Jülich: Zweitligist TTC Indeland Jülich siegt in Weinheim

Jülich: Zweitligist TTC Indeland Jülich siegt in Weinheim

Ein tristes Chaos herrschte am Sonntag vor dem Zweitligaspiel des TTC Indeland Jülich in der badischen „Zwei-Burgen-Stadt“ Weinheim. Obwohl die Indeländer verdient mit dem 6:3 beim TTC Weinheim ihren zweiten Saisonsieg landeten, wollte keine rechte Freude über die gewonnenen Punkte aufkommen.

Es gab viel Reisestress im Vorfeld und ein tragischer Todesfall auf Seiten der Weinheimer überschattete die ansehnliche Partie.

Der Weinheimer Spieler Björn Baum, Bruder von Nationalspieler Patrick Baum, verlor seinen Vater bei einem tragischen Verkehrsunfall. Der Tod warf einen dunklen Schatten über den ganzen Verein und der Trauernde, der bei Weinheim an Position drei spielt, nahm sich eine Auszeit.

Die gewünschte Spielverlegung war aus terminlichen Gründen nicht zu realisieren. Für Baum rutschte der aussichtslose Daniel Dörsam, der normalerweise in der Badenliga spielt, in den Kader; das war ein deutlicher Vorteil für den Gast aus Jülich.

Doch die Vorzeichen für die Indeländer waren ebenfalls ungünstig. Bis wenige Stunden vor dem Spiel war überhaupt nicht klar, ob alle TTC-Akteure die Halle rechtzeitig erreichen. Die Europameisterschaft in Lissabon forderte logistische Höchstleistungen von Manager Arnold Beginn, der von Jülich aus die Fäden zog.

Ewout Oostwouder war bis Freitagabend mit der niederländischen Nationalmannschaft im Einsatz und erwischte Samstag noch einen Flug nach Amsterdam. Mit dem Auto reiste er Sonntag nach Weinheim und wirkte entsprechend erschöpft. Viel härter erwischte es Lauric Jean.

Der Belgier war mit seinen roten Teufeln gar bis Samstag am Start und erwischte Sonntag noch einen Platz im letzten Flieger und landete um 12.45 Uhr in Frankfurt, wo er 45 Minuten auf sein Gepäck warten musste.

Der Weinheimer Robin Devos, Laurics Kollege aus der belgischen Nationalmannschaft, schnappte ihm im vorletzten Flugzeug den letzten Platz weg und war eine Stunde früher in Frankfurt. TTC-Cheftrainer Miroslav Broda agierte Sonntag schließlich als Shuttlefahrer und chauffierte Jean nach Weinheim. Beginn informierte unterdessen Oberschiedsrichter Patrick Braun über die terminlichen Probleme der Mannschaft und der Beginn der Partie wurde fairerweise auf 14.30 Uhr verschoben.

Broda erzählte: „Das war eine heftige Aktion! Meine Spieler waren aufgrund der Anreise sehr erschöpft, denn auch Ozawa kam erst kurz vor dem Spiel vom Trainingslager aus Bremen an.“ Der Japaner hatte einen Nachtzug nach Köln genommen.

Doch Yoshihiro Ozawa merkte man die Strapazen nicht an. Er und Hermann Mühlbach waren mit insgesamt fünf Punkten erneut die Matchwinner. Die beiden Jülicher gewannen nicht nur alle ihre Einzel, sondern waren auch gemeinsam im Doppel gegen Klein/Klumpp erfolgreich.

Den wichtigen Punkt zum 4:1 markierte indes Lauric Jean gegen Jörg Schlichter. In seinem ersten Einzel biss sich der Belgier durch und kämpfte Schlichter in fünf Sätzen hauchdünn nieder. „Ich habe meine ganze Kraft in dieses Spiel gelegt, danach ging bei mir nichts mehr“, erkannte Jean.

Nach der deutlichen Führung geriet der TTC jedoch ins Wanken. Oostwouders mäßige Leistung gegen Jugendnationalspieler Dennis Klein und Jeans kraftloser Auftritt gegen Landsmann Devos ließen den Vorsprung auf 4:3 schmelzen. Danach hatten Mühlbach und Ozawa kleine Startprobleme, die sie aber souverän lösten.

„Wir hatten natürlich einen kleinen Vorteil, weil Björn Baum nicht mitspielte, aber dennoch waren wir besser und haben verdient gewonnen“, meinte Miro Broda. „So viele Probleme haben wir noch nie gehabt“, war auch TTC-Manager Beginn nach der Partie geschafft. Nach drei ungeschlagenen Spielen gegen starke Südteams stimme aber die sportliche Perspektive. „Ich glaube, dass wir unter die ersten drei kommen“, ist Beginn überzeugt.

(js/ahw)
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