"Zehner" feiern erste Amateurmeisterschaft vor 50 Jahren

Festakt im Rathaus : Zusammenhalt und Loyalität führten zum Titel

Noch heute ist es das erste, worauf man angesprochen wird, wenn man im In- oder Ausland erwähnt, man komme aus Jülich: Die dreifache Deutsche Fußball-Amateurmeisterschaft des SC Jülich 1910. Das erlebten der amtierende Vorsitzende Michael Lingnau und „Zehner“-Urgestein Peter Kosprd jüngst noch bei einem Aufenthalt in Südtirol.

Wie stolz die Herzogstädter bis heute noch auf die Meisterschaftshelden der Jahre 1969 bis 71 sind, erfuhren diese jetzt beim Empfang im Jülicher Rathaus, zu dem die Stadt und der Verein anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der ersten der drei Titelgewinne der Deutschen Amateurmeisterschaft (Endspiel 12. Juli 1969 in Krefeld gegen Spvgg Erkenschwick, es endete 2:1) eingeladen hatten.

Mit großem Applaus begrüßten die Anwesenden die Meisterspieler von damals sowie „Trainer-Fuchs“ (Lingnau) Martin Luppen und Co-Trainer Reinhard Schilde im Großen Sitzungssaal des Neuen Rathauses. Gerne hätte man den Spielern zu diesem freudigen Ereignis noch einmal den „Carl-Riegel-Pokal“ präsentiert, doch wie Bürgermeister Axel Fuchs – selbst bekennender „Zehner“ – in seiner Ansprache erläuterte, sei das finanziell einfach nicht zu stemmen gewesen. Das Deutsche Fußballmuseum in Dortmund hätte sein Exponat zwar gerne ausgeliehen, aber nur bei versichertem Transport. Und das hätte mit einer Versicherungssumme von 20.000 Euro zu Buche geschlagen. Sowohl Fuchs als auch „Zehner“-Vorsitzender Lingnau erinnerten an den phänomenalen Empfang, den die Jülicher Bürger „ihren“ Fußballern nach dem Titelgewinn bereiteten. Da läuteten die Glocken der Propsteikirche, es gab einen Autocorso, Freibier, ein Extrablatt der Jülicher Nachrichten und tausende begeisterte Menschen säumten den Marktplatz.

Trainer Martin Luppen plauderte in seiner Rede ein wenig „aus dem Nähkästchen“. Es war erstaunlich mit anzuhören, mit welcher Klarheit er sich an kleinste Details der damaligen Zeit erinnerte. Er wusste noch genau, welcher Spieler wann und wo den entscheidenden Pass spielte oder wie „Macher“ Karl Knipprath nach nur 15 Minuten Gespräch mit ihm, dem Trainerneuling, entschied, das wird der neue Coach von Jülich 10. „Wo findet man das heute noch, in einer Zeit des Zögerns und Zauderns?“, sinnierte Luppen. Im selben Atemzug erinnerte er an „die rechte Hand“ Knippraths, Jakob Ross, an Obmann Joseph Krott und an den „allgegenwärtigen“ Günther Kuhn (Geschäftsführer).

Von allen erfuhr Luppen Zusammenhalt und Loyalität. Insbesondere nannte er hier seinen Co-Trainer Reinhard Schilde. „Dabei war er weit mehr als das. Er war mein Ratgeber und ein ausgezeichneter Fußballfachmann!“ Luppen nannte indes auch Zahlen. Gerade einmal 400 Mark im Monat habe er damals erhalten. “Das war nicht die Welt. Aber es war eine Ehre hier zu arbeiten und es hat Freude gemacht!“ Und sprach dem SC Jülich 1910 die größtmögliche Liebeserklärung aus: „Mein sportliches Zuhause ist Jülich!“

Mit der Präzision, mit der sich Luppen an die Dinge erinnert, sammelt Günther Kuhn sie. Mit unglaublicher Akribie hat er über die Jahrzehnte, Bilder, Zeitungsartikel Wimpel, Plakate und vieles mehr zusammengetragen. Einiges davon war im Großen Sitzungssaal ausgestellt. Eine Zusammenstellung verschiedenen Text- und Bildmaterials überreichte Kuhn an Bürgermeister Axel Fuchs.

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