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Barmen: Zwischen Kruzifix und Kokospalmen

Barmen : Zwischen Kruzifix und Kokospalmen

Die Sonne scheint, die Markise schützt ein wenig vor dem gleißenden Licht, es riecht nach Backwerk aus der Küche im Erdgeschoss. Auf einfachen Gartenstühlen sitzen Pater Manfred Karduck (70) - mit Sakko und offenem Hemd - und Pater Konrad Eßer (67) - er trägt ein silbernes Kruzifix unter der Weste - auf dem Balkon in Jülich-Barmen.

Hier sind die Ordensmänner daheim, doch in der Welt sind sie Zuhause. Sie gehören zum Overbacher Konvent der Oblaten des hl. Franz von Sales (OSFS), der aus zehn Patres und Brüdern besteht. Das Kloster öffnet am Sonntag, 21. Juni, seine Pforten von 11 Uhr bis 16 Uhr zu einem Tag der Begegnung.

Um 7.30 Uhr beginnt der Konvent sein Tagwerk mit einer Messe in der Hauskapelle. Es folgt das gemeinsame Frühstück. Dann „geht jeder an seine Arbeit”, allerdings unterrichtet nur noch ein Mitbruder am Overbacher Gymnasium.

Vor dem Mittagessen trifft sich der Konvent zu einem kurzen Gebet in der Kapelle, in der kunstvolle Glasfenster an aufgegebene Ordenshäuser erinnern. Um 18.30 Uhr folgt vor dem Abendessen eine Vesper. Der Abend selbst ist der „Rekreation” vorbehalten.

Karduck und Eßer „arbeiten noch kräftig in der zweiten Reihe mit”. Sie kennen sich seit dem Abitur in Schleiden, dort unterhielten die Sales-Oblaten das Schlossinternat „Marianum”.

Sie absolvierten das Noviziat und Klerikat in Paderborn, legten die Profess (Ordensgelübde) ab, wurden gemeinsam zum Priester geweiht. Im September 2006 feierten sie ihr 40-jähriges Priester-Jubiläum mit Pater Konrad Boja aus dem Übach-Palenberger Kloster Marienberg.

Karduck stammt aus Wegberg. Den Weg in den Orden fand der passionierte Fußballer, weil er Sales-Oblaten kennengelernt hatte und „die Jugendarbeit mein Metier” ist. Und natürlich war die salesianische Spiritualität ein gewichtiger Beweggrund für ein „Leben in der Nachfolge Christi”: „Nichts aus Zwang, alles aus Liebe.”

Eßer stammt aus Köln-Esch, er wollte schon in jungen Jahren Geistlicher werden. Auch ihn zog die salesianische Spiritualität an, auch er wollte Jugendarbeit leisten. Er war Kaplan in Köln, Präfekt im Schleidener Internat, 16 Jahre lang Provinzial der deutschen Ordensprovinz, die derzeit noch 21 Mitbrüder von drei Kontinenten zählt, Novizen- und Klerikermeister in Paderborn und schließlich bis Ende 2008 Missionsprokurator der deutschen und der österreichischen Provinz.

Zur Zeit ist er Assistent des Generaloberen P. Aldino Kiesel, einem Brasilianer. Als solcher „kommt er viel herum in der Welt”, sagt Mitbruder Karduck. Pro Jahr ist er bis zu fünf Monate auf Reisen. Zuletzt war er in Haiti, Ekuador, Brasilien, Südafrika und Namibia. Im Oktober fliegt er für drei Wochen nach Indien, in den Bundesstaat Kerala, das „Land der Kokospalmen” an der Südwestspitze des Subkontinents. Der fromme Vielflieger, der Jetlags mühelos wegsteckt, schätzt dieses Land und die Mentalität dieser Menschen, sie seien trotz ihrer Armut „freundlich und gelassen”.

Karduck ist zur Zeit Rektor und Schulbeauftragter in Overbach. Er war zunächst Präfekt im Overbacher Internat und dann nach einem Musikstudium in Köln bis 2003 Lehrer. Er schätzt vor allem die „Leichtigkeit” des Wiener-Klassik-Genies Wolfgang Amadeus Mozart, aber auch die Komponisten der Romantik.

Karduck, der schon als Oberstufenschüler in Schleiden einen Schülerchor gegründet hatte, gehörte zu jenen, die Overbachs Ruf als Musik-Hochburg mit seinen Orchestern und Chören begründet haben, als in den 70er Jahren die rhythmische Musik Einzug in die Kirchen hielt. Kaum ist er im so genannten Kommunikationsraum des Konvents, improvisiert er ein paar Takte auf einem Klavier aus Nussbaum, hergestellt in der Festspielstadt Bayreuth und gespendet von einem Industriellen.

Wird ein Hebel umgelegt, klingt es wie ein Spinett. Auch das eine oder andere antike Möbelstück stammt von Wohltätern. Karduck ist noch immer „viel unterwegs” in Sachen Fundraising und Sponsoring. Denn Geld „kann man immer brauchen”, sagt der geschäftige Gottesmann. Und so hat der „kleine Orden” (Karduck) auch das 7,8-Millionen-Projekt „Science College” stemmen können, das in einer Woche feierlich eröffnet wird.