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Jülich/Pattern: Zum letzten Mal Obst und Gemüse verkauft

Jülich/Pattern : Zum letzten Mal Obst und Gemüse verkauft

Auf dem Jülicher Wochenmarkt galt der Stand von Marlies und Hans Cremer als Mittelpunkt.

Hier ein Witz von ihm, dort ein freundliches Lächeln von ihr, immer für die Kunden ein offens Ohr. Und dies 13 Jahre lang, bei Wind und Wetter.

Am Wochenende verabschiedete sich das Paar. Gesundheitlich bedingt gaben sie ihren Obst-und Gemüsestand auf, den Philipp Merdon übernimmt.

„Natürlich ist ein bißchen Wehmut dabei. Schließlich haben wir dies immer sehr gerne getan. Aber jetzt geht die Gesundheit vor.” Marlies Cremer musste viele Hände schütteln, als der letzte Markttag anstand.

Wie in all den Jahren zuvor waren sie nachts um kurz vor eins aufgestanden, waren nach Köln zum Großmarkt gefahren, um sich für den Abschiedstag in Jülich einzudecken. „Natürlich denkt man dann besonderes nach. Mir werden die Kunden fehlen.”

Hans Cremer stammt wie seine Ehefrau von einem landwirtschaftlichen Betrieb. So war beiden der Umgang mit Obst und Gemüse vertraut. Der Schritt, dreimal die Woche den Jülicher Wochenmarkt zu beschicken, war schnell gefasst.

Dies war im Februar 1991, „ganz klein”, so der 59-jährige Patterner. Standen am Anfang drei oder vier Leute zur Bedienung bereit, waren es jetzt in Spitzenzeiten bis zu zehn, die am „Marktmittelpunkt” bedienten.

„Natürlich lernt man sehr viele Leute kennen, weiß viel über ihr Privatleben”, seien es insbesondere die älteren Leute gewesen, die gerne ihr Herz bei Marlies Cremer ausschütteten. „Und wenn dann eines Tages dieses oder jenes Gesicht fehlte, dann wusste man, dass der Tod schneller war.”

Auch dies, so wurde beim Abschied betont, zählt einfach zum Marktgeschehen. So wie das Banänchen für die Kinder. Dies ließ sich Hans Cremer nicht nehmen. So waren es die Kleinen, die immer den „Mann mit dem Hut” suchten, um sich von ihm beschenken zu lassen.

Da über die Jahre nie Urlaub drin war, dürfte nun für die Cremers ein bißchen mehr Freizeit herausspringen. Radfahren und Schwimmen soll verstärkt betrieben werden. Darüber hinaus möchte man sich einfach mehr Ruhe gönnen, „denn jünger werden wir alle nicht”, gesteht Hans Cremer.