Jülich: Zu hohe Nitratwerte im Jülicher Brunnenwasser

Jülich: Zu hohe Nitratwerte im Jülicher Brunnenwasser

Der Umweltverband VSR-Gewässerschutz (Geldern) hat Brunnenwasserproben aus dem Dürener Nordkreis analysiert, die er Ende Mai auf dem Jülicher Marktplatz entgegengenommen hat. Das Ergebnis lässt den Verband Alarm schlagen: Die Nitratwerte im Grundwasser seien viel zu hoch und müssten dringend reduziert werden.

In jeder vierten untersuchten Probe habe die Nitratkonzentration oberhalb des Grenzwertes der deutschen Trinkwasserverordnung (50 Milligramm pro Liter) gelegen.

Insgesamt 19 Wasserproben aus privat genutzten Brunnen nahmen Lina Remme, Mitarbeiterin im Bundesfreiwilligendienst, und Harald Gülzow, VSR-Projektleiter, aus dem Raum Jülich für die Untersuchung entgegen. Der Umweltverband: „Ein Grund für die hohen Belastungen ist die intensive Landwirtschaft. Diese hat sich in den letzten zehn Jahren immer weiter ausgebreitet.“ Die hohen Nitratanreicherungen im Grundwasser gehen auf die Düngepraktiken zurück. Die umweltverträglichere Form der Landwirtschaft — der ökologische Landbau — hat laut VSR-Gewässerschutz im letzten Jahrzehnt kaum wachsen können. Hier müssten vor allem die Verpächter handeln.

Bei den Untersuchungen im Jülicher Land sind 91 Milligramm Nitrat pro Liter in einem privat genutzten Brunnen in Hambach gefunden worden. Weitere mit Nitraten stark verschmutzte Brunnen stellten die Umweltschützer in Koslar mit 70 Milligramm pro Liter (mg/l) und in Barmen mit 62 mg/l fest. Das Wasser ist wegen der Überschreitung der Trinkwasserverordnung nicht mehr zum Trinken geeignet, schreibt er Umweltverband. Besonders wichtig sei außerdem, dass derart belastetes Wasser nicht zum Befüllen eines Fischteichs genutzt wird. Es bestehe die Gefahr, dass es zur Massenvermehrung von Algen kommt. Abgestorbenen Pflanzen könnten anschließend zu Fischsterben führen.

Die Ergebnisse des VSR-Gewässer erlauben indes keinen unmittelbaren Rückschluss auf die Nitratbelastung und Qualität zum Beispiel des Trinkwassers, das die Stadtwerke Jülich (SWJ) liefern. Das liegt in diesem Fall an den Gewässerschichten: Während private Brunnenbesitzer meist Grundwasser in einer Tiefe von fünf bis 20 Metern fördern, pumpt der größte Kommunalversorger im Nordkreis das kostbare Nass aus einer Tiefe von 140 Metern nach oben.

„Unsere größte Sicherheit sind unsere Tiefbrunnen“, sagt Andreas Kayser, verantwortlich für das Wasserwerk bei den SWJ. Der Grund dafür: Die Brunnen der SWJ sind rund 200 Meter tief, das Wasser wird aus rund 140 Metern Tiefe gepumpt. Das bedeute, dass jegliches Oberflächenwasser, also alles, was über den Boden in die Erde eindringt, für Jülichs Trinkwasser keine Rolle spielt: Denn es erreicht diese Tiefe gar nicht erst.

Der Rohwasserspiegel liegt bei etwa vier Metern unter dem Meeresspiegel — dann folgen viele verschiedene Boden- und Tonschichten. Die bildeten einen „hervorragenden natürlichen Filter“. Auch das Wasser, das aus den Stadtwerke-Tiefbrunnen gefördert wird, wird auf seinem Weg durch die Erde gründlich gereinigt und habe eine besonders hohe Qualität.

Das bestätigt der Sprecher des VSR-Gewässerschutzes, Harald Gülzow, auf Anfrage der Redaktion. „Die Versorger betreiben oft auch besonderen Wasserschutz rund um ihre Brunnen und nehmen auch Einfluss auf die Landwirte.“ Allerdings sei die Tiefenentnahme auf lange Sicht auch nicht folgenlos, denn laut Gülzow entstehen weit unten mit und mit Hohlräume, in die dann oberflächliches Wasser einfließen kann, das dann doch mit Nitrat belastet ist.

Nitrate sind die Salze und Ester der Salpetersäure, die gut wasserlöslich sind. Sie spielen eine wichtige Rolle als Nährstoff für Pflanzen und werden häufig als Dünger verwendet. Nimmt der Mensch Wasser mit einem Nitratgehalt von 50 Milligramm pro Liter zu sich, kann das laut EU-Kommission erhebliche Auswirkungen auf die Gesundheit haben, weil Nitrat im Körper unter Umständen zu Nitrit umgebaut wird. Bedenklich ist die Konzentration insbesondere für schwangere Frauen und Kleinkinder. Darum gibt es dazu zahlreiche Auflagen und Vorgaben.

Andreas Kayser: „Wir können die Jülicher beruhigen. Denn unser Trinkwasser ist einwandfrei. Jede Woche werden durch ein unabhängiges Institut Proben entnommen und analysiert. Geprüft wird mikrobiologisch auf Bakterien, Temperatur und Trübung des Wassers und die physikalischen wie auch chemischen Eigenschaften. Dabei sollen auch der Nitratgehalt, Metalle und Pflanzenschutzmittel festgestellt werden. Und von diesem Institut bekommen wir regelmäßig exzellente Noten für die gute Qualität unseres Trinkwassers.“

(-vpu-)