Herzogenrath: Aktion „Offene Ateliers“: Zeugnisse von kreativer Schaffenskraft

Herzogenrath: Aktion „Offene Ateliers“: Zeugnisse von kreativer Schaffenskraft

Zum siebten Mal haben Künstler in Kohlscheid jetzt ihre Türen geöffnet und im Rahmen der Aktion „Offene Ateliers“ ihre Werke präsentiert. An elf Orten konnten Interessierte mit insgesamt 15 Kunstschaffenden in Kontakt kommen.

Die in der Sow-jetunion geborene Tania Rivilis war zum ersten Mal dabei. In ihrer Garage zeigte sie einige ihrer Werke. „Ich male hauptsächlich Portraits. Manchmal ganz klassisch mit Öl, manchmal zeichne ich“, erklärte die 30-Jährige. Für Kunst habe sie sich schon immer interessiert.

Deshalb studierte sie in Moskau Kunstgeschichte und Mediendesign. Vor allem Gesichter finde sie faszinierend, berichtete sie. „Die haben immer ein Geheimnis in den Augen. Dieser Ausdruck inspiriert mich.“ Durch das Künstler-Ehepaar Ahlert, das in der Nachbarschaft wohnt, kam sie auf die Idee, bei den „Offenen Ateliers“ mitzumachen.

Marie-Gabriele Ahlert erschafft Skulpturen aus Keramik, ihr Mann Hans-Dieter kreiert Collagen und Gemälde. Im gesamten Haus präsentierten die beiden ihre Werke. Für Marie-Gabriele Ahlert steht besonders die Form der Dinge im Vordergrund. Sie orientiert sich an natürlichen Elementen und Architektur. Ihre Ergebnisse sind abstrakt, der Schaffensprozess ist langwierig: „Der weiche Ton wird mit Hilfe von Schablonen in Form gebracht“, erläuterte sie. Wenn er angetrocknet ist, werden die Ecken gebrochen, teils abgerundet.

Danach kommt der Ton in den Ofen und wird anschließend für einige Tage in eine Kiste mit Sägespänen gelegt. Durch den dort enthaltenen Kohlenstoff verändert sich die farbliche Struktur des Werkes. Es entstehen Muster. Abschließend wird die Keramikskulptur mit einem Kieselstein poliert. Um andere Strukturen zu erhalten, verwendet die Künstlerin Netze oder arbeitet mit Ästen. Bereits seit 40 Jahren entwickelt sie ihre Technik beständig weiter. „Man hat auf alles ein Auge“, sagte Ahlert. So entstünden auch ständig neue Ideen.

Die künstlerischen Schwerpunkte ihres Mannes haben sich im Laufe der Zeit stetig verändert. Angefangen hat Hans-Dieter Ahlert in den 1980er-Jahren mit Aquarell- und Pastellmalerei, mit naturalistischen Landschaftsmotiven, Portraits und Akten. Mittlerweile konzentriert sich der ehemalige Bauingenieur auf Collagen, sogenannte „Assemblagen“, und abstrakte Kunst.

Aus Verpackungsmaterialien, die er verarbeitet, schafft er Werke mit einer reliefartigen Oberfläche, die Spielraum für Interpretation lassen. Doch auch das „Grattageverfahren“ hat es ihm angetan. Dabei werden übereinander aufgetragene Farbschichten teilweise abgeschabt, um Strukturen in das Bild einzuarbeiten. All diese vielfältigen Arbeitstechniken werden an einem Ort in Kohlscheid vereint: In der Galerie Bücken.

Auch sie hat am Tag der „Offenen Ateliers“ ihre Türen für Kunstinteressierte geöffnet. „Kunst für Kohle“ lautet eine der aktuellen Ausstellungen dort. 24 Künstler haben Werke verschiedener Größen, die mit unterschiedlichen Techniken hergestellt sind, für das Projekt mit dem Thema „Licht“ beigesteuert.

Ob Ölgemälde, Fotos, Skulpturen oder Collagen, sie alle sind klein genug, um je in einen Pizzakarton zu passen. Denn in einem solchen werden sie auch verkauft. „Wir wollten damit die Assoziation schaffen, dass es sich um Kunst zum Mitnehmen handelt“, erläuterte Inhaberin Dagmar Bücken. Für einen Schnäppchenpreis von 50 Euro werden die Werke bekannter, teils regionaler, Künstler angeboten.

Zusätzlich werden in der Galerie Gemälde und Pastellzeichnungen der Künstler Namazbek Chekirov, Hennie de Korte, Walter Fürst, Gunther Richter, Raffaele Fiore und Hans-Dieter Ahlert zum Thema „Venedig — im Spiel des Lichts“ präsentiert. Die Ausstellungen sind bis Ende des Jahres in der Galerie, Südstraße 182, sowie noch am offenen Sonntag, 27. November, zu sehen.