Alsdorfer Hilfeverein Nedim muss seinen Flohmarkt aufgeben

Alter Güterbahnhof in Alsdorf : Verein Nedim muss Flohmarkt aufgeben

Unzählige Hilfsprojekte hat der Alsdorfer Verein Nedim vor allem durch den Flohmarkthandel gefördert. Doch der Brandschutz in seinem Domizil, dem alten Güterbahnhof am Annapark, entspricht nicht mehr aktuellen Vorgaben.

Es sei schon ein Schock gewesen, sagen die Verantwortlichen. Doch manchmal bleibt nichts anderes, als sich den Gegebenheiten zu fügen – und unter neuen Vorzeichen weiterzumachen. So, zusammengefasst, ist es dem Verein „Nedim“ ergangen, „Alsdorfer Hilfe für Menschen“, der über lange Zeit hinweg jährlich bis zu 15.000 Euro an gemeinnützige Organisationen und Hilfsbedürftige in Alsdorf und der ganzen Region ausgeschüttet hat.

Großen Anteil an dem stattlichen Erlös hatte – neben dem unermüdlichen ehrenamtlichen Engagement der treibenden Kräfte im Verein natürlich – der Flohmarktverkauf gespendeter Sachgüter.

Institution für Schnäppchenjäger

Rund 13 Jahre lang hat dem Verein dazu der alte Güterbahnhof am Annagelände in Alsdorf zur Verfügung gestanden, der für viele Schnäppchenjäger zur Institution geworden war. „Die EVS hat uns die Immobilie großzügigerweise kostenlos gestellt, wir brauchten nur Strom, Wasser und Grundsteuer zu zahlen“, sagt Kassierer Paul Haaren.

So konnten stets zufriedenstellende Umsätze im Sinne des guten Zwecks generiert werden, wenn in unmittelbarer Nachbarschaft im Kaufland-Parkhaus der monatliche Großflohmarkt über die Bühne ging. „Die Leute brauchten dann nur einen Abstecher auch zu uns zu machen“, legt Nedim-Geschäftsführerin Angelika Mertens dar, wie hilfreich die Lage des geräumigen Gebäudes mit guter Anbindung an Bus und Euregiobahn sowie ausreichend Parkplätzen gewesen ist. Doch damit ist es nun vorbei, denn der alte Güterbahnhof kann nicht mehr wie bisher genutzt werden. Aus Sicherheitsgründen.

Was niemand mehr wollte, landete auf dem Müll. Foto: Paul Haaren

Im Rahmen einer Überprüfung, so erläutert EVS-Geschäftsführer Thomas Fürpeil auf Nachfrage unserer Zeitung, habe sich herausgestellt, „dass Strom und Brandschutz nicht mehr den aktuellen Vorschriften entsprechen“. Was zur Folge hat, dass die EVS die Räume dem gemeinnützigen Verein nicht mehr überlassen darf. „Zum 31. März hätten wir eigentlich schon raus sein müssen“, sagt Paul Haaren. Doch mit Blick auf die Fülle an gespendeten Waren, die im Erdgeschoss und auf der ersten Etage übersichtlich in Regalen und Kisten einsortiert waren, gab es eine „Gnadenfrist“, wie Haaren es nennt. Zum Leerräumen, ohne Publikumsverkehr.

„Wir haben in den vergangenen Monaten noch versucht, so viele Erlöse wie möglich zu erzielen und möglichst viele Güter sinnvoll zu verwerten“, sagt Angelika Mertens. So wurden gezielt Stammkunden, aber auch Helfer angesprochen, die Güter wie Kleidung und Haushaltsutensilien an Bedürftige weitergeben können. Einen Großteil des Bestands hat ein Händler aufgekauft. Spiele und Bücher wurden an gemeinnützige Vereine abgegeben. Und das, was wirklich keinen Abnehmer mehr fand, ist schließlich am Montag im Container gelandet. „Wertstoffe, etwa Metalle, sind natürlich getrennt worden“, sagt Mertens. Ende des Monats ist endgültig Schluss mit einer arbeitsreichen, aber für alle Beteiligten auch beglückenden Dekade.

Verschnaufpause für Nedim-Kassierer Paul Haaren – auch die Auflösung der Flohmarkthalle war mit viel Arbeit und organisatorischem Aufwand verbunden. Foto: Jan Mönch

Dank an die EVS

„Wir sind traurig, keine Frage“, sagen Mertens und Haaren unisono und sprechen durchaus auch für die anderen Nedim-Vorständler, Vorsitzender Franz-Peter Schleibach und Stellvertreterin Adelgund Jentzen, sowie die weiteren engagierten Helfer aus dem Verein. „Wir wussten es ja schon seit rund drei Monaten“, so Mertens. „Aber für uns ist es immer noch schlimm.“ Denn die Organisation des Flohmarkts war mit ebenso regelmäßigen wie geselligen Treffen der Ehrenamtler verbunden, um die gespendeten Waren anzunehmen, zu sichten, zu bewerten, zu sortieren und einzuräumen. Treffen, die jetzt nicht mehr nötig sind. „Das wird bestimmt bei dem ein oder anderen eine Lücke hinterlassen“, sagt Mertens.

Ausdrücklich bedanken möchten sich die Nedim-Leute beim örtlichen Eisenbahnunternehmer für 13 Jahre Güterbahnhof: „Die Hilfe der EVS hat es möglich gemacht, dass wir so viel wertvolle Hilfe leisten konnten!“

Und die reichte allein im vergangenen Jahr vom Alsdorfer Jugendhilfeverein „Vor Ort“ für Ferienmaßnahmen über den SkF für die Betreuung der neuen Wohngruppe junger Menschen mit Migrationshintergrund und für Alsdorfer Jugendliche sowie eine Mutter aus Alsdorf, die unverschuldet in Not geraten ist, bis zu Projekten in Krisenherden auf der Welt.