Jülich/Gevenich: Zitadellen-Jazznacht: Der uralte Stock erklingt am Herzogsitz

Jülich/Gevenich: Zitadellen-Jazznacht: Der uralte Stock erklingt am Herzogsitz

Sven Molder zählt zu Europas führenden Experten für Spiellehre und Bau des Didgeridoos und gilt als Fachmann der Sitten und Bräuche der Aborigines, der australischen Ureinwohner.

Bei der Zitadellenjazznacht am Samstag, Beginn 19 Uhr, ist der Mann, der in Linnich-Gevenich zu Hause ist, mit dabei und wird in der Schlosskapelle ein außergewöhnliches Konzert geben.

„Ich bin das Instrument, und was ich hier habe, ist der Lautsprecher”, erklärt er und zeigt auf das Instrument. Alles, was Sven Molder braucht, um jeden Raum mit einem mystischen Klangteppich zu belegen, ist ein offenes Holzrohr, bei uns als Didgeridoo oder unter seinem ursprünglichen Namen Yidaki bekannt. Es gilt als das älteste Holzblasinstrument der Welt und hat seinen Ursprung im Norden Australiens.

Nach Aussagen der australischen Ureinwohner soll der „klingende Stock” so alt sein wie ihre Kultur selbst, also etwa 400.000 Jahre vor unserer Zeitrechnung.

Im Kino Feuer gefangen

Vor gut 25 Jahren fing Molder bei Werner Herzogs Film „Wo die grünen Ameisen träumen” Feuer. „Ich habe den Film gesehen, die Musik gehört und wusste sofort: Das ist mein Instrument”, erinnert sich Molder, der bis dahin auf der Bluesharp spielte. Es war damals so gut wie unmöglich, an ein Instrument heranzukommen. Erst Jahre später, 1989, erfüllte sich der Traum. Der Gevenicher lieh sich ein Didgeridoo und stellte fest, dass es nur eine einfache Röhre war: „Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich auf Mutters Staubsauger geblasen.”

Aus einer Herkulesstaude (Riesenbärenklau), die er sich aus dem Wald holte, bastelte er den ersten eigenen „klingenden Stock. „Ich habe jahrelang geübt und mit Hilfe von CDs versucht, an die Spielweise der Yolgnu-Aborigines heranzukommen. Doch nach gut zehn Jahren konnte ich noch keinen einzigen Ton oder Rhythmus der Aborigine spielen, und dann hat es bei mit Klick gemacht.”

Ihm wurde klar, dass er nach Australien reisen musste, um bei alten Meistern vor Ort Unterricht zu nehmen. Doch das begann mit einem Schockerlebnis: „Als ich denen etwas vorspielte, war das Gelächter ziemlich groß. Auf meine Frage, was sich den falsch mache, bekam ich die einstimmige Antwort: „So ziemlich alles.”

Seinen Traum, die traditionelle Spielweise zu erlernen, begrub er allerdings nicht. Er stellte sich der Herausforderung, doch zuvor musste er sich mit Sprache, Kultur und Lebensweise vertraut machen. Dabei kam ihm zugute, dass er einige Zeit bei nordamerikanischen Indianern gelebt hatte.

Nach und nach wurde er anerkannt und von Dhopiya Yunupingu, der Frau von Djalu Gurruwiwi, den bedeutenden Clanführer der Yolgnu-Aborigines, adoptiert. Seither ist er als Clanmitglied auch in der Politik der Aborigines integriert. „Wenn Du als Weißer in Australien Didgeridoo spielst, ist das auch ein politisches Signal”, erklärt er.

Es hat vier Jahre gedauert, bis er die Basis der traditionellen Spielweise und die Atemtechnik erlernt hatte. Zwölfmal war Molder in Australien. „Jetzt, nach weiteren zehn Jahren Spielpraxis, muss ich sagen, wenn man einmal den Kniff raus hat, kann man gar nicht aufhören.”

Das Instrument nimmt bei den Ureinwohnern einen besondern Stellenwert ein. Es ist einer von vier Wegen, mit der Natur zu kommunizieren. Der erste Weg ist der Gesang, der zweite der Rhythmus, der dritte Tanz und der vierte das Yidaki.

„Was mir Spaß macht, ist zu mischen, mit Tönen zu jonglieren - wie im Jazz. Das Konzert wird ein musikalischer Ausflug in moderne Boogie-, Jazz- und Bluesrhythmen.” verspricht Molder.