Alsdorf: Fulminante Premiere der Prinzengarde

Fulminante Premiere der Prinzengarde Alsdorf : „#Helaaaf – Alles unter einer Kappe“

Die Prinzengarde Alsdorf hat wieder eine fulminante Sitzung mit großartigen Highlights geliefert. Und der Fanfarenzug spielt im Gedenken an Fabian.

Die Erwartungen des Publikums sind hoch, wenn die Alsdorfer Prinzengarde zu ihren Sitzungen in die Stadthalle einlädt. Wie immer, so fieberten die Närrinnen und Narren dem Augenblick entgegen, an dem sich der Bühnenvorhang zur Premiere hebt. Sie wollen wissen, mit welchem grandiosen Bühnenbild die Garde sie in der neuen Session überraschen wird.

Sie wollen begeistert von den Stühlen aufspringen, wenn die stolze Garde in den großen Saal einmarschiert, angeführt vom schmetternden Spiel des Fanfarenzugs. Dann stimmt das Publikum ein und singt leidenschaftlich mit. „Es zieht das Prinzengardekorps, zwo, drei, vier“. Seit Sonntagfrüh, kurz nach Mitternacht, steht fest: Das Gardepublikum ist auch 2019 nicht enttäuscht worden. Es hat wieder eine prächtige Premierensitzung erlebt. Vier kurzweilige Stunden heimischer Karneval vom Feinsten.

„#Helaaaf, alles unter einer Kappe“ heißt das Sessionsmotto der Garde in diesem Jahr. Die Bühnenbauer der Prinzengarde haben das Motto wörtlich genommen. Drei überdimensionale Narrenkappen glänzen in hellem Licht über der Bühne. Und schon der erste Höhepunkt: Eine zehn Meter breite LED-Videowand spannt sich über fast die ganze Bühnenbreite. So etwas hat es im Alsdorfer Karneval noch nicht gegeben. Anerkennendes Raunen im Publikum. Mit dieser brillanten Idee ist den Bühnenbauern wieder eine große Überraschung gelungen. Das Bühnenbild und die gute Stimmung im Saal inspiriert Sitzungsmoderator Frederik „Fritze“ Rybacki. Mit Mainzer Narrenkappe, schwarzem Frack und rotem Röckchen führt er gekonnt durchs Programm.

Lauter staatse Mannsbilder als Kulisse: Viel Applaus erntete die neue Marie der Prinzengarde, Lara Lenzen. Foto: Wolfgang Sevenich

Vier Skylines im Bühnenbild stehen für die vier Hochburgen des rheinischen Karnevals: Mainz, Köln, Düsseldorf und Alsdorf. „Wir holen das Beste aus diesen Karnevalshochburgen auf unsere Bühne“, verspricht Rybacki. Er verspricht nicht zu viel. Den „Gardören“ gelingt ein Kunststück. Im Stile der Mainzer Hofsänger singen sie sich auf die Bühne. Stimmgewaltig vereinen sie im Medley das Mainzer „Humba, humba, humba tätärä“ mit Kölschen Tönen, Düsseldorfs längster Theke der Welt und Alsdorfer Klaaf. Alles unter einer Kappe. Friedlich und fröhlich vereint. Wer hätte das gedacht? Es keimt die Hoffnung, dass sich bald auch die Hoengener und Alsdorfer Narren besser verstehen.

Schlag auf Schlag geht es amüsant weiter. Die neue Tanzmarie der Garde, Lara Lenzen, feiert Bühnenpremiere. Sie macht es richtig gut, obwohl der Bühnenboden von Konfetti und Goldflimmer spiegelglatt ist. Es ist nicht der einzige Premierenauftritt. Der Moderator kündigt die CGA an, die Cheerleader vom Gymnasium Alsdorf. Die Bühnenbilder der fünf sportlichen Mädels sind akrobatisch schön anzuschauen. Eine Spitzenleistung. „Wir sind stolz auf diesen Gardenachwuchs“, schwärmt Fritze Rybacki. Das Publikum stimmt mit lauten Beifall zu. Zu den „alten Hasen“ gehören die tanzenden und singenden Männer vom Elferratstheater. „Schunkeln ist Sch….“, singen sie, derweil die Zuschauer sich unterhaken und im Rhythmus der Musik von links nach rechts und wieder zurück wiegen.

