Margret Nußbaum liest in Alter Scheune: Alles eine Frage des richtigen Benehmens

Margret Nußbaum liest in Alter Scheune : Alles eine Frage des richtigen Benehmens

„Guten Abend, Irmgard, hallo Jutta, schön, dass Du da bist, Gabi“. Wenn Margret Nußbaum einlädt, wird es sehr herzlich. Die Buchautorin und Journalistin hat halt sehr gute Manieren. Dazu gehört auch, dass jeder Gast eine Hand, einen Drücker, ein persönliches Wort bekommt.

Unter dem Titel „Keine Manieren mehr?“ durchforstete Margret Nußbaum — die Lesung wurde in Kooperation mit der Stadtbücherei in der Alten Scheune ausgerichtet — unsere Gesellschaft.Das ging schon bei der Begrüßung los. In Anlehnung an das Versagerteam Deutschland bei der WM in Russland rief die Journalistin dem Publikum zu: „Hey Ihr Kartoffeln!“. Um danach aufzuklären: „Alles klar? Keine Sorge. Ich bin nicht völlig durchgedreht, sondern wollte Sie, mein liebes Publikum, einmal spüren lassen, wie es sein muss, von jemandem Kartoffel genannt zu werden. So sprachen nämlich die türkischen Fußballer ihre deutschen Nationalmannschaftskollegen an — und die konterten mit ‚Kanaken‘. Das Gute: Niemand war beleidigt“.

Das Ei des Anstoßes

Denn beide Seiten nahmen das Wortgeplänkel nicht bierernst, sondern mit Humor. Schon war man drin im Thema des Abends: Was verstehen wir unter gutem Benehmen? Wann ist Schluss mit lustig? Kartoffeln schneiden, Frühstücksei köpfen, schneidet man einen Spargel oder nicht? Wie ist das Besteck anzuordnen oder wie wird „fachgerecht“ die Suppe gelöffelt? Margret Nußbaum punktete mit der gewohnten Themenvielfalt und ihrer bestechend vorgetragenen Antworten.

Ein Beispiel von vielen: ständiges Umrühren der Suppe zeugt von Ungeduld und von Gier. Sehr überzeugend brachte sie unter Zuhilfenahme von Kasperlepuppen die üblichen Gespräche übers Wetter herüber. „Endlich scheint die Sonne wieder. Liebe Scheiße! Da sieht man wieder genau, wie schmutzig die Fenster sind.“ Es wurde auch schon mal deftig. Doch auch das liebt das Publikum an „seiner“ Margret.

Nur Zäpfchen für Trump

Der Witz über den plumpen, manierlosen US-amerikanischen Präsident Donald Trump löste heftige Lacher aus. Und der geht so: Trump sitzt beim Arzt und fordert mehrere Sorten Tabletten an. Der „Doc“ entgegnet ihm, „ich verschreibe Ihnen keine Tabletten!“ Der verärgerte Präsident ranzt aufgebracht zurück: „Warum nicht!“ Der Doktor hat die Antwort, wie aus der Smith&Wesson geschossen, parat: „Weil Arschlöcher bei mir nur Zäpfchen bekommen!“

Zwei Stunden erstklassige Unterhaltung forderten dem Publikum langen Applaus ab. Auf zwei weitere Veranstaltungen wies Büchereileiterin Elke Tetz hin. Am Mittwoch, 7. November, wird in der Alten Scheune die Autorin Sabine Thiesler Teile aus ihrem Buch „Zeckenbiß“ vorlesen und am Sonntag, 16. Dezember, findet die beliebte Weihnachtsveranstaltung von und mit Margret Nußbaum an gleicher Stelle statt.