Alsdorfer Unternehmen Avos Print wird offenbar Insolvenz anmelden

Avos Print in Alsdorf : Die Zeichen stehen auf Insolvenz

Die Geschäftsleitung von Avos Print in Alsdorf hat nach Angaben des Vorsitzenden des Betriebsrats die Belegschaft bei einer Versammlung darüber informiert, am Dienstag Insolvenzantrag stellen zu wollen.

In Sachen Avos zeichnet sich eine weitere Entwicklung ab. Bei einer Belegschaftsversammlung Ende vergangener Woche habe die Geschäftsleitung mitgeteilt, am Dienstag für Avos Print Insolvenzantrag stellen zu wollen, erklärte Alexander Teichert, Betriebsratsvorsitzender von Avos Print, auf Nachfrage.

Das sei traurig, erklärte Teichert, allerdings habe es auch lange genug gedauert, bis dieser Schritt vollzogen werde. In den vergangenen Wochen und sogar Monaten hatten immer mehr Mitarbeiter von ausbleibenden Gehaltszahlungen berichtet und den Klageweg beschritten, um an ihren Lohn zu kommen.

Beim Aachener Arbeitsgericht waren gegen beide in Alsdorf ansässigen Unternehmensteile – Avos Logistics und Avos Print – im laufenden Jahr bereits mehr als 70 Klagen eingegangen, knapp 50 davon allein seit Anfang August. Für die Logistiksparte des Unternehmens soll der Betrieb offenbar weitergehen.

In der Druckerei hingegen wären laut Teichert von einer Insolvenz zwischen 70 und 80 Mitarbeiter betroffen. Menschen, die dann zunächst Insolvenzgeld bekämen und sich nach einer neuen Arbeitsstelle umsehen müssten. Dass die Druckerei noch einmal verkauft werden könne, hält Teichert persönlich eher für unwahrscheinlich. Nach seinen Informationen sollen bisher nicht gezahlte Augustgehälter – nur rund ein Drittel der Mitarbeiter seien für jenen Monat bezahlt worden – noch überwiesen werden, ausgebliebene Lohnzahlungen für September jedoch in ein mögliches Insolvenzverfahren mitaufgenommen werden.

Arbeit eingestellt

Die Arbeit in der Druckerei sei bereits weitgehend eingestellt, erklärte der Betriebsratsvorsitzende. „Produziert wird bestimmt schon seit gut einer Woche nicht mehr.“ Mitarbeiter, die bisher nicht vom Recht auf Zurückbehaltung der Arbeitskraft Gebrauch machen konnten (möglich nach zwei Monaten ausgebliebener Lohnzahlung), seien mittlerweile freigestellt worden.

„Ich werde das weiter genau im Auge behalten, stehe in engem Kontakt mit der Insolvenzstelle in Aachen und anderen Institutionen“, sagte Teichert. Als Betriebsratsvorsitzender werde er sich darauf konzentrieren, den Mitarbeitern weiter Informationen zu vermitteln, um den Prozess möglichst transparent zu machen. Die Agentur für Arbeit werde im Laufe der Woche in die Firma kommen, es würden Gespräche zum Thema Insolvenzgeld folgen.

Der Betriebsrat habe sich bei der aktuellen Situation im Unternehmen vor allem bemüht, betroffene Mitarbeiter über bestehende Möglichkeiten aufzuklären – dem Recht auf Gleichwohlgewährung etwa, die Zurückhaltung der Arbeitskraft oder die Möglichkeit, temporär beim Arbeitsamt Arbeitslosengeld zu beantragen. Auch mit der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) habe der Betriebsrat in engem Austausch gestanden. So sei auch eine Demonstration vor rund anderthalb Wochen zustande gekommen.

„Wir sind am Ende!“

Am 11. Oktober waren rund 70 Avos-Mitarbeiter in Alsdorf auf die Straße gegangen, um ihrem Ärger Luft zu machen und den Druck auf die Geschäftsleitung zu erhöhen. Die Situation, monatelang ohne Gehalt auskommen zu müssen, sei für die Mitarbeiter untragbar, sagte Teichert. Und das hatten sie auf Plakaten auch zum Ausdruck gebracht, auf denen etwa „Spart euch die Lügen! Bezahlt uns Lohn“ oder „Wir sind am Ende!“ zu lesen war.

Von der Joseph-von-Fraunhofer-Straße aus, wo die Avos-Druckerei liegt, waren die Demonstranten durch das Gewerbegebiet gezogen, ausgestattet mit Trillerpfeifen, Fahnen und den Plakaten. Für einige war wegen der ausgebliebenen Gehaltszahlungen die persönliche finanzielle Lage derart brenzlig geworden, dass sie sich Geld von Verwandten oder Freunden leihen mussten oder ihr Auto verkauften, um über die Runden zu kommen.

Die Stimmung in der Belegschaft muss derweil niemand orakeln. „Viele sind natürlich traurig“, sagte Teichert. Es gebe Mitarbeiter, die seit etwa 25 Jahren im Unternehmen arbeiteten, zunächst bei Cinram, nach dessen Pleite beim Nachfolger Avos. „Für viele beginnt nun ein neuer Lebensabschnitt.“ Gezwungenermaßen und schwierig besonders für ältere Mitarbeiter, die in eine ungewisse Zukunft blicken, weil es mit zunehmendem Alter immer härter werde, eine adäquate neue Stelle zu finden.

Oberste Etage schweigt weiter

Wie es für ihn selbst weitergehe, wisse er noch nicht genau, sagte Teichert. Zunächst einmal nehme er im Unternehmen nun seine Überwachungsfunktion wahr und achte darauf, dass die angekündigten Prozesse regelkonform ablaufen.

Versuche, eine Stellungnahme von der Avos-Geschäftsleitung zu erhalten, blieben auch am Montag ohne Ergebnis.

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