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Herzogenrath: 30 Zentimeter sorgen für Unfrieden

Herzogenrath : 30 Zentimeter sorgen für Unfrieden

René Rüland ist enttäuscht und verärgert. Enttäuscht von der Stadt Herzogenrath und verärgert über den Alsdorfer Steinmetzmeister Heinz Jansen. Ursache für den Gemütszustand Renés und seiner Eltern sind Streitigkeiten um den Grabstein des jüngeren Bruders Matthias, der im vergangenen Sommer Opfer eines Motorradunfalls wurde.

Der 23-Jährige sollte einen ganz besonderen Gedenkstein bekommen, da waren sich seine Angehörigen einig. „Matthias war ein großer, drahtiger Typ, das sollte auch sein Grabmal ausdrücken”, unterstreicht René Rüland. „Es sollte etwas ganz Besonderes werden, etwas Junges.”

Die Familie entschied sich schließlich für einen 1,60 Meter hohen, dynamisch geformten Naturstein, den Steinmetz Heinz Jansen vorbereiten und auf dem kleinen Friedhof im Ortsteil Berensberg installieren sollte. Was dieser im Oktober 2006 auch tat - allerdings trotz der Tatsache, dass sein Genehmigungsantrag von der Herzogenrather Stadtverwaltung abgelehnt worden war. Bei Reihengräbern dürfen Grabmäler nach der städtischen Friedhofssatzung nämlich eine Höhe von 1,30 Meter nicht überschreiten.

Davon erfuhren die Rülands jedoch erst, als der Stein schon stand. „Hätten wir gewusst, dass die Maximalgröße überschritten wird, hätten wir ein kleineres, aber dafür ausgefalleneres Grabmal gewählt. Oder eine andere Grabart.” Denn für ein Einzelgrab beispielsweise wäre der gewünschte Stein zulässig.

Familie Rüland machte gegenüber der Verwaltung geltend, dass eine Unterschriftensammlung an den Tag bringen würde, dass sich in Berensberg niemand an der Übergroße des Grabsteins störe. Rüdiger Staron, der Technische Dezernent der Stadt Herzogenrath, pocht jedoch auf die Satzung: „So leid es mir tut - wo hört man auf, wenn man einen Sonderfall zulässt? Gerade, weil Sterbefälle zwangsläufig stark emotionale Dinge sind, können wir keine Ausnahmen machen.”

Die Satzung mit den Maximalhöhen seien einst zusammen mit den Steinmetzen der Region beschlossen wurden. Auf drei der elf städtischen Friedhöfe gebe es zudem Grabfelder, in denen Gräber völlig individuell gestaltet werden könnten. „Leider ist der Friedhof in Berensberg zu klein dafür, daher müssen wir dort auf der Satzung bestehen. Die Familie ist leider der Betroffene in der Sache, das Fehlverhalten von Herrn Heinz Jansen hat die Situation hervorgerufen.”

Dieser möchte sich die Verantwortung jedoch nicht zuschieben lassen. Die Satzungen seien von Kommune zu Kommune teils höchst unterschiedlich und andere Gemeinden würden wesentlich kulanter mit den Richtlinien umgehen. „Die Familie des Verstorbenen hat sich diesen Stein gewünscht, ich bin davon ausgegangen, dass die Übergröße durchgesetzt werden kann. Dass das Gesamtbild auf Friedhöfen nicht gestört werden sollte, ist auch meine Meinung, aber wir sprechen von gerade einmal 30 Zentimetern.”