Baesweiler: Aktivurlaub als multikulturelle Aktion

Baesweiler: Aktivurlaub als multikulturelle Aktion

Der Aktivurlaub in Baesweiler — eine multikulturelle Veranstaltung, die sich etabliert hat — steht an. Es ist der 30. seiner einzigen Art. Helmut Heuschen ist „Vater“ dieses Aktivurlaubs. Er rief ihn ins Leben, erhielt ihn am Leben, machte ein propperes Kind daraus.

Bevor es mit dem offiziellen Veranstaltungsreigen ab Montag, 16. Juli, 8 Uhr, los geht, sinnierte der pensionierte Oberstudiendirektor und ehemalige Schulleiter ein bisschen über die Entstehung, die Fortführung, über ungewöhnliche Wege und Gedanken, die er und viele andere entwickelten.

Auch im „zarten“ Alter von 75 Jahren ist das Wort Ruhestand für den Pädagogen Helmut Heuschen ein fremdes. Der Laufpapst ist der Vater des Baesweiler Aktivurlaubs Foto: Sigi Malinowski

Lokal, regional, international

Sigi Malinowski besuchte den 75-jährigen und fasste Eindrücke aus dem Gespräch zusammen. Diese Eindrücke überschrieb Heuschen selbst mit dem Satz, „30. Aktivurlaub in der Stadt Baesweiler: lokal, regional, international“.

Die Plakatblätter in den Schaufenstern wechseln schnell im ganzen Stadtgebiet von Baesweiler. Die Konkurrenz in den Worten, Formen und Farben ist groß. Jedes Plakat will die meisten Besucher locken. Helmut Heuschen: „Ein Plakat als Nachdenkzettel. Denn ein Plakat, eher still, nichts Schreiendes im Sinne des klassischen Plakates, mit grünem Hintergrund und großen weißen Buchstaben Aktivurlaub, Gesundheit, Fitness, Spaß.“ Im Zentrum des Plakates ein verdoppelter Mensch, eingerahmt von Quadrat und Kreis. Es ist eher ein großer Nachdenkzettel für die Gesundheit des Einzelnen, der Familie, der gesunden Stadt und der gesunden Region. „Dieses Logo hatte ich der Stadt Baesweiler 1988 empfohlen und vorgeschlagen, es als Leitbild zu nehmen“.

Mit feinen Federstrichen hatte 1492 der italienische Architekt, Ingenieur und Maler Leonardo da Vinci diesen „wohlgeformten Menschen“ gemalt. Da Vinci war begeistert von der Ordnung des menschlichen Körpers, von den geordneten Verhältnissen in den Beziehungen der Körperarchitektur. Insgesamt ist dieses Leitbild das zentrale Bild für sein ganzheitlich ausgerichtetes Ordnungsdenken. Helmut Heuschen mahnt in diesem Zusammenhang: „Ganzheitliches Ordnungsdenken muss bewahrt werden“

Ganzheitliches Denken

Leider ist in vielen Wissenschaften nach seiner Auffassung die Ganzheit zu Gunsten des Einzelnen zurückgedrängt worden, so dass dieses Denken im 21. Jahrhundert stets zurückerobert werden muss. „ Aber durch die Fixierung aufs Detail haben wir zunehmend den Überblick verloren und verstehen Zusammenhänge immer weniger. Jetzt wäre es wünschenswert, wenn wir verstehen würden, dass das Zeitalter der Synthese anbricht und wir dieses endlich gemeinsam füllen müssen.“ So stützt Prof. Dietrich Grönemeyer, Universität Witten/Herdecke, das Leitbild des Baesweiler Aktivurlaubs. Grönemeyer unterstreicht, „wir müssen dieses endlich gemeinsam füllen“. Diesen Auftrag übernimmt Baesweilers Bürgermeister Dr. Willi Linkens mit großem Engagement: „Seit 1988 ist die Stadt Baesweiler mit der Unterstützung vieler Vereine, Organisationen und Privatpersonen auf dem Weg dieses komplexe Ziel zu erfüllen“. Einzigartig und mit großem Erfolg.

Weit über die Städteregion Aachen anerkannt und prämiert. Eine besondere Ideenquelle für das Projekt ist für Helmut Heuschen Icassi. Diese weltweit agierende Sommeruniversität forscht, präsentiert und leitet seit 1962 Lehrer, Psychologen und Führungskräfte, ganzheitliches Denken und Handeln im Gesundheits-, Bildungs- und Politikbereich nicht nur zu postulieren, sondern zu verwirklichen. Mehrfach konnte Heuschen in Vorlesungen und Seminaren das Projekt „Aktivurlaub“ als einen Baustein des weltweiten Projektes „Gesunde Stadt“ vorstellen.

So wird das Kernziel „Gesundheit“ als gesunde zwischenmenschliche Beziehungen am Arbeitsplatz, in Schulklassen, in Familien, zwischen den Generationen, zwischen den unterschiedlichen Gruppierungen in Religion und Nationalitäten in einer Stadt analysiert und auf der Basis der Werte Gleichwertigkeit und Respekt in eine sozialere Demokratie umgestaltet. Die Wahrung formaler Demokratie ist ein verstecktes Kampfmittel, wenn „Gemeinschaftsgefühl“ zweitrangig wird.

Workshop zum Wohnen

Seit Jahren vertritt Helmut Heuschen im Aufgabenfeld der Icassi auch das „Gesunde Wohnen“. Im 30. Aktivurlaub will ein besonderer Workshop am Samstag, 14. Juli, hierzu Hilfen anbieten.

Für Heuschen ist das kein theoretisches Feld. Sein Haus, das nach den Grundsätzen des gesunden Wohnens gebaut ist, bildet seinen Erfahrungsschatz. Im Rahmen des 30. Aktivurlaubs will Prof. Eva Dreikurs-Ferguson, die Vorsitzende von Icassi, mit einem kleinen Dozentenstab „Helmut ‘s House“ besuchen. Prof. Eva DreikursFerguson lehrt an der Universität in Illinois, USA. Sie bereist über 30 Länder, um an den dortigen Universitäten zum weltweit angestrebten Ziel „Gesundheit für alle“ beizutragen. Ihr letzter Besuch galt China. Dort unterrichtete sie Eltern. Und nun kommt die ehemalige Dozentin des Studenten Heuschen nach Baesweiler! Weitere Aspekte des 30. Aktivurlaubs 2018 werden bei der Sommer School in Bonn/Venusberg zwischen Heuschen, Prof. Eva Dreikurs—Ferguson und Teilnehmern aus 30 Nationen ein sehr anregendes Thema sein.

(mas)