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Alsdorf will Verkehrskonzept an modernen Anforderungen ausrichten

„Zukunftsnetz Mobilität NRW“ : Mobilität soll in Alsdorf neu geordnet werden

Alsdorf will sein Verkehrskonzept an modernen Anforderungen ausrichten. Die Mitgliedschaft im „Zukunftsnetz Mobilität NRW“ soll dabei helfen.

Revolutionäre Umbrüche im Straßenraum brauchen die Alsdorfer nicht zu befürchten. Sie sind sicher nicht Bestandteil einer Mitgliedschaft im „Zukunftsnetz Mobilität NRW“. Weder in Alsdorf noch einer der anderen 39 Kommunen, die Nordrhein-Westfalens Verkehrsminister Hendrik Wüst vor gut einer Woche in diesem Netzwerk begrüßte. Evolutionäre Veränderungen aber sind gewollt und nötig, um den Verkehrsraum der Stadt an ein sich veränderndes Nutzerverhalten anzupassen.

Das, sagt Bürgermeister Alfred Sonders, sei in Alsdorf die Aufgabe in den kommenden Jahren. Und: Auch unorthodoxe Ideen müssten dabei auf den Prüfstand gestellt werden. Tabus? Eher nein. Den Feldweg am ehemaligen Hertha-Sportplatz etwa zur Straße in Richtung Innenstadt auszubauen, oder – das war in den vergangenen Wochen schon einmal Thema – die Bahnhofstraße künftig aus der Nutzung als Verkehrsstraße herauszunehmen, darüber müsse man nachdenken dürfen.

Ziel ist ein umfassendes Verkehrskonzept, eine Generalverkehrsplanung. An dem Versuch, Mobilität neu zu denken, komme niemand vorbei, bemerkt Sonders. „Wir sind Kinder unserer Geschichte.“ In seiner Generation sei das eigene Auto das wichtigste Fortbewegungsmittel gewesen, Städte dementsprechend gestaltet worden. In der Generation seiner Tochter sehe das aber ganz anders aus. Ein eigenes Auto sei ihr nicht mehr so wichtig, andere Formen von Mobilität hätten einen höheren Stellenwert.

Der Individualverkehr soll stärker mit dem öffentlichen Personennahverkehr verknüpft werden, Netze zu einer Alternative für mehr Nutzer verbessert und verbunden werden – was Bus- und Bahnverbindungen angeht, aber auch Rad- und Fußwege. Carsharing und Radleihstationen sind ebenfalls Bestandteile eines umfassenden Verkehrskonzepts. Dazu braucht es Verknüpfungspunkte, die geschaffen werden sollen und sich zum Teil bereits in der Umsetzung befinden, etwa mit den beiden Velocity-Stationen am Bahnhof und am Rathaus, die voraussichtlich Ende des Jahres installiert werden, mehr „Park and Ride“-Flächen und Ladestationen für Elektrofahrzeuge, die – so der Plan – im März am Parkplatz Mariadorfer Dreieck, an der Theodor-Seipp-Straße gegenüber dem Tierparkeingang, der Luisenstraße Nähe Stadthalle und an der Bahnhofstraße Nähe ZOB aufgestellt werden. Auch die Regio-Tram, die Alsdorf ebenfalls stark befürwortet, würde in diese Richtung wirken. Mit ihr könnten mindestens zwei neue Haltepunkte realisiert werden, am Energeticon/Schulzentrum und an der Aachener Straße.

Im Zukunftsnetz Mobilität NRW sollen vor allem Wissen und Erfahrung ausgetauscht werden. „Man muss nicht jede Erfindung dreimal machen“, sagt Sonders. Alsdorf könne vom Know-how anderer Kommunen profitieren. Ergänzend dazu finden Schulungsmaßnahmen statt. Ein wichtiger Teil des Unterstützungsangebots des Zukunftsnetzes sei die Weiterbildung kommunaler Mitarbeiter zum Mobilitätsmanager mit Querschnittsaufgaben, sagt Minister Wüst.

Den soll es auch in Alsdorf geben. Marco Stabe, der bereits als Beauftragter in Sachen Klimaschutzkonzept Erfahrung mit der Entwicklung und Koordination komplexer Sachverhalte hat, soll künftig im Rathaus auch die Aufgabe des Mobilitätsmanagers übernehmen. An einer Generalverkehrsplanung, die sich am „Wer will wann wo hin“ ausrichtet, seien so viele Parteien beteiligt, dass es einen Knotenpunkt brauche, an dem die Fäden zusammenlaufen.

Weder mit großen Kosten noch mit finanzieller Förderung ist eine Mitgliedschaft im Netzwerk direkt verbunden. Die Schulungen zur Ausbildung des Mobilitätsmanagers koste vielleicht ein paar Hundert Euro, sagt Sonders. Als äußerst wertvoll könne sich für die Stadt im Gegenzug herausstellen, dass andere Städte Fördertöpfe kennen, die auch für Alsdorf interessant sind, aus denen die Stadt für Verkehrsprojekte in Zukunft vielleicht schöpfen könne. Tagungen und Workshops im Rahmen des „Zukunftsnetzes Mobilität NRW“ werden Gelegenheiten sein, sich darüber auszutauschen.

Zentrum soll Mittelpunkt sein

„In den kommenden Jahren werden wir uns intensiv mit der Innenstadt beschäftigen“, sagt Sonders. Es geht um die Frage, wie viele Menschen in die City kommen und wie sie das tun können. Zwar gebe es zum Beispiel einen Nahversorgungsbereich Mariadorfer Dreieck, zentraler Mittelpunkt der Stadt solle aber der Innenstadtbereich sein. Deshalb werde genau überprüft, was dort an Einrichtungen oder Angebot zur Steigerung der Attraktivität noch fehlt. Noch stärkere Beachtung als bisher sollen dabei die Entwicklungen etwa in der Prämienstraße und Bahnhofstraße erfahren, der Zentralparkplatz wird eine wichtige Rolle spielen, das noch freie Gelände hinter dem Rathaus, die Anbindung des Stadtteils Busch, die Herzogenrather Straße und die neuen Baugebiete – allesamt zentrumsnahe Orte.

Die Einwohner Alsdorfs sollen in diesen Prozess der Neuordnung der innerstädtischen Mobilität mit eingebunden werden. Sonders: „Wir wollen die Bürger fragen: Was müssen wir machen, damit ihr öfter nach Alsdorf-Mitte fahrt? Was, damit ihr eher Bus und Bahn nutzt und den Wagen stehen lasst?“ Zum Austausch zwischen Verwaltung und Bevölkerung werde es Stadtteilkonferenzen geben, wie sie seinerzeit zum Thema „Demografischer Wandel“ veranstaltet wurden – dann unter der Überschrift „Mobilität“.