Jülich: Zauber der Märchen: Jessica Burri erzählt von starken Frauen

Jülich: Zauber der Märchen: Jessica Burri erzählt von starken Frauen

Durch Erzählen mit Klang und Musik brachte Jessica Burri den Zauber der Märchen in die Stadtbücherei Jülich. Anlässlich des Weltfrauentages standen besonders Texte mit starken Frauen aus aller Welt im Mittelpunkt.

„Die Weltfrauentag steht für die Kämpfe der Gleichstellung“, sagte Mandy Geithner-Simbine, Jülicher Gleichstellungsbeauftragte, und führte fort: „Gelebte Gleichstellung ist nicht nur Gerechtigkeit, sondern auch Fortschritt.“

Insgesamt vier Märchen wurden auf der Veranstaltung der Gleichstellungsstelle und der Stadtbücherei Jülich vielseitig vorgetragen. Neben der Singstimme von Burri kamen dabei unterschiedlichste Instrumente wie ein Dulcimer (ein englisches Saiteninstrument), Klangschalen und ein Gong zum Einsatz.

Unter anderem präsentierte die in Amerika aufgewachsene Künstlerin das indianische Märchen „Die Maismutter“. Bei diesem Märchen sucht eine alte Frau hungernd nach Nahrung, wird jedoch immer wieder hilfesuchend abgewiesen. Schließlich wird sie in einem indianischen Dorf mit offenen Armen empfangen und bekommt ausreichend zu essen.

Am nächsten Tag gehen die Männer jagen, während die Frauen im Wald Beeren sammeln. Nur die Kinder bleiben zurück. Als die Frauen und Männer zurückkehren, laufen diese ihnen schon aufgeregt entgegen. Denn wie durch Magie ließ die alte Frau die besten Speisen zurück, die das Volk jemals gegessen hatte. Ein junger Mann begibt sich auf die Suche, um erneut an die köstliche Kost zu gelangen. Er findet sie und nach einem Ritual schenkt die alte Frau den Indianern Maispflanzen. Der Sage nach tragen die Früchte auch noch heute die Haare dieser Frau, weswegen sie Maismutter genannt werde. Nach Beendigung dieser Erzählung führte Burri einen indianischen Tanz auf, der die vier Elemente verkörperte, und sang dabei. Dabei stellte die durch Armbewegungen Wasser, Feuer, Erde und Luft dar.

Auch die anderen Märchen stellten autonome Frauen dar. In dem chinesischem Märchen „Die blaue Rose“ sucht sich des Kaisers Tochter ihren Ehemann durch eine List selbst aus. „Ich habe dieses Märchen ausgewählt, um auf die schreckliche Situation der Frauen in China aufmerksam zu machen.

Die Frauenrechte in China sind wirklich schrecklich“, sagte Jessica Burri zu ihrer Textauswahl. Weiter überlistet eine alte Dame in „Frau Holles Apfelgarten“ den Tod beim Kartenspiel und stirbt erst, wenn sie es möchte. Nicht zuletzt begibt sich in „Umai fährt zum Ende der Welt“ eine Frau auf eine gefährliche Reise. Dazu sagt die Künstlerin Burri: „Es ist schon eine große Leistung, mit einem Kanu über das Meer zu fahren. Umai, das neugierige, mutige Indianermädchen, tut dies vollkommen autonom.“

(mio)
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