Alsdorf: Nachlass von Toni André im Archiv des Geschichtsvereins

Alsdorfer Heimathistorie : Nachlass von Toni André füllt reichlich Raum beim Geschichtsverein

Um es vorweg zu nehmen: Eberhard Malecha hat den eigenen Zeitplan gerissen. So etwa bis Karneval werde es dauern, war seine – vorsichtige – Schätzung gewesen, bis er das Vermächtnis von Toni André für das Archiv des Alsdorfer Geschichtsvereins inventarisiert habe.

Anfang November war die offizielle Übergabe der Bücher, Ordner, Mappen und Kartons. Ralf André hatte den letzten Wunsch des Vaters umgesetzt: dessen akribische Sammlung an Fotos, Dokumenten, Festschriften mit Vereinschroniken, Broschüren und Büchern „in gute Hände“ zu geben. Über Monate hinweg hat Geschichtsvereins-Archivar Malecha seither Seite für Seite gesichtet, bewertet und eingeordnet. Und er ist immer noch nicht fertig.

„Jedes Blatt hat seine Besonderheit“, berichtet er. „Entweder findet sich eine handschriftliche Notiz darauf oder es entpuppt sich sogar als bislang unbekanntes Druckwerk.“ Womit die vielen Einzelblätter genauso wertig seien wie die Bücher. „Ich bin fast wahnsinnig geworden“, bekennt Malecha schmunzelnd beim Termin mit unserer Zeitung im Kaminzimmer der Burg Alsdorf. Ralf André grinst zurück: „Das hat er so gewollt!“

Und da haben es plötzlich alle wieder vor Augen, das verschmitzte Lächeln des stets positiv in die Welt blickenden Toni André. Der Ereignisse nicht nur sammelte, sondern gern auch selbst reflektierte. Unter anderem in Form seiner unvergesslichen Mundartgedichte. Ganze 915 hat er in 37 Jahren verfasst. Wobei er erstaunliche Themen ins Visier nahm, um „op Platt“ Klartext zu reden: etwa den Skandal um falsch deklariertes Pferdefleisch in der Lasagne im Februar 2013.

Durch und durch Demokrat, forderte er auch vor dem Wahlsonntag im Mai 2014: „Wähle jonn!“ Denn: „Wäh eefach d‘r Lauwmann spellt, deeht de kauw Schouwer zeeje, däh darf övver datt watt kött, sisch hengerher och net opreeje.“ Zeitlos aktuell auch Toni Andrés Appelle in Sachen Umwelt, momentan passend zur beginnenden Krötenwanderung: „On Krötsche die am wandere, dösch die Diere jott behandele, denn die kruffe nuh en Schare, dott se blues net all verjaahre“ („Fröhjjoohr pur!“, in unserer Zeitung erschienen im März 2015).

Wahre „Schätzchen“ hat Archivar Malecha in Andrés Sammlung entdeckt, zum Beispiel das „Taschenbuch für Bergmänner“ aus dem Jahr 1904, mit eingehenden und auch für Laien bestens verständlichen Erläuterungen des Montanwesens von einst.

Bemerkenswert ist auch Andrés Sammlung an Fotografien und Postkarten, die noch der Aufarbeitung harrt. „Grob geschätzt sind es rund 2000 Einzelaufnahmen von 1900 an, alle mit Erklärungen versehen“, sagt Malecha. Historische Ortsansichten finden sich hier ebenso wie Motive aus Zeiten des Bergbaus und der Grube Maria sowie, typisch für den Bahnfanatiker André, viele Aufnahmen von Straßenbahnen. Besonders interessant dürften überdies die zahlreichen Luftaufnahmen sein.

Toni André als junger Briefträger, 1953 aufgenommen in der Adolf-Kolping-Straße. Foto: Archiv Toni André

Bei den Hausbesitzern noch verhalten ist übrigens die Reaktion auf die Idee von Horst Schönfelder aus der Andréschen Verwandtschaft, nämlich Fotos aus der Sammlung in DIN A3 aufzuziehen und in leerstehenden Ladenlokalen in Mariadorf auszustellen. Bislang, so Malecha, ist ein erstes Banner an der Querstraße 14 zu sehen.

Für die Öffentlichkeit zugänglich ist Toni Andrés Sammlung jetzt digital über das Findbuch des Geschichtsvereins, in das Eberhard Malecha alles minutiös einpflegt. 1003 Titel sind es bisher, das macht stolze zehn Prozent des gesamten Nachlassbestandes. Zu finden unter den Stichwörtern Nachlässe und Sammlungen/Nachlässe/Toni André.

Und weitestgehend sortiert analog zum Ordnungssystem, wie es der Heimatkundler selbst angelegt hat. Rudolf Bast, Mitbegründer und Ehrenvorsitzender des Alsdorfer Geschichtsvereins, bringt es schließlich auf den Punkt, froh darüber, Andrés Vermächtnis in den Mauern der Burg Alsdorf zu wissen: „Es wäre eine Schande gewesen, wenn diese Sammlung zerpflückt worden wäre.“

http://www.alsdorfer-geschichtsverein.de/blog/archiv/

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