275 neue Wohnungen und eine Tiefgarage in Würselen

Konzept für Würselens Kern : Neue Chance für das Singergelände

Der „Masterplan“ steht im Stadtentwicklungsausschuss zur Diskussion: 275 neue Wohnungen und eine Tiefgarage sind geplant. Wird das brachliegende Singergelände im Kern von Würselen endlich bebaut?

Es zeichnet sich zumindest eine Lösung ab, die das niederländische Architekturbüro van Aken im Auftrag von Investoren und in Absprache mit dem Grundstückseigentümer entwickelt hat. Der „Masterplan“ ist am Donnerstag, 15. November, Thema im Stadtentwicklungsausschuss. Die öffentliche Sitzung beginnt um 17.30 Uhr im großen Sitzungssaal des Rathauses, Morlaixplatz.

Rund 275 Wohnungen sind geplant (siehe Grafik). Entlang der Kaiserstraße sollen zudem Räume für gewerbliche Nutzungen entstehen. Die Zufahrt zu dem weitläufigem Gelände, auf dem einst eine Zigarrenfabrik stand, dann Nadeln produziert wurden, würde über die Bahnhof- und die Kaiserstraße sowie eine neu zwischen den beiden Straßen zu schaffende Verbindung erfolgen, wie den Beratungsunterlagen zu entnehmen ist. Rund 200 Stellplätze sollen im östlichen Bereich in einer Tiefgarage entstehen.

Dort sind „oberirdisch“ nur Fußwege vorgesehen, die allerdings breit genug sind, um bei Bedarf von Rettungsfahrzeugen genutzt zu werden. Entlang der Bahnhofstraße sind zwei dreigeschossige Gebäude mit Staffelgeschoss in den Unterlagen zu erkennen. An der Kaiserstraße will man sich an der Art der vorhandenen Bebauung orientieren. Markantestes Element des vorliegenden Konzepts, da hoch und massiv, sind drei Baukörper, „die sich fächerartig an der Kalkhalde ausrichten und in diese hineinragen“. Dabei ist der mittlere Block mit fünf Voll- und zwei Staffelgeschossen der höchste. Zwischen den Komplexen ist die Kalkhalde zu sehen.

Das niederländische Architekturbüro van Aken hat einen Vorschlag für die Bebauung des Singergeländes erarbeitet. Hier die Ansicht von der Bahnhofstraße aus. Foto: Architekturbüro van Aken/ZVA

„Mit dem vorgelegten Konzept soll eine erneute Bürgerbeteiligung durchgeführt werden“, empfiehlt die Verwaltung den Fraktionen. Aber: „Vor der Ausarbeitung des Bebauungsplans zur Offenlage besteht noch Klärungsbedarf.“ Das wundert nicht, denn der Fachausschuss hatte bereits im November 2017 eigene städtebauliche Ziele für die weitere Planung beschlossen. Das hat Gewicht, denn nur die Kommune kann letztlich Baurecht schaffen.

Diese Ziele haben Vorgabencharakter. So wird eine „zur vorhandenen Bebauung maßstabsgerechte Quartiersentwicklung“ erwartet. Das bedeutet, dass die besonders massiven und hohen Gebäude in der Planung kritisch gesehen werden dürften. Weitere Vorgabe ist die „Attraktivierung des Einzelhandels an der oberen Kaiserstraße“. Dem dürfte das Architekturbüro nachgekommen sein. Ob allerdings die vorgeschlagene „Schaffung von bewirtschafteten Parkraum“ ausreicht, ist diskussionswürdig. Neben der Tiefgarage mit rund 200 Stellplätzen sind derzeit lediglich 31 öffentliche Parkplätze vorgesehen. Hinzu kommen für beide an der Kaiserstraße mögliche „gewerbliche Nutzungen“ insgesamt 37 Parkplätze.

Sozialer Wohnungsbau steht auf der Agenda

Weiteres klar formuliertes Ziel des Fachausschusses ist die „Bereitstellung von einem Drittel der Wohnungen für sozialen Wohnungsbau“.

Kopfzerbrechen macht außerdem der geplante „Eingriff in die Kalkhalde“. Errechnet wurde, dass dort Material in der Größenordnung von rund 19.000 Kubikmeter abgetragen werden müssten. Welche ökologischen und finanziellen Auswirkungen hat das? Noch gilt der Beschluss des Stadtentwicklungsausschusses aus dem Jahre 2011, „dass ein Abbaggern des Haldenfußes als auch ein Verfüllen des Abraums auf der Kalkhalde sowohl aus umweltpolitischen als auch aus unkalkulierten Haftungsrisiken für die Stadt abgelehnt wird“, ruft die Stadtverwaltung in Erinnerung.

Allerdings ist offenbar aus Sicht des Umweltamtes der Städteregion Aachen das Abtragen von Haldenmaterial aus altlasten- und bodenschutzrechtlicher Sicht grundsätzlich möglich. Es gibt bereits einen Sanierungsplan, der das regelt: „Nach der Sanierung bzw. der Bebauung (ist) jeglicher Direktkontakt mit dem Material durch geeignete Maßnahmen auszuschließen.“ Zu achten ist außerdem auf die Standsicherheit der Halde – heißt, es darf nichts abrutschen.

Geklärt werden muss noch die „Deponieklasse“ des abzufahrenden Materials. Vertraglich sollte laut Verwaltung mit dem Investor die Kostenübernahme und die Festschreibung des Anteils der sozial gebundenen Wohnungen fixiert werden.

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