Würselen: Adessa: Letztes Übernahmeangebot als „völlig unzureichend” abgelehnt

Würselen: Adessa: Letztes Übernahmeangebot als „völlig unzureichend” abgelehnt

„Das Unternehmen ist durch unsere bisherigen Sanierungsmaßnahmen kostenoptimiert. Es war aber in der aktuellen Wirtschaftskrise nicht möglich, für Adessa ein neues Konzept zu erarbeiten und gleichzeitig den Geschäftsbetrieb mit dem vorhandenen und frühzeitig bestellten Warenangebot positiv zu gestalten”, sagt Professor Dr. Rolf-Dieter Mönning, Insolvenzverwalter über das Vermögen der Adessa Moden GmbH.

Da im Insolvenzverfahren keine Verluste erwirtschaften werden dürfen und Mönning entgegen den Ankündigungen des Adessa-Gesellschafters keine ausreichende Unterstützung bekomme, gebe es keine Alternative.

„Der Verantwortliche der Sahinler-Group hat als Gesellschafter von Adessa die Reorganisation von Adessa durch ein Insolvenzplanverfahren angemeldet und die Unterstützung seiner Unternehmensgruppe zugesichert. Diese Unterstützung ist leider nicht im notwendigen Umfang geleistet worden”, sagt Mönning.

Zwar habe die Sahinler-Group am Wochenende noch ein Übernahmeangebot abgegeben, dieses sei aber vom Gläubigerausschuss als „vollkommen unzureichend” abgelehnt worden. „Das Angebot hätte de facto bedeutet, dass die Gläubiger auch noch die Übernahme hätten bezahlen müssen”, sagt Mönning.

Fristgerechte Kündigungen

Er hat verschiedene Optionen erarbeitet - auch für den Stilllegungsfall: „Wir werden mit einem abgestuften Abwicklungsszenario den Geschäftsbetrieb bis Ende des Jahres einstellen. Bis in den Spätherbst hinein geht der Verkauf in den Filialen noch weiter.”

Den Beschäftigten müsse er bis dahin fristgerecht kündigen. Adessa hatte Anfang Februar Insolvenzantrag gestellt, wegen drohender Zahlungsunfähigkeit nach starkem Umsatzrückgang durch die allgemeine schlechte Wirtschaftslage.

Zum 1. April wurde das Verfahren eröffnet. Voraussetzung für die Fortführung des Geschäftsbetriebs war, dass Mönning sich mit wesentlichen Beteiligten - allen voran den Lieferanten - einigen konnte und Gesellschafter Kemal Sahin Unterstützung zugesichert hatte.

Außerdem wurden Sanierungsmaßnahmen eingeleitet, in Folge dessen 47 Filialen zum 1. Juli geschlossen und 280 Arbeitsplätze abgebaut werden. In den übrigen 83 Filialen läuft der Betrieb mit 620 Beschäftigten (inklusive Firmensitz) zunächst unverändert weiter.

Der 1986 gegründete Familienausstatter hat etwa 200 Filialen in Deutschland, Österreich, Schweiz und Slowenien. In Österreich und der Schweiz wurde ebenfalls Insolvenzantrag gestellt. In Deutschland hat das Unternehmen etwa 130 Filialen mit durchschnittlich fünf Beschäftigten. In Würselen beschäftigt Adessa 120 Mitarbeiter.

Insgesamt hatte das Unternehmen bei Insolvenzantrag rund 900 Beschäftigte in Deutschland und erwirtschaftete 2008 europaweit einen Umsatz von etwa 80 Millionen Euro. Die Adessa Moden GmbH ist das einzige Einzelhandelsunternehmen der weltweit operierenden Sahinler Group.

Weder Holding noch Schwestergesellschaft Santex Moden GmbH sind von der Insolvenz betroffen. Adessa bezieht etwa 80 Prozent seiner Produkte von Fremdfirmen.

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