Jülich: Zuckerfabrik: Die Natur hält sich nicht an die Statistik

Jülich: Zuckerfabrik: Die Natur hält sich nicht an die Statistik

Die Zuckerfabrik Jülich hat ihre Ertragsplanung in kurzer Zeit erneut nach oben korrigiert — von 72 auf 74 Tonnen Rüben je Hektar. „Die Rüben wachsen und wachsen“, so Dr. Willi Kremer-Schillings, Leiter der landwirtschaftlichen Abteilung des Pfeifer & Langen-Werks.

Es sei eine „absolute Besonderheit“, dass die Ertragskurve nicht wie in den Vorjahren abfalle, sondern dank des warmen und feuchten Oktobers linear verlaufe. „Die Natur hält sich nicht an die Statistik“, stellt Kremer-Schillings fest. Und „ich weiß nicht, ob das das letzte Wort ist“, meint er zu den 74 t/ha. 2012 wuchsen von Mitte September bis Ende Oktober 15 t/ha hinzu, in diesem Jahr sind es aber 23 t/ha. „Dieser enorme Ertragszuwachs ist äußerst selten.“ Die Erfüllung der Quote dürfte damit in den meisten Betrieben sicher sein. Noch im August hatte sich Kremer-Schillings „gefragt, ob wir die Quote schaffen“. Damals hatte er mit eher 65 t/ha zwischen Selfkant und Bergheim und zwischen Aachen und Mönchengladbach gerechnet. In die Kampagne war die Zuckerfabrik dann mit einem erwarteten Ertrag von 68 t/ha gestartet. Doch selbst auf „Neuland“, rekultivierten Tagebauflächen, werden derzeit Hektarerträger von über 80 Tonnen eingefahren.

Auch beim Zuckerertrag korrigiert das Werk jetzt ihre Prognose mit 13 t/ha nach oben nach zuvor 12,4 t/ha. „Nur der Zuckergehalt bewegt sich keinen Deut“, erläutert Kremer-Schillings. Er verharrt bei 17,2 Prozent. Unter dem Strich erwartet er „das viertbeste Ergebnis“ in der Werksgeschichte“. Bis in den Januar hinein werden insgesamt 1,5 Millionen Tonnen Rüben verarbeitet. In der Fabrik läuft es nach einer Verpuffung im Kohlebunker „wieder sehr rund“.

Ein Glimmbrand hatte die Sprinkleranlage ausgelöst, der dadurch entstehende Wasserdampf-Überdruck hat vier Bunker-Luken abgesprengt. Deswegen war die Produktion gedrosselt worden, erreichte aber nach einigen Stunden wieder die volle Leistung. „Jetzt liegen wir wieder im Plan“, so Kremer-Schillings. Die Zuckerfabrik hat ein eigenes Kohlekraftwerk, das, von RWE Power bestückt, Strom erzeugt und Prozesswärme liefert.

(gep)
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