Alsdorfer Dichter Toni André hinterlässt bedeutenden Nachlass

Alsdorfer Mundartdichter : Der beeindruckende Nachlass des Toni André

Vor über einem Jahr starb der Alsdorfer Dichter und Chronist Toni André. Sein Archv hinterließ er dem Alsdorfer Geschichtsverein. Der hatte jetzt zu einer Feierstunde geladen.

Der Ort des Erinnerns hätte nicht passender gewählt werden können. Schließlich war der Mariadorfer Toni André auch im Südpark zu Hause. Vor einem Jahr starb der Mundartdichter und Heimatchronist. Zeit, für Familie, Freunde, Wegbegleiter, sich mit ihm und seinem Nachlass einmal mehr gerne und intensiv zu beschäftigen.

Zum Jour Fixe im Vereinsheim der Mariadorfer Alemannia gingen posthum viele ausgesuchte Worte an den Mann, der den schelmischen Gesichtsausdruck erfunden haben könnte. Gedichte, eine Auswahl seiner Urkunden und Auszeichnungen und ganz persönliche Erinnerungen in Wort und Bild wurden lebendig. Im 89. Lebensjahr starb Toni André am 18. Februar 2018. Mit seinem Tod verstummte eine Stimme der Heimat für immer, lauteten rührende Wort des Alsdorfer Geschichtsvereins, der zu dieser Feierstunde eingeladen hatte. Toni André hinterließ sein komplettes Archiv mit Bildern, Gedichten, Geschichten, Liedtexten, ortsbezogenen Schriften und weiteren Dingen dem Geschichtsverein.

Kürzlich überreichte Andrés Sohn Ralf, er wohnte dem Jour Fixe neben Alsdorfs Beigeordnetem Ralf Kahlen, den Vizebürgermeistern Friedhelm Krämer und Heinrich Plum sowie weiteren Gästen, zu denen auch der Ehrenvorsitzende des Alsdorfer Geschichtsvereins Rudolf Bast gehörte, bei. Große Dankbarkeit herrschte bei allen Rednern, dass Toni André „diesen bedeutenden Nachlass der Nachwelt auf Dauer erhalten lässt“, wie es Franz-Josef Müller, Vorsitzender des Geschichtsvereins formulierte.

Eine ganz seltene Aufnahme zeigt Toni André hinter dem Schalter des Alsdorfer Postamtes im Jahre 1975. Foto: Foto/repro: Sigi Malinowski

Bast tauchte in seinem Vortrag über den bedeutenden Sohn Alsdorfs ganz tief in die Geschichte ein und las Textpassagen aus der Zeit der Evakuierung im Jahr 1944. Der 14-jährige Toni war mit seiner Familie im nordischen Einbeck bei einer Familie untergekommen. Kartoffelsalat und Lammfleisch gab es zu Weihnachten. So schön die Erinnerungen an dieses kurze Verschnaufen in Kriegszeiten war, der Gedanke an die Heimat, in die sie später zurückkehrten, überwog immer. Bast attestierte: „Das hat schon literarische Qualität, was Toni André geschrieben hat.“

Dabei wurde auch bekannt, dass der Heimatdichter liebend gerne Lehrer geworden wäre, aber schließlich übte er den Beruf des Postboten aus, was ihn auch erfüllte. Dazu fand Vizebürgermeister Heinrich Plum eine ganz feine Formulierung: „Toni war nicht nur Postbote, er war auch ein halber Seelsorger.“ Zwei Begriffe, die auf André und das Wirken für seine Heimatstadt passen, wählte auch Rudolf Bast aus: „Er war engagiert und identifiziert.“

Bevor Eberhard Malecha, Archivar des Geschichtsvereins, in einem sehr ausführlichen Bildvortrag das Leben und Werk Andrés nachzeichnete, las Verena Leisten einige Gedichte des Künstlers André vor. Beigeordneter Ralf Kahlen stellte den Stellenwert des immer lächelnden Mariadorfers so heraus: „Er hat Alsdorf ganz erheblich bereichert.“

Dafür wird es bald im Neubaugebiet an Pestalozzi- und Poststraße auch eine besondere Würdigung geben. Eine Toni-André-Straße ist bereits beschlossen. Heinrich Plum: „Darüber brauchten wir im Rat gar nicht erst diskutieren.“ Denn André war Freund aller Alsdorfer. Über Parteigrenzen hinweg.

(mali)
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