Aldenhoven: Wissenschaftler befürchtet „Chaos“ durch die Energiewende

Aldenhoven: Wissenschaftler befürchtet „Chaos“ durch die Energiewende

Prof. Dr. Christoph Buchal, Wissenschaftler am Forschungszentrum Jülich, Professor für Physik an der Universität Köln und erfolgreicher Buchautor, hat in Aldenhoven auf Einladung der Unabhängigen Wählergemeinschaften, FWG Aldenhoven, JÜL Jülich und PKL Linnich über die Energiewende referiert — verständlich und spannend.

In der Aula der auslaufenden Hauptschule Aldenhoven begrüßte Dieter Froning, Fraktionsvorsitzender der FWG, zahlreiche Zuhörer und ließ den Referenten sofort ins Thema einsteigen. „Ich habe keine Aktien von RWE und bin auch nicht bei Greenpeace. Ich möchte Fakten objektiv weitergeben, damit Sie sich selbst eine Meinung bilden können“, erklärte der Physiker gleich zu Beginn. Doch im Laufe seines Vortrages wurde schon deutlich, dass er die Energiewende als gescheitert ansieht. So riet er dann auch abschließend der Politik, umzukehren und vor allem in eine vernünftige Planung zurückzukehren. „Es ist eine Pseudo-Umweltpolitik, die auf dem Rücken der Verbraucher ausgetragen wird. Man hat jedes Augenmaß verloren“, fand er und sprach von einem „Selbst-Kannibalismus“, der erneuerbaren Energien.

„Sie frisst sich selbst auf. Das Energieeinspeisungsgesetz war gut gedacht, doch es hätte eine Mindestbegrenzung geben müssen“, betonte er. Es habe, so seine ausdrückliche Einschätzung, nur Chaos gebracht: „Das hübsche kleine Kätzchen ist zu einem stattlichen Löwen geworden, den niemand in den Griff bekommt.“

Doch ehe er abschließend so harsche Kritik übte, hatte er den Zuhörern zunächst einmal dargelegt, was Energie überhaupt ist und was sie für den Menschen und die Gesellschaft bedeutet. „Ohne Strom ist unser Leben nicht mehr denkbar.“ Und der Energiebedarf der Menschheit steige immer weiter an. Noch nie sei so viel Kohle und Erdöl gefördert worden wie derzeit. Allerdings steigen, da die Ressourcen auch knapper werden, die Förderkosten massiv an. Der steigende Bedarf an Energie führe bekanntermaßen auch zu höherer Kohlendioxid-Konzentration, die derzeit zwei parts per million (ppm)/Jahr betrage. Deutschland sei daran mit 2,5 Prozent beteiligt.

Anhand einer Energietorte, in der neben Verkehr, Wärme und Industrieverbrauch, der Strom nur 20 Prozent der Endenergie ausmachte und wovon wiederum die Hälfte strittig sei, erklärte er, dass eine Senkung der Kohlendioxid-Emissionen durch erneuerbare Energien global gesehen kaum ins Gewicht falle. Das gute Beispiel sei, was hier zähle. Er erinnerte daran, dass erneuerbare Energien aus Windkraft und Sonne eben nicht immer zur Verfügung stehen und Strom eben noch nicht gespeichert werden kann. Die Stromkonzerne müssten dennoch immer ausreichend Strom bereit halten. Durch die Einspeisungsgesetzte hätten sie damit enorme Probleme. „Wir sind in einem Zustand, in dem ein Großteil unseres Stromnetzes blind gefahren wird“, mahnte er.

Für sinnvoll hält er die großen Windparks in der Nordsee, die zu 40 Prozent Volllast fahren können. „Wenn schon Windkraft, dann große, hohe“, meinte er. Er rechnete auch vor, dass für den Fall, dass das RWE-Kraftwerk Weisweiler abgeschaltet wird, 1000 Windräder nötig seien, um des zu ersetzen. Was er allerdings Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel bem nächsten Treffen raten sollte, wusste er auch nicht so recht, Wahrscheinlich: „Geht erst einmal zurück ans Zeichenbrett“, meinte er.

(Kr.)
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