Alsdorf: 50 Bäume gefällt: Nabu vermutet Vorwand

Alsdorf: 50 Bäume gefällt: Nabu vermutet Vorwand

Die Bäume sind weg, zumindest daran besteht kein Zweifel. Bloß noch die dünneren Stämme und Astwerk liegen neben dem Weg, der kurz hinter Ofden, linkerhand in Fahrtrichtung Euchen, ein Regenrückhaltebecken vom alten Bahndamm trennt. Auf letzterem standen bis zum vergangenen Donnerstag die Bäume. Buchen, Erlen, Eschen. Jetzt sind es bloß noch Stümpfe, an die 50 Stück.

Dr. Eicke Lange, Vorsitzender der Kreisgruppe Aachen-Land im Naturschutzbund (Nabu), deutet auf die frischen Schnittflächen. „Schauen Sie mal, die waren völlig gesund.“ Er ist überzeugt: Die Bäume wurden nur gefällt, damit Radfahrer auf dem Bahndamm über einen Premium-Radweg fahren können. Doch der ist noch gar nicht beschlossen.

„Hier wurden wohl vorsorglich Fakten geschaffen, damit wir erst gar nicht mehr für den Erhalt der Bäume und eine andere Führung des Radwegs plädieren können“, benennt er seinen Verdacht. Genau das hätte er auch getan. „Hier unten führt doch bereits ein Weg entlang, der von Radfahrern genutzt werden könnte“, sagt er.

Zufällig entdeckt

Warum also die alten Bäume oben auf dem Damm wegnehmen und den Bereich asphaltieren? „Hier soll mitten durch ein Landschaftsschutzgebiet eine Art Autobahn für Radfahrer entstehen.“

Die soll von Jülich bis Aachen führen, 3,50 Meter breit, asphaltiert und mit wenig Gefälle. Nicht bloß der Weg allein bereitet Lange zumindest für den Alsdorfer Bereich Sorgen. „Aus Gründen der Verkehrssicherungspflicht müssen dann wahrscheinlich auch links und rechts davon deutliche Einschnitte in den Bewuchs gemacht werden.“

Ist es genau das, was kürzlich geschehen ist? Auf Nachfrage bei der Städteregion Aachen, die als Bauherrin den Premium-Radweg realisieren möchte, nennt Sprecher Detlef Funken einen ganz anderen Grund für die jüngste Fällung. Auf Anordnung der Kölner Bezirksregierung habe der Wasserverband Eifel-Rur die Bäume fällen lassen, um das Regenrückhaltebecken zu schützen. Funken: „Der Rand des Beckens besteht aus einer so gennanten ‚Erdpackung‘, einem Gemisch aus mehreren Tonmaterialien. Durch das Wachstum der Bäume könnte das Wurzelwerk eindringen und für Schäden sorgen.“

Bereits im Juli sei die Aktion genehmigt, aber mit Blick auf Brutzeiten der Vögel zunächst ausgesetzt worden. An die jüngst erfolgte Umsetzung erinnert sich Karl Gluth, stellvertretender Nabu-Vorsitzender. Er war nämlich dabei, nachdem er zufällig auf die Arbeiten aufmerksam geworden war.

Die Aktion gestoppt

Vor Ort hatte er per Handy bei der Unteren Landschaftsbehörde nachgefragt, was es mit der Fällung auf sich habe. Ergebnis: Ein Mitarbeiter der Behörde fuhr prompt nach Alsdorf — und stoppte die ganze Aktion. Das bestätigt Funken: „Der Mitarbeiter hatte zu diesem Zeitpunkt nicht das nötige Detailwissen und hat deshalb das Einstellen der Arbeiten verfügt.“ Deren Notwendigkeit habe aber zu keiner Zeit in Frage gestanden.

Für Gluth und Lange bleibt ein Beigeschmack. Zumal die Bäume bis hoch zur Oberkante des Damms gefällt worden sind. Gut zehn Meter weg vom Bahndamm. Eicke Lange: „Die Wurzeln würden von dort nie und nimmer bis zum Regenrückhaltebecken reichen. Das sieht für uns sehr nach einer Vorwandbehauptung aus, um den Radweg vorzubereiten.“

Die Städteregion hat indes angekündigt, andernorts Ersatzpflanzungen vorzunehmen

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