Fotoausstellung: 13 Kapellen im Würselener Stadtgebiet

Fotoausstellung : 13 Kapellen im Würselener Stadtgebiet

„Drei Mal bin ich hingefahren. Dann endlich stimmten das Licht und meine Perspektive.“ Karl Heinz Klinkenberg (80) spricht von der Kapelle im Haus Serafine in Broichweiden. Einer von 13 Kapellen im Würselener Stadtgebiet, die er fotografiert hat.

Alle Bilder hängen jetzt im Format 30 x 45 Zentimeter im Vorraum von St. Sebastian. „Täglich ist die Kirche zwischen 15 und 17 Uhr geöffnet und natürlich während der Gottesdienste“, sagt Klinkenberg, der seit zehn Jahren Mitglied im Geschichtskreis der Pfarre St. Sebastian ist. Deshalb streift er immer wieder auf Motivsuche durch das Stadtgebiet, verfolgt immer wieder eine andere Idee.

Dieses Mal waren es eben Kapellen. In einer Vitrine zeigt er vier Aufnahmen der Kapelle St. Jobs in Weiden. „Das ist die kleine Kapelle, auf der rechten Seite vom Kaninsberg kommend Richtung Weiden“, erklärt Maria Klinkenberg. Sie hat ihren ihren Mann auf den Radtouren zu den Kapellen begleitet. „Viele Kapellen sind auf keiner Karte verzeichnet“, sagt Karl Heinz Klinkenberg. Die Kapelle St. Jobs wurde 1988 vom Architekten Ortwin Eilmann gebaut. An gleicher Stelle hatte schon eine Kapelle gestanden, die 1569 das erste Mal erwähnt wurde. 1859 wurde sie neu errichtet – und am 17. November 1944 von der Deutschen Wehrmacht gesprengt.

Nachdem Karl Heinz Klinkenberg den Schlüssel für die Kapelle besorgt hatte, legte er sich auf den Fußboden auf einer Matte, um den Betraum mit einem Weitwinkelobjektiv bis in die Decke hinein zu fotografieren. „Das sind großartige Aufnahmen“, urteilt seine Frau Maria. Mit einem ausgeklügelten Stativaufbau gelang es ihm, einen Symbolstein der Kapelle in vier Metern Höhe abzulichten. „Die Inschrift auf dem Stein erinnert an das Kriegsende am 8. Mai 1945 und dass am 8. Mai 1989 die Kapelle fertig gestellt worden ist“, erzählt Klinkenberg.

Den Eheleuten war es bei der Suche nach den Kapellen wichtig, auch zu ergründen, wann und warum ist sie gebaut wurden. So stießen die beiden auch einen ganz neuen Raum der Andacht, eine erst 2017 in Merzbrück gebaute Marien-Kapelle. Und berichten zu den Hintergründen: „Da ist die Ehefrau 2016 schwer erkrankt. Der Mann legte das Versprechen ab, wenn seine Frau gesund werde, dann baue er der Gottesmutter eine Kapelle“, legt Maria Klinkenberg dar. „Als seine Ehefrau im vergangenen Jahr gesund aus dem Krankenhaus entlassen wurde, überraschte ihr Mann sie mit der fertigen Kapelle.“

Zu den größeren Kapellen im Stadtgebiet gehören der 1912 erbaute Betraum im Krankenhaus Bardenberg oder die 1964 im Rhein-Maas-Klinikum eingeweihte Kapelle, deren Fenster der Glaskünstler Professor Georg Meistermann aus Karlsruhe entworfen hat.

„Und dann gibt es eben noch die 1967 gebaute Kapelle im Haus Serafine, die zwischen 1989 bis 1991 neu gestaltet wurde und deren Glasfenster der Alsdorfer Glaskünstler Professor Ludwig Schaffrath machte“, sagt Maria Klinkenberg mit einem Lächeln. Ihr Mann ist dreimal zum Helleter Feldchen gefahren, bis auf den Fotos alles stimmte. „Licht und Perspektive müssen eben meinen Ansprüchen genügen“, sagt ihr Mann und weist auf ein perfektes Foto. Auch das ist im Vorraum von St. Sebastian zu sehen.

(ny)
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