In den vergangenen Jahren haben sich viele Karnevalssitzungen im Rheinland zu Partys mit lauter Musik gewandelt. Es ist der Zeitgeist, dem Tribut gezollt wird. Dennoch vermissen viele die gute alte Büttenrede. Die Prinzengarde erfüllt diesen Wunsch. Manni Dreschers schlüpft in die Rolle von Hans Hachenberg, der als „Doof Noß“ Geschichte im rheinischen Karneval geschrieben hat. Der Vortrag ist riesig. Manni Dreschers kommt nicht ohne Zugabe von der Bühne. Herrlicher Klamauk ist erneut das Zwiegespräch zwischen „Schlabber & Latz“, alias Bernd Horbach und Dieter Baumanns. Zwei „Gardekinder“, die den Sprung auf die großen Bühnen geschafft haben. Ihre „Witze, die im Karneval nicht erzählt werden dürfen“, provozieren eine Lachsalve nach der anderen.

Die Ausnahme von der Regel

Der dritte Rednerhöhepunkt ist eine Ausnahme von der Regel. Denn die Prinzengarde stemmt das ganze Programm, den Bühnen- und Saalaufbau, die vielen Aufgaben hinter der Bühne und im Saal nur mit eigenen Kräften. Mehr als 200 Aktive wirken mit. Das ist bewundernswert und verdient großen Respekt. Die Ausnahme heute: Fritze Rybacki kündigt Willibert Pauels an, „Ne bergische Jong“. Es ist der Karnevalsstar, der im Hauptberuf Diakon ist und vor Jahren ein Burnout verkraften musste. Der Arzt habe ihm geraten, kürzer zu treten, erzählt der bergische Jong. Er solle es aber auch nicht ganz lassen und nur dort auftreten, wo es schön ist. „Hier bin ich“, grüßt Pauels und zündet ein ebenso heiteres wie tiefsinniges Redner-Feuerwerk. Es ist ein wunderbarer Abend. Der Gardetanz zu Ehren der Prinzessin, das Karnical mit seinen Liedern, das Alsdorfer Allerlei in Rot und Weiß, der flotte Tanz der Steps. Alles fügt sich zu hausgemachtem Karneval, der richtig Freude macht.

Kurz vor dem Ende setzt der Fanfarenzug der Prinzengarde ein kräftiges Ausrufezeichen hinter eine gelungene Sitzung. Die jungen Musiker tun dies gekonnt und mit großem Engagement.

Heute jedoch ist es anders als sonst. Dieser Auftritt ist nicht leicht für sie. Ein Platz in ihren Reihen ist leer. Dort steht eine Fanfare, darüber gestülpt eine Kappe der Prinzengarde. Fanfare und Kappe stehen für Fabian Zwerina. Heute Nacht spielen sie für ihn. Fabian ist vor wenigen Tagen im Alter von 21 Jahren gestorben. Freud und Leid sind die zwei Seiten des Lebens. Auch im Karneval. Dass Garde und Fanfarenzug in dieser traurigen Situation zusammenstehen und den Menschen trotzdem Freude schenken, verdient Anerkennung.

Dass sie weiterhin manchen Kummer des Alltags mit ihrem fröhlichen Spiel erträglicher machen, das tun sie gewiss im Sinne von Fabian.

Auch in den noch ausstehenden Sitzungen der Prinzengarde, deren Besuch in der Stadthalle sich auf jeden Fall lohnt: Freitag, 1. März, 21 Uhr, Gardenacht; Samstag, 2. März, 18 Uhr, Kostümsitzung mit After-Show-Party; Sonntag, 3. März, 19 Uhr, Abschluss-Kostümsitzung mit After-Show-Party.

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