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Buch behandelt Ausschnitt aus Geschichte von Alsdorfer-Hoengen

Buch über Stadtteil : Ein Blick auf den turbulenten Wandel Hoengens

Peter Weyer legt sein Werk „Die Altgemeinde Hoengen in der Zeit von 1848 bis 1911 – Eine Zeit des großen Umbruchs” vor.

Es gab eine Zeit, in der der „gemeine Hoengener” dem Mariadorfer Nachbarn argwöhnisch bis feindselig gegenüberstand. Diese muntere Rivalität erwuchs über Jahrzehnte – und hat sich in heutiger Zeit glücklicherweise gemäßigt. Die Hoengener Geschichte bleibt dennoch untrennbar mit den Mariadorfern verbunden. Der Alsdorfer Geschichtsverein und verschiedene Heimathistoriker haben die Historie des Ortsteils intensiv recherchiert. Zu den Autoren gesellt sich fortan der gebürtige Hoengener Peter Weyers mit seinem Werk „Die Altgemeinde Hoengen in der Zeit von 1848 bis 1911 – Eine Zeit des großen Umbruchs”.

„Kein Lesebuch, vielmehr ein Pauschalüberblick, welcher unzählige Statistiken und Akten aus verschiedensten Archiven zusammenfasst und als Nachschlagewerk dienen soll”, so beschreibt Weyers die insgesamt zweibändige Publikation. 2004 kam ihm erstmals die Idee. Bis zum heutigen Tag hat er bereits mehrere Aufsätze und Arbeiten über seine Heimatgemeinde verfasst.

Weyers berufliche Heimat war ohne Unterbrechung Düsseldorf. Der studierte Ingenieur hielt dennoch an „seinem” Hoengen fest, wohnt heute noch dort. Als Kind erlebte der heute 78-Jährige bereits die Bedeutung des Steinkohlebergbaus für das gesamte Stadtgebiet. Die Maria-Gruben im benachbarten Mariadorf und natürlich die Anna-Gruben im Stadtkern ließen die Ortschaften nach den entbehrungsreichen Kriegsjahren stetig wachsen und boten Menschen verschiedenster Mentalität aus Deutschland, Europa und der ganzen Welt eine Existenzgrundlage.

Fragen über Migration und Integration, wie sie heute immer noch brandaktuell sind, gehörten schon damals zum Alltag. Rückblickend können Weyers und Kollegen festhalten: Jene Problematik der 1950er- und 1960er-Jahre wurde erfolgreich gelöst. Weyers formuliert in seinem Werk die Kernfragen „Wie groß ist die Anzahl der Herkunftsgebiete” und „Wie viele neue Bürger kamen in die Gemeinde”. In mühevollster Kleinarbeit wertete er die jährlichen Standesamtsregister aus und bediente sich ferner den archivierten Geburts-, Heirats- und Sterbeurkunden.

Vor der Beantwortung der Fragenkomplexe sind allgemeine Anmerkungen und Erinnerungen zum Bürgermeisteramt in der Altgemeinde sowie statistische Daten zum Entwicklungsverlauf der Bevölkerung auf dem Areal dargestellt. Auf Basis der Auswertungen der in den Anhängen erfassten Ur-Daten folgt die Darstellung der einzelnen Fragengebiete. Der zweite Band dient dem Gesamtwerk somit als „Quellenverzeichnis” und Nachweis.

„Ein echtes Highlight“

Bürgermeister Alfred Sonders nahm am vergangenen Donnerstag ein Exemplar des Werkes zusammen mit Rudolf Bast und Eberhard Malecha vom Geschichtsverein Alsdorf entgegen. Die Bedeutung der Weyer-Arbeit konnte Archivar Malecha noch gar nicht richtig umreißen: „Es ist ein echtes Highlight, das auch unsere Arbeit in Sachen Ahnenforschung sehr unterstützen kann. Darüber hinaus ist es wie ein Inhaltsverzeichnis für alle nur erdenklichen Fragen.” Bast pflichtete ihm bei: Ein famoses Buch. Der Verein bekommt Anfragen von Menschen aus aller Welt zu Angehörigen. Es ergänzt die zahlreichen Schriften, die bereits über Hoengen verfasst wurden.” In puncto Stammbaumforschung habe sich die Arbeit des Vereins seit Inkrafttreten der DSGVO allerdings merklich eingeschränkt.

Auch Bürgermeister Sonders konnte als bekannter Vertreter der unweit gelegenen Broicher Siedlung den Illustrationen und Darstellungen einiges abgewinnen. Besonders die Bergbauvergangenheit habe in Alsdorf sowie speziell in Mariadorf und Hoengen die Grundlage für den heutigen Wohlstand geschaffen: „Unsere Vorväter haben in der Tiefe buchstäblich malocht, um sich bescheidenen Wohlstand wie fließendes Wasser oder ein Auto leisten zu können. Dinge, die heute absolut selbstverständlich sind.”

Auch das Kartenmaterial hat Weyers über viele Jahre hinweg zusammengetragen. Beispielsweise erwartet den Leser eine vielschichtige Darstellung des alten Straßenbahndepots am Mariadorfer Dreieck – damals eher als eine „schmutzige Ecke” bekannt. Die Rivalität zwischen den „Mariadorfer Malochern” und den als etwas arrogant geltenden „Hoengener Landwirten” kennen alle Beteiligten noch aus der eigenen Kindheit.

Integration, industrieller Wandel und ein klares Bekennen zur Kommune Alsdorf haben auch diese Kluft über die Jahre zuwachsen lassen.

(yl)