Goldenes Buch der Stadt: Zeitzeugnis für Jülichs Wandel

Goldenes Buch der Stadt : Zeitzeugnis für Jülichs Wandel

Seit 1930 gibt es bei der Stadt ein goldenes Buch, in das sich viele Ehrengäste und Besucher aus dem Bereich Politik eingetragen haben. Auch der Nationalsozialismus hat seine Spuren hinterlassen, wie ein Blick in das Buch offenbart.

Wer die jüngere Jülicher Geschichte und die Namen, die sie geschrieben haben, nachschlagen will, der sollte einen Blick in das goldene Buch der Stadt werfen.

„Wie ich dich liebe, Vaterstadt!“, ist die erste Zeile im Goldenem Buch. Sie entstammt der Hand Joseph Schregels, der somit den Grundstein dafür legte, dass das Buch zu einem stummen Zeugen des Jülicher Wandels wird.

„Das goldene Buch ist bei einer Feier zu Ehren Professor Dr. Joseph Kuhls fast als Nebenprodukt entstanden“, sagte der Jülicher Stadtarchivar Dr. Horst Dinstühler. Kurz nach dem Ende der belgischen Besatzung, genauer am 4. Oktober 1930, versammelten sich hierfür zahlreiche weitere Gäste auf Einladung des Geschichtsvereins, um den 100. Geburtstag des ersten Ehrenbürgers Dr. Joseph Kuhl zu zelebrieren. Das war die erste Stunde des goldenen Buchs.

Seiten herausgeschnitten

Der erste Aachener Bischof Dr. Joseph Vogt dokumentierte 1934 den Wiederaufbau des Bistums Aachen und schreibt: „Der alten Stadt Jülich mit ihrer reichen geschichtlichen Vergangenheit, die der Diözese Aachen bei ihrer Neugründung zugeteilt wurde, wünsche ich als erster Bischof von Herzen glückliche Entwicklung in kirchlichen und bürgerlichen Verhältnissen.“

Die Zeit des Nationalsozialismus hat in dem Goldenen Buch sichtbare Spuren hinterlassen. Versuche der Auslöschung dieser Zeugnisse sind nicht übersehbar: Einige Seiten sind herausgeschnitten worden. Horst Dinstühler hat wegen dieser Seiten mit Prof. Dr. Günther Bers gesprochen. Bers ist Historiker, war an der Uni Köln tätig und hat oft an Jülicher Themen gearbeitet. „Bis zu den 60er Jahren haben die herausgeschnittenen Seiten vorne im Buch gelegen. Wann diese abhanden gekommen sind, ist nicht bekannt“, sagte Dinstühler und weiter: „Bers hat das Buch um das Jahr 1960 gesehen und erinnert sich noch an einen Namen, der auf diesen Seiten stand.“

Der Name: Prinz August Wilhelm, Sohn des letzten deutschen Kaisers Wilhelm II.. Nach seinem Eintritt in die NSDAP 1930 wurde er unter anderem Mitglied des preußischen Reichstages und SA-Obergruppenführer, geriet aber durch abschätzige Aussagen über die Führungsriege der Nazis ins politische Abseits.

Die Nazi-Einträge

Drei Einträge haben es bis in die Gegenwart geschafft. Warum sie nicht entfernt wurden, ist unklar. So lautet ein Eintrag, der auf August 1935 datiert ist: „Jülich ist eine Perle im Kreise der deutschen Städte. Heil Hitler!“ Er entstammt der Feder Dr. Heinz Müllers, dem damaligen Präsidenten des Landesfinanzamtes von Köln.

Ein weiterer ähnelt fast einem Tagebucheintrag. Ein Hauptmann und Kompaniechef, dessen Name nicht entzifferbar ist, schrieb: „Nach 18-jähriger Fesselung der Wehrfreiheit rückten wir am 10.03.36 auf Befehl unseres Führers in die alte Garnisonsstadt Jülich ein. Der Stadt sei Dank für die freundliche Aufnahme und Bewirtung.“

 Nach dem Eintrag von Heinrich Röttgen von 1953, unter den anlässlich der Einweihung des neuen Rathauses auch zahlreiche Gäste ihre Unterschrift setzten, folgt nach einigen weiteren Einträgen der umfangreichste Eintrag im Goldenen Buch. Beinahe autobiografisch beschreibt Wilhelm Johnen sein Wirken. „Es war mein Schicksal, der letzte Landrat dieses ausgeglichenen, in sich harmonischen Kreises zu sein, ehe Düren und Jülich eine Kreisgemeinschaft wurden. Für meine Freunde, die den Kreis und die Stadt Jülich mit aufgebaut haben, sind dies Ölbergstunden gewesen. Wir aber haben an Ostern geglaubt“, ist so beispielsweise zu lesen.

Dann wird das Goldene Buch zum Verzeichnis für Großereignisse. So sind unter anderem einige Atomiaden, damals Sportfeste der Kernforschungsanlagen, und die Übergabe des neuen Polizeidienstgebäudes 1984 festgehalten. Auch die meisten Bundespräsidenten haben sich verewigt. Konrad Adenauer ist mit seinem Eintrag von 1958 der einzige Bundeskanzler. Aktuell ist der letzte Eintrag vom Landtagspräsidenten André Kuper, der beim Gymnasium Zitadelle vorbeischaute.

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