Barmen: Wissenschaft auf Augenhöhe begegnen

Barmen: Wissenschaft auf Augenhