Jülich: Zitadelle und mehr: Führung durch das „italienische Jülich“

Jülich: Zitadelle und mehr: Führung durch das „italienische Jülich“

Im April beginnt wieder der unter dem Motto „GaST — Geschichte am Sonntag“ stehende Reigen der Führungen des Fördervereins Festung Zitadelle Jülich. Bis Oktober findet an jedem ersten Sonntag im Monat eine Führung durch Zitadelle, Schloss und zum Teil auch den historischen Stadtkern statt.

Am 3. April stellt der Vorsitzende des Fördervereins, Dr. Rüdiger Urban, das Erbe Jülichs als renaissancezeitliche Idealstadt in den Mittelpunkt seiner gut zweieinhalbstündigen Führung, die in Kooperation mit der Volkshochschule Jülicher Land stattfindet.

Nach dem gewaltigen Stadtbrand von 1547 beauftragt Wilhelm V., Herzog von Jülich, Kleve, Berg, seinen Baumeister Alessandro Pasqualini, die Stadt Jülich komplett neu zu errichten. Pasqualini ist nach dem Forschungsstand ein Schüler der Dombauhütte von St. Peter in Rom in der Zeit Bramantes, Raffaels und Peruzzis.

Er entwirft Jülich nach militärisch-mathematischen Gesichtspunkten auf dem Reißbrett als erste Idealstadtanlage nördlich der Alpen mit dem herzoglichen Schloss im Stil der italienischen Hochrenaissance innerhalb einer quadratischen Zitadelle. Pasqualini plant eine fünfeckige Idealstadtanlage mit breiten Straßen, strategischen Sichtachsen und verteidigungstechnisch bedingten Bebauungsgrundsätzen.

Diese modernste Festungsanlage ihrer Zeit demonstriert Macht und Kunstsinn des Herzogs, betont die staatliche Ordnung im Herzogtum, besitzt eine optimale Verteidigungsfähigkeit und bietet eine moderne Urbanität.

Doch aufgrund einer schicksalhaften Verkettung tragischer Familienereignisse und historischer Geschehnisse wird die Stadt noch vor ihrer vollständigen Fertigstellung 1582 von der intendierten Idealstadt als Regierungssitz zu einer reinen Festungsstadt zurückgestuft. Militärisch behält sie allerdings aufgrund ihrer strategisch wichtigen Lage eine hohe Bedeutung.

Dies ist mit ein Grund dafür, dass Jülich 400 Jahre später im 2. Weltkrieg in einem unvorstellbaren Trümmermeer versinkt. Doch es ist weitsichtigen Männern in der Zeit des Wiederaufbaus zu verdanken, dass sich das Erbe dieser renaissancezeitlichen Idealstadt den Besuchern Jülichs heute wieder eindrucksvoll erschließt. Besichtigt wird eine Bastion der mächtigen Zitadelle, der wiedererstandenen Ostflügel des Schlosses mit der kunsthistorisch einzigartigen Kapelle im Stil der italienischen Hochrenaissance. Sodann widmet sich die Gruppe dem Nachkriegswiederaufbau der Jülicher Altstadt und geht der Frage nach, warum dieser erhaltenswürdige Wiederaufbau in seinem Erscheinungsbild heute unter dem Schutz einer Denkmalbereichssatzung steht.