Jülich: Wo Studierende sich tummeln

Jülich: Wo Studierende sich tummeln

Der Neubau der Fachhochschule (FH) auf dem Campus Jülich bietet eine Fülle von außergewöhnlichen Details. Noch beherrschen die Gebäudequader die Szenerie. Aber die Planung greift darüber hinaus und befasst sich aktuell mit dem sportlichen Gepräge des Campus.

Zwischen den Lehrstätten und dem Nordrand von Lich-Steinstraß haben die Planer auf dem Reißbrett ein großes Sportareal angelegt, von dem auch der Fußballclub Germania Lich-Steinstraße profitieren wird.

Mens sane in corpore sano (Ein gesunder Geist in einem gesunden Körper) - diesen Aspekt habe man an der FH noch nicht genügend gewürdigt, befand selbstkritisch der Rektor der FH Aachen, Professor Marcus Baumann. Er leitete eine Arbeitssitzung ein, in der diesem sportlichen Aspekt der 2500 Studierenden am Wachstumsstandort Jülich wortwörtlich breiter Raum gewidmet wurde. Thema war ein ausgedehnter Sportpark als fester Bestandteil des Campus.

Das Bemerkenswerte ist die Einbindung eines benachbarten Sportvereins. Daran maßgeblichen Anteil hatte Landtagsabgeordneter Josef Wirtz, der den Kooperationsgedanken der Germania der Hochschule nahebrachte. Er freute sich ebenso wie Bürgermeister Heinrich Stommel, dass die gemeinsamen Aktivitäten nun sichtbar fruchteten.

Der Arbeitsplan, den der Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) NRW, Aachen, gefertigt hat, fußt auf der Konzeption von Nico Sperle, Leiter des Hochschulsportzentrums. Er verwies darauf, dass am Campus Jülich nicht nur eine Entschließung des Landtags umgesetzt werde, die Hochschulsport zum wesentlichen Element der Profilierung des Standortes erklärt. Der Campus Jülich nehme mit der Gestaltung eines qualitativ hoch angesetzten sportlichen Ganzjahresangebot eine Vorreiterrolle ein. Auf dem Gelände in direkter Nachbarschaft zum Stadtteil Lich-Steinstraß sind ein Fußballplatz - beheizter Natur- oder Kunstrasenplatz -, ein Reitplatz mit Koppel, Tennisplätze, Beachvolleyballfeld, Kletterfelsen, Hochseilgarten und ein Nordic Walking-Kurs vorgesehen. Sollte die in diesem Plan ausgesparte Laufbahn für Leichtathleten gewünscht sein, müsste gegebenenfalls Platz freigeschlagen werden - etwa in dem Wäldchen des Nordic Walking-Parks, erläuterte Harald K. Lange, Leiter der Aachener Niederlassung des BLB NRW. Um dem Campus-Gedanken Rechnung zu tragen, wird das ausgedehnte Sportgelände nicht abgekapselt, sondern bewusst an Lehr- und Wohnstätten angelehnt. Lange: „Sport und Wohnen auf einem Gelände halte ich für reizvoll.” Zu den wesentlichen zu klärenden Fragen zählt die nach der Zufahrt, der Erschließung des Geländes.

Unstrittig ist die Lärmprüfung. Auch Sport ist schließlich mit Geräusch verbunden. Selbstverpflichtung aller Beteiligten ist es, eine Belastung der angrenzenden Wohnbereiche zu vermeiden.

Ullrich Kalisch vom FC Germania Lich-Steinstraß nutzte die Arbeitssitzung, um die Vorstellungen des Vereins in der Kooperationslinie zu betonen. Er warb für eine Verlegung des FH-Sportplatzes nach Süd-Osten und damit in den Bereich des bestehenden Vereinsstadions. „Wir könnten unsere Infrastruktur, Umkleidekabine, Parkplätze für eine Übergangszeit zur Verfügung stellen.” Die Verlagerung des Platzes beschäftigte auch den Beigeordneten der Stadt Jülich, Martin Schulz, den die Emissionen angesichts der nahen Wohnbebauung bedenklich stimmten.

Finanziell wird sich der Sportverein an der sportlichen Kooperation übrigens nicht beteiligen. Man habe vielmehr vor, mit Eigenleistung durch Kontakte und Material seinen Part beizusteuern, sagte Kalisch auf Nachfrage.

Eine Schlüsselrolle bei der Umsetzung der Pläne spielt RWE Power. „Wir überplanen ein Gelände, das RWE gehört”, verdeutlichte Rektor Baumann. Achim Lückoff von RWE Power hob den Daumen: „Wir sind gerne bereit, an dem Konzept mitzuarbeiten.”

Zwei Jahre bis zum Anpfiff

Die Umsetzung des Sportkonzepts am Campus Jülich wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Zur Erstellung der planungsrechtlichen Grundlagen mit Änderung des Flächennutzungsplanes und Bebauungsplanes veranschlagt Jülichs Beigeordneter Martin Schulz rund ein Jahr. Diese Zeit könnte parallel der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW, Aachen, nutzen, die Ausbauplanung des Sportstättenkonzepts zu erstellen.

Die Bauzeit der Sportstätten veranschlagt der Aachener BLB-Niederlassungsleiter Haralad K. Lange mit anderthalb Jahren. Seine Prognose: „Ab Projektstart kann nach zwei Jahren gekickt werden.”

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