist das die beste Möglichkeit, diese Kirche am Leben zu erhalten.“

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