Adventszeit: Telefonaktion rund ums Thema Brandverletzungen

Zum Tag des brandverletzten Kindes am 7. Dezember : Telefonaktion rund ums Thema Brandverletzungen

In der Advents- und Weihnachtszeit sowie um Silvester treten sie vermehrt auf: Brandverletzungen. Ein unbedachter Moment kann schlimme Folgen haben.

Besinnliche Stunden mit Kerzenschein, Stollen und heißem Kakao stehen an. Plätzchen werden gebacken und opulent gekocht. Je näher das Fest rückt, umso mehr wächst der Stress. Und wer in Hektik mal eben nachschauen will, wie weit der Braten im Ofen ist, oder zwischendurch Kochwasser abgießen möchte, läuft Gefahr, sich ernsthafte Verbrennungen zuzuziehen.

Sind Kinder im Spiel, ist doppelte Vorsicht geboten. Wie schnell ist in eine Kerze gegriffen oder wird ein Becher Glühwein umgeworfen und ergießt sich über die kleine Person, die an der Tischdecke gezogen hat. „Eine Tasse heiße Flüssigkeit verbrüht bis zu 30 Prozent der Haut eines Kindes“, verdeutlicht Professor Dr. Hans-Oliver Rennekampff, Leiter des seit September am Rhein-Maas Klinikum angesiedelten Teilgebiets Plastische, Ästhetische und Verbrennungschirurgie. Die Folgen sind ein Leben lang sichtbar, an Kopf, Hals oder Dekolleté, was für Mädchen traumatisch sein kann.

Als Past-Präsident der Deutschen Gesellschaft für Verbrennungsmedizin gehört Rennekampff zu den Unterstützern der Selbsthilfegruppe „Paulinchen“, die den 7. Dezember zum bundesweiten „Tag des brandverletzten Kindes“ ausgerufen hat, auch, um zu vergegenwärtigen, dass in Deutschland jährlich über 30.000 Kinder unter 15 Jahren mit Verbrennungen und Verbrühungen ärztlich versorgt werden und rund 6000 stationär aufgenommen werden müssen. Kinder bis fünf Jahre bilden die Hauptgruppe, sagt Rennekampff. „Wenn sie beim Laufen und Klettern etwa auf eine heiße Ofenscheibe oder eine glühende Herdplatte packen.“

Weil kleine Kinder sich mit der ganzen Hand abstützen beziehungsweise hochziehen, ist im Verbrennungsfall typischerweise die Hohlhand betroffen – oft mit gravierenden Folgen. Rennekampff: „Die spezielle Haut der Handinnenfläche ist durch nichts zu ersetzen.“ Transplantate wachsen nicht so gut an, es gibt Narbenbildungen, zahlreiche Korrekturoperationen sind nötig, bis die Hand ausgewachsen ist. Die Feinmotorik bleibt unter Umständen dauerhaft eingeschränkt. Drei Sekunden auf einer über 100 Grad heißen Platte oder 60 Grad heiße Flüssigkeit für zwei bis drei Sekunden auf der Haut ziehen in der Regel drittgradige Verbrennungen nach sich, die Transplantate erfordern.

Was tun, wenn der Ernstfall eingetreten ist? Wenn bei Kindern etwa die Größe einer Handfläche betroffen ist, mit kaltem Leitungswasser kühlen, „kein Coolpack, kein Eis“, sagt der Mediziner. „Denn dann drohen zusätzlich Erfrierungsschäden – die Gefäße ziehen sich zusammen, die Durchblutung verschlechtert sich und die Zellen, die aufgrund der Verbrennung ums Überleben kämpfen, werden noch schlechter mit Sauerstoff versorgt.“ Überdies kühlen Kinder schnell aus, müssten vor der Wundbehandlung erst noch auf Körpertemperatur gebracht werden. Was auch für Erwachsene gelte, wo sich Kühlung allenfalls auf den Unterarm beschränken sollte.

Ein dringender Rat: keine Hausmittel wie Mehl, Quark, Zahnpasta auftragen! Zur Beurteilung der Verbrennungstiefe müssten diese Beläge zunächst unter Narkose abgeschabt werden, warnt Rennekampff, „und der Arzt fängt mit der Erstbehandlung hinter der Startlinie an.“ Die Verbrennung sauber abdecken ist geboten. Und im Fall von Kindern unverzüglich einen Rettungswagen zu rufen. In der Notaufnahme wird je nach Größe und Tiefe der Verletzung entschieden, ob eine Überweisung in ein Kinderverbrennungszentrum erforderlich ist. Wo es neben Kinderintensivbetten spezielle Wundverbände gibt. Das Wohl der kleinen Patienten, so Rennekampff, ist stets im Vordergrund.