Würselen: 40 Jahre Elysée-Vertrag: Klangvolle Feier

Würselen: 40 Jahre Elysée-Vertrag: Klangvolle Feier

Zum Jahrestag des von Bundeskanzler Konrad Adenauer und vom französischen Präsidenten Charles de Gaulle unterzeichneten Elysée-Vertrags hatte die Deutsch-Französische Gesellschaft (DFG) zu einem bemerkenswerten Konzert ins Alte Rathaus eingeladen.

Sangesfreudig gestaltet wurde es vom Deutsch-Französischen Chor Aachen „Les Troubadours d‘Aix“ (DFC Aachen), der seit September 2014 engagiert von Heinrich Bentemann geleitet wird.

Die DFG-Vorsitzende Ellen Thielen-Vafaie freute es, eine stattliche Anzahl von Besuchern — mehr als sie erwartet hatte — begrüßen zu dürfen. Darunter auch eine Abordnung der Deutsch-Französischen Gesellschaft aus Monschau.

Um es vorweg zu nehmen: Das stark von französischen Chansons geprägte Programm begeisterte sie nicht zuletzt deshalb, weil sie auch zum Mitsingen eingeladen wurden. Das Konzert bildete den Auftakt zur Feier der 40-jährigen Partnerschaft (Jumelage) mit der bretonischen Stadt Morlaix.

Als Moderator stellte DFG-Mitglied Dr. Erwin Schulz, der als Zeitzeuge die Unterzeichnung des Rathaus-Vertrags in beiden Städten miterlebte, den Bezug zu den beiden damaligen Ereignissen her. Die Unterzeichnung des Elysée-Vertrags am 22. Januar 1963 habe nicht erahnte historische Auswirkungen gehabt, führt Dr. Schulz aus: „Es war der Neubeginn der Beziehungen zwischen zwei Erzfeinden.“ Auf seiner Grundlage seien zahlreiche Partnerschaften ins Leben gerufen worden, auch die zwischen Morlaix und Würselen.

Die Urkunde dazu wurde am 27. November 1976 durch Dr. Jean Jacques Cleach und Wilhem Gülpen im Sitzungssaal des heutigen Alten Rathauses unterzeichnet. Dass sowohl der Elysée-Vertrag als auch der Rathausvertrag zur damaligen Zeit nicht unumstritten gewesen sei, legte Dr. Schulz weiterhin dar. In der bundesdeutschen Regierung habe es zwei Lager gegeben. Neben dem von Adenauer das des Außenministers Gerhard Schröder, der sich für eine atlantische Union eingesetzt habe.

Auf französischer Seite habe de Gaulle Interesse daran gehabt, dass die Grande-Nation gestärkt wurde. Er habe deshalb Großbritannien aus dem politischen Geschehen heraushalten wollen. Auch im Würselener Rathaus habe es damals Querelen gegeben, erinnerte sich Dr. Schulz. In Morlaix hätten angesichts der bösen Spuren, die deutsche Soldaten hinterlassen hätten, starke Vorbehalte gegenüber einer solchen Städtepartnerschaft gegeben.

Dass die achtköpfige Delegation freundlich empfangen worden sei, wusste der Zeitzeuge durch eine nette Anekdote zu belegen. „Wir verbrachten einen lustigen Abend miteinander!“ Wie die partnerschaftlichen Beziehungen trotz der 1000 Kilometer, die zwischen beiden Städten liegen, mit Leben erfüllt werden konnte, dafür ließ Dr. Schulz Beispiele sprechen.

Der rund 40-köpfige gemischte Chor unternahm einen Streifzug vom Barock bis zu zeitgenössischen Chansons. Angesichts der schrecklichen Terroranschläge im letzten Jahr in Frankreich stimmte er zu Beginn und zum Abschluss von Jacques Brei das Chanson „Quand on n‘a que l‘amour“ (Wenn wir nicht anderes hätten als die Liebe) an.

Es folgte von Bernard Lallement „Chant de rencontres“. Den Kontrast dazu bildeten zwei Lieder von Johannes Brahms, einmal „All meine Gedanken“ und „Ich fahr dahin“. Es folgte „Mignonne, allons voir si la rose“, ein klassisches Werk aus dem 16. Jahrhundert, von Guillaume Costeley. Von verwelkten Rosen sang der harmonisch aufgestellte Chor, als er „Dirait-on“ von Morten Lauridsen, einem zeitgenössischen amerikanischen Komponisten, intonierte.

Seine Vielseitigkeit stellte der Chor durch „Die launige Forelle“, wie sie von Franz Schöggl in Noten gesetzt worden ist, unter Beweis. Erst erklang Franz Schuberts Originalfassung, dann wurde sie in verschiedenen Stilvariationen verfremdet, bis hin zum neapolitanischen „Tiritomba“.

Mit dem „La petite fugue“ von Maxime le Forestier starteten die Sängerinnen und Sänger unter sicherer Stabführung von Heinrich Bentemann im zweiten Teil durch. Bei „Pendre un entfant la mai“, „Aimer à perdre la raison“ und am Ende bei „Quand on n‘a que l‘amour“ stimmten die begeisterten Konzertbesucher freudig ein. Eine Zugabe war Ehrensache!

(ehg)
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