Jülich: Zweisprachige Lesung mit Autor David Fermer in der GHS Ruraue

Jülich: Zweisprachige Lesung mit Autor David Fermer in der GHS Ruraue

David Fermer spricht Englisch. Auch mit den Schülern der GHS Ruraue. Dabei soll er lesen. Doch anstatt bei einem Glas Wasser den Text aus einem seiner Bücher vorzutragen, wie das Prozedere gewöhnlich bei Lesungen abläuft, plaudert er, erzählt den Schülern seine Biographie, wer er ist, was er gemacht hat, wie Schule in England ist, welche Unterschiede es gibt. Wohlgemerkt in Englisch.

Und die Hauptschüler? Die kleben an seinen Lippen. Fermer unterstreicht das Gesagte mit Mimik und Gestik, spricht unterhaltsam und pointiert. Kurzum: Er weiß, wie man mit Schülern umgeht, er langweilt sie nicht, er reißt sie mit. Und dann: Er spricht auch Deutsch, ein Raunen geht durch den Klassenraum. Puh, Erleichterung steht in den Gesichtern geschrieben.

Lehrer in Peru und Berlin

David Fermer ist ein zweisprachiger Autor. Nach seinen ersten vier Lebensjahren in der Schweiz, verbrachte er Kindheit und Jugend in England. Der heutige Autor studierte erst Kunst, dann Film und Video in London und Berlin, arbeitete anschließend als Aufnahmeleiter und Produktionsleiter, später als Lehrer in Peru und Berlin. Nebenher schrieb er Texte. Seit 2003 lebt Fermer in Köln, schreibt zweisprachige wie englischsprachige Bücher, Kinderbücher, Krimis, gibt Anthologien heraus. Er schreibt für Fernsehen, Presse und Film.

David Fermer war bereits zweimal in der GHS Ruraue zu Gast. „Er ist von den Schülern immer super aufgenommen worden“, sagt Schulleiterin Karin Stobbe.

Auch dieses Mal geht sein Konzept auf. Die Jugendlichen der achten und neunten Klassen sind aufmerksame Zuhörer, im Klassenzimmer entsteht eine lockere Gesprächsatmosphäre mit Lerncharakter. Dass Hauptschüler sich schlecht konzentrieren könnten, davon ist in der 90-minütigen Autorenlesung nichts zu merken.

Wechselspiel der Lesenden

Bevor es mit dem Lesen losgeht, sind die Jugendlichen schon in die englische Sprache eingetaucht. Fermer holt drei Schüler nach vorne. Gelesen wird im Wechselspiel, im Dialog, aus dem zweisprachigen Buch „Surf4ever“. Die Schüler lesen gut, der erste Textabschnitt ist in Deutsch, schnell finden sie sich in ihre Rollen ein.

Die Geschichte handelt von Mo und Ashley. Beide erleben einen verrückten Sommer an der britischen Atlantikküste. Sie erzählen in zwei Sprachen, aus unterschiedlichen Perspektiven.

Nebenbei fragt Fermer in die Runde, wer zweisprachig sei, oder in welchen Ländern die Amtssprache Englisch ist. Richtige Antworten der Hauptschüler kommen prompt. Dass auch in Nigeria, Uganda, Kenia, Ghana und Malta überwiegend Englisch gesprochen wird, ist aber doch dem einen oder anderen neu.

Nach dem Lesen folgt ein Trailer in Englisch. Das Thema „Surfen in England“ knüpft nahtlos an den Handlungsstrang der Story an.

Natürlich wird auch in englischer Sprache gelesen. Diesmal übernehmen zwei Mädchen den Part, der Text läuft parallel zum Mitlesen auf dem Smartboard.

Selbstbewusstsein getankt

Die Zeit ist schnell um, von Müdigkeit oder Langeweile ist keine Spur. Neben Lust aufs Lesen haben die Schüler — vielleicht — Interesse für die Sprache und beinahe nebenbei eine Portion Selbstbewusstsein getankt.