Körrenzig: Wo das Maibrauchtum herkommt: Den Reichtum im Dorf halten

Körrenzig: Wo das Maibrauchtum herkommt: Den Reichtum im Dorf halten

Seit Jahrhunderten werden in Deutschland und ganz Europa Maibräuche gepflegt. Bereits die Römer feierten ihr Maifest zu Ehren der Göttin Flora und frisch geschnittene Zweige standen als Zeichen des neu erwachten Lebens und der Fruchtbarkeit.

Die Walpurgisnacht, die Nacht zum 1. Mai, war die Zeit, in der mit viel Tamtam böse Geister und Hexen aus den Häusern und Dörfern vertrieben wurden. Anschließend hatte man reichlich Grund zum Feiern und tat dies unter einem bunt geschmückten Baum.

Wenn aber ein junger Mann seiner Liebsten einen Maistrauß steckte, hieß dies für etwaige Rivalen: „Finger weg, das Mädchen ist mein”.

Vermögen im Dorf halten

Später gründeten sich Junggesellenvereine und Maigesellschaften. Heiratsfähige Mädchen wurden vom Meistbietenden ersteigert und mit ihm mussten sie den Wonnemonat Mai „gehen”.

Hochzeiten innerhalb der Dorfjugend sollten auf diese Weise gefördert werden, um Land und Vermögen im Dorf zu halten.

Eine der ältesten Maivereine ist der Junggesellenverein Körrenzig, der das Dorf in der Vergangenheit zu einer Hochburg des Maibrauchs ausbaute.

1843 wurde der Verein erstmals urkundlich erwähnt, doch bereits 1814 wird von Aktionen der Körrenziger Junggesellen berichtet. Höhen und Tiefen durchlief der Verein in seiner mehr als 150-jährigen Geschichte, doch zurzeit boomt das Maibrauchtum in Körrenzig wieder.

In diesem Jahr soll ganz besonders groß gefeiert werden, denn erstmals seit 1843 steht wieder ein Zelt auf dem Festplatz.

Für die Junggesellen begannen die Vorbereitung bereits im Februar. Die unverheirateten Frauen ab 16 Jahre wurden bei der Versteigerung an den Mann gebracht und die Königswürde ersteigerte in diesem Jahr Mirco Heidelberg, der Julia Mülfahrt zu seiner Königin erkor.

Die wichtigste Nacht des Jahres aber ist für sie die Nacht zum 1. Mai. Zunächst wird unter großer Anteilnahme der Bevölkerung der Maibaum aufgestellt.

Da die jungen Leute ihren Verein als festen Bestandteil des Dorflebens ansehen und sich stets bei Aktivitäten im Dorf mit einbringen, ist es für sie Ehrensache beim Tanz in den Mai des Verein „Rettet die Alte Kirche Körrenzig” vorbei zu schauen, ehe sie ihren eigenen Vergnügungen und auch Pflichten nachgehen.

So müssen die neuen Mitglieder in den Verein aufgenommen werden. Diese für die Betroffenen nicht immer angenehme Prozedur findet im Körrenziger „Kunstreich” der Familie Schulze statt. Sie werden dort barbiert.

Mit einer riesigen Menge Rasierschaum, der gewürzt wird mit allen möglichen Zutaten vom Knoblauch über Tomatensoße bis hin zu Tabasco werden sie mit einem Tapezierquast kräftig eingeseift.

Anschließend wird mit einem Tapetenmesser barbiert. Über ihren Spaß vergessen die jungen Männer allerdings nicht die Menschen mit Handicap.

So fahren sie in jedem Jahr nach Heinsberg, wo in einer betreuten Wohngemeinschaft ein ehemaliges Körrenziger Mädchen lebt.

Auch sie bekommt ihren Mai, ebenso ein weiteres Mädchen, dass noch in Körrenzig zu Hause ist.

Nachdem die Maibilder von einer Jury bewertet wurden, sind die jungen Männer dann eine ganze Nacht lang unterwegs, um ihre Kunstwerke an den Häusern ihrer Maibräute zu stecken.

Am 1. Mai aber waren sie alle wieder fit, um beim Festzug der Broicher Maigesellschaft dabei zu sein.

Am Samstag, 9. Mai, gehen die Feierlichkeiten in Körrenzig mit der Spring Break-Party im Festzelt weiter. Maifest wird am Wochenende vom 16. und 17. Mai gefeiert.

Am Samstagabend trifft man sich zunächst zum gemeinsamen Kirchgang, ehe der Königsball zu Ehren der Majestäten gefeiert wird. Sonntagmorgen ist dann die Kranzniederlegung am Ehrenmal, der sich ein musikalischer Frühschoppen anschließt.

Die schönsten Maibilder der letzten 30 Jahre können bei dieser Gelegenheit in einer Ausstellung bewundert werden. Um 16.30 Uhr findet dann der große Festzug statt. Mit 350 Teilnehmern wird in diesem Jahr gerechnet.