Zum Welttag des Buches am Dienstag: Was lesen Jülicher gerne?

Zum Welttag des Buches : Was lesen Jülicher gerne?

Am Dienstag ist der „Welttag des Buches“. Was lesen Jülicher gerne? Und welche Bücher empfehlen Literaturkenner? Wir haben nachgefragt.

„Jülicher Leser entsprechen dem Ruf, dass Männer lieber zu Sachbüchern greifen und Frauen für Liebes- und Familienromane schwärmen. Aber Krimis lesen beide Geschlechter gern, wobei auffiel, dass es vielen Frauen gar nicht blutig genug sein kann.“ Das sagt Verleger und Ex-Buchhändler Wolfgang Hommel, zum 24. Welttag des Buches auf das Leseverhalten der Jülicher angesprochen.

Stadtbüchereileiterin Birgit Kasberg bestätigt Hommels These bezüglich der Buchauswahl bei Kindern und Jugendlichen: „Jungs greifen unwahrscheinlich gerne zum Sachbuch, Mädchen zum 500-Seiten-Fantasyschmöker.“ Kasberg lobt die Leselust der Herzogstädter: „Jülicher lesen viel, nicht nur aufs Buch bezogen, Jülicher beschäftigen sich viel mit Medien“. Wobei sie manche Ausleihkunden ein halbes Jahr nicht sieht, bis ihnen wieder „nach einem Buch ist“.

Was ist ihrer Meinung nach der Reiz am Buch? „Lesen ist Fantasie für die Seele. Ich kann Bilder im Kopf entstehen lassen. Lesen hat für mich eine ganz besondere Atmosphäre und gehört für mich zur Alltagskultur dazu.“ Es ist nicht nur das Lesen alleine, beliebt sei auch der anschließende Austausch aller Altersklassen in diversen Leseclubs. Aus diesem Grund findet im laufenden Jahr in der Stadtbücherei erstmals nur ein Leseclub für alle Interessierten statt, nämlich der Sommerleseclub (SLC), der sich nicht wie bisher auf Schüler beschränkt. Welches Buch muss man unbedingt im Leben gelesen haben? Eva Behrens-Hommel schwört auf die Neuauflage der Biografie von Ashlee Vance: „Elon Musk: Wie Elon Musk die Welt verändert“. Wolfgang Hommel hebt aus den Frühjahrsneuerscheinungen „Wo wir zu Hause sind: Die Geschichte meiner verschwundenen Familie“ von Maxim Leo heraus, die wahre Geschichte einer jüdischen Familie, die auf der Flucht vor den Nazis in alle Winde zerstreut wurde.

Familiensagas liegen laut Kasberg im Trend. Ein Beispiel ist die „Neapolitanische Saga“ von Elena Ferrante, hier darf der Leser die beiden Freundinnen Lila und Elena und die Entwicklung ihrer Freundschaft über Jahrzehnte hinweg begleiten.

Ein anderes Beispiel ist die Jahrhundert-Trilogie von Carmen Korn, die die Freundschaft von vier Frauen aus unterschiedlichen sozialen Schichten nachzeichnet, die fortan ihren Lebensweg teilen. Kasberg spricht in diesem Zusammenhang von einer „Verknüpfung“ persönlicher Schicksale und gut recherchierten historischen Ereignissen, die den Reiz ausmachen.

Die Leiterin der Stadtbücherei liest am liebsten Kinderbücher. Buchtipps zu geben, fällt ihr schwer, weil „Lesen so individuell und abhängig von der jeweiligen Lebenssituation ist“. So wird im Urlaub meist zur Entspannungsliteratur gegriffen, „mit einem Käffchen und Schokolädchen daneben“. Zum „Mainstream“ gehören Sachbücher zur allgemeinen Lebensgestaltung. Beispiele sind die Kreativtechnik „Handlettering“, Pflanzbücher für den Garten und vor allem angesagte Ernährungsratgeber, etwa zur Low-Carb-Diät oder zum „Meal-prepping“, gemeint ist das Vorkochen von Mahlzeiten.

„In der Ausleihe gingen Sachbücher immer schon ganz gut. Sie geben punktuelle Information. Man muss das Buch nicht unbedingt haben“, vergleicht sie das Verhalten der Büchereikunden mit den Käufern im Buchgeschäft.

Nach wie vor der Renner sind Romane, darunter vor allem Krimis. Bei Frauen „quer durch alle Altersklassen“ beliebt sind auch „abgemilderte Versionen“ der erotischen Roman-Trilogie „Shades of Grey“ von E.L. James, wie „Game of Passion“ von Geneva Lee, die gerne heimlich mit dem Buchrücken über die Ausleihtheke geschoben werden.

Welche Buchtitel empfehlen andere Literaturkenner? Die Leiterin des VHS-Literaturkreises, Gudrun Kaschluhn, favorisiert die Biografie von Jens Rosteck über die faszinierende Schriftstellerin, Journalistin und Regisseurin Marguerite Duras, die „Schwester der Meere“.

Jürgen Schmitte, Leiter der neuen „Thalia“-Filiale, empfiehlt zum Welttag des Buches „Die Mauer“ von John Lanchester. Das ist „eine spannende Abenteuergeschichte in einem Nach-Brexit-England, fesselnd, unterhaltsam und vor allem erschreckend aktuell. Ein dystopischer Roman, bei dem man fürchtet, dass die Realität ihn all zu bald eingeholt haben könnte.“

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