Alsdorf: Einbrecher verursachen Millionenschaden bei FEV

Einbrecher verursachen Millionenschaden : In Hoengen waren „Vollprofis“ am Werk

Vor dem spektakulären Einbruch beim Automobilzulieferer FEV wurde das Ziel ausgespäht. Die Täter fuhren dabei wohl einen hellen Kastenwagen, nach dem die Polizei nun sucht. Zum Einbruch rückten sie womöglich mit Lastwagen an.

In Gewerbegebieten herrscht nachts für gewöhnlich Totenstille. Für professionelle Einbrecher ist das zunächst einmal eine gute Voraussetzung, dürfen sie sich doch berechtigte Hoffnungen machen, ungestört ihrem Werk nachgehen zu können. Allerdings gilt: Wird man doch zu nachtschlafender Zeit gesehen, ist man umso schneller verdächtig.

Dementsprechend sind sich die Ermittler der Aachener Polizei sicher, dass die Insassen eines hellen Kastenwagens, der am Samstag, 6. Juli, um kurz nach Mitternacht im  zu dieser Zeit ansonsten gottverlassenen Gewerbegebiet Alsdorf-Hoengen aufgetaucht ist, nichts Gutes im Schilde führten.

Sondern dass sie den Einbruch vorbereiteten, zu dem es in der folgenden Nacht zwischen 4 und 5 Uhr kam (siehe auch Ausgabe vom 11. Juli). Betroffen war nach Informationen unserer Zeitung der Automobilzulieferer FEV, dessen Standort an der Konrad-Zuse-Straße zurzeit erweitert wird, teils also eine Baustelle ist.

Dass Kriminelle Gegenstände von Baustellen und aus Rohbauten stehlen, ist fast eher Regel als Ausnahme. So ärgerlich die Vorfälle für die Betroffenen sein mögen, hält der Schaden sich normalerweise in Grenzen. Der Fall in Hoengen jedoch darf ohne jede Übertreibung als spektakulär bezeichnet werden. Der Wert des Diebesguts liegt deutlich im sechsstelligen Bereich, die gesamte Schadenssumme inklusive Wiederbeschaffungskosten bei rund einer Million Euro.

Selbst erfahrene Ermittler der Aachener Polizei können sich nicht erinnern, wann es in der Städteregion zuletzt zu einem Einbruch mit derart verheerender Bilanz für die Betroffenen gekommen ist, womöglich ist es noch nie vorgekommen. Die Dimension lässt sich jedenfalls auch daran ablesen, dass die Deutsche Presse Agentur später eine Meldung absetzte, was sie bei Einbrüchen eigentlich so gut wie nie tut.

Für die Polizei bedeutet Öffentlichkeitsarbeit bei spektakulären Verbrechen immer, dass sie einen gewissen Spagat hinlegen muss. Einerseits will sie nicht zu viele Informationen preisgeben. Das hat damit zu tun, dass sogenanntes Täterwissen seinen Weg in die Öffentlichkeit finden und theoretisch die Beweisführung in einem späteren Gerichtsverfahren beeinflussen könnte. Ob es zu so einem jemals kommt, ist allerdings völlig offen, Verdächtige gibt es bislang nicht.

Kameras wie diese sind im Industriegebiet an den Straßenrändern zu finden. Die Einbrecher hielt das nicht ab. Foto: Jan Mönch

Andererseits ist die Polizei auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen, wobei möglichst große Aufmerksamkeit hilfreich ist, und so wurden diese Woche auf Nachfrage doch einige nähere Angaben zum Vorgehen der Täter gemacht. „Bei den Tätern handelt es sich sicherlich um Vollprofis. Der Einbruch muss von langer Hand geplant, die Örtlichkeit genauestens ausbaldowert worden sein“, sagt Polizeisprecher Paul Kemen.

Seine Kollegen gingen ferner davon aus, dass mindestens drei Täter in den frühen Morgenstunden des 7. Juli zugange waren, vielleicht auch deutlich mehr. Denn viele der gestohlenen Gegenstände hatten ein enormes Gewicht. Insbesondere wurden hochwertige Messgeräte und Starkstromkabel, teilweise so dick wie ein Unterarm, gestohlen.

„Die müssen wahnsinnig geschleppt haben“, sagt Kemen. Auch sei teils massive Gewalt angewandt worden. Für den Abtransport seien vermutlich ein oder mehrere Lastwagen genutzt worden.

Auch der Zeitpunkt der Tat war offenbar kein Zufall. Denn schon relativ kurze Zeit später wären viele der gestohlenen Gegenstände durch die Bauarbeiter so fest verbaut gewesen, dass an sie auch mit rabiaten Mitteln kein Herankommen mehr gewesen wäre. Die Täter wussten also auffallend genau, wo und auch wann sie zuschlagen mussten. An Zufall will die Polizei hier nicht glauben.

Dem Verdacht nachzugehen, dass Insiderwissen eine Rolle gespielt haben könnte, sei es aus dem betroffenen Unternehmen selbst oder einer am Erweiterungsbau beteiligten Firma, gehört ohnehin zur polizeilichen Routine. Konkrete Hinweise, die in diese Richtung deuten, gebe es aber nicht, sagt Polizeisprecher Kemen.

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