Titz: WVER plant Hochwasserschutzmaßnahmen in Hasselweiler

Titz : WVER plant Hochwasserschutzmaßnahmen in Hasselweiler

Hawaii, der 50. Bundesstaat der USA, wird vom Pazifik umtost. Darauf ist Verlass. „Hawei“, wie die Hasselsweiler ihr beschauliches Dorf gern doppeldeutig nennen, liegt am Malefinkbach. Und der ist — nicht erst seit der Sommer-Dürre 2018 — ziemlich „drüsch“, wie man im Rheinland sagt.

Deshalb scheint es auf den ersten Blick merkwürdig, wenn der Wasserverband Eifel-Rur (WVER) für „Hawei“ einen Hochwasserschutzplan ausgearbeitet hat, der in den nächsten beiden Jahren umgesetzt werden soll. Doch die Trockenheit des Bachlaufs ist kein immerwährender Zustand.

Zum Teil liegt das Bachbett unter den Straßen von Hasselsweiler. Foto: Jagodzinska

„Es gab im Ortseingangsbereich von Hasselsweiler tatsächlich Überschwemmungen“, sagte Dr. Gerd Demny vom WVER bei der Präsentation der Planung im Fachausschuss vor der Sommerpause. Die Experten in Düren haben im Vorfeld „viele Daten“ gesammelt. Die Untersuchung hat stattgefunden, weil der Verband das Signal erhalten hatte, dass eine weitere Bauentwicklung am Malefinkbach im Ort geplant sei.

Bei der näheren Betrachtung wurde festgestellt, dass der Dorfeingang ein „Brennpunkt“ der Hochwasserbetroffenheit im Fall der Fälle sei, außerdem würden einige tiefer liegende Geländeteile im Plangebiet geflutet, erklärte Demny. Größtes Problem sei ein „Aufstaueffekt“, der an den Brücken über den Male­finkbach entstehe. Die vorhandenen Bauwerke haben dem Wasser, wenn es denn fließt, sehr enge und niedrige Grenzen gesetzt.

Ortsvorsteher Robert Holzportz erinnerte sich: „Aus der Historie kann ich sagen: Es gab zwei bis drei Überschwemmungen.“ Die Folgen waren natürlich jeweils sehr unschön.

Vier Maßnahmen seien laut Demny nun grundsätzlich denkbar, um ein Hochwasserereignis einzudämmen, das statistisch alle 100 Jahre zu erwarten ist: 1. Brücken erhöhen; 2. Retentionsraum, also Überschwemmungsflächen, schaffen; 3. Hochwasserschutzmauern errichten; 4. Objektschutz — also die Sicherung einzelner möglicherweise bei Hochwasser betroffener Gebäude — betreiben.

Nach vielen Berechnungen hat sich der WVER entschieden, die Erhöhung der Schutzmauern zu verfolgen — und die Variante „Objektschutz“ zu prüfen. Die Ergebnisse von Planung und Prüfung sollen im Herbst vorliegen und mit der Unteren Wasserbehörde beim Kreis Düren abgestimmt werden. „Es kann insgesamt ein bis zwei Jahre bis zur Umsetzung dauern“, sagte Gerd Demny im Titzer Rathaus.

Zahl der Kläranlagen wird halbiert

Er war einer von drei Referenten im Titzer Rathaus, denn die Gemeinde hatte alle drei Wasserverbände, die sich in der Kommune engagieren, darum gebeten, über ihre Zukunftsplanung und die Gebührensituation zu berichten. Neben dem Wasserverband Eifel-Rur sind das der Erft- und der Niersverband. Die Tätigkeit der Verbände, bei denen die Gemeinde zur Mitgliedschaft verpflichtet ist, kostet Geld, das ebenso wie zum Beispiel neue Abwasserkanäle in die Gebührenkalkulation für die Bürger einfließt.

WVER und Erftverband erklärten, dass die Gemeindeabgaben in 2019 stabil bleiben. Der Vertreter des Niersverbandes, Dr. Ulrich Otto, räumte ein, dass „wir die Beiträge erhöhen müssen“. Konkreter wurde er nicht.

Allerdings kündigte er eine Baumaßnahme an, die von RWE Power in Folge der Bergbautätigkeit bezahlt werden müsse: Die Abwasserleitung des Ortsteils Jackerath müsse dem Tagebau ausweichen und werde verlegt, außerdem ein neues Pumpwerk errichtet. „Ihr Abwasser geht dann hoch bis nach Mönchengladbach“, sagte der Vertreter des Niersverbandes. Die Kosten für das Projekt betragen knapp 7,6 Millionen Euro.

Dr. Bernd Bucher erklärte für den Erftverband, dass die Kläranlage Rödingen, die das Abwasser von Rödingen, Höllen, Bettenhoven und Kalrath aufbereitet, im Zuge eines „Masterplans Abwasser“ bis 2025 geschlossen werde. Um Einsparpotenziale zu erzielen und die Anforderungen der Europäischen Wasserschutzrichtlinien zu erfüllen, halbiere der Erftverband die Zahl seiner Anlagen von 40 auf 20, „und Rödingen gehört dazu“, sagte Bucher.

Das gehe dann einher mit dem Bau von Kanalsammlern, die das Abwasser der vier Ortschaften zu größeren Klärwerken transportieren.

Es sei noch nicht entschieden, ob der Anschluss an Bedburg-Kaster oder Elsdorf erfolgt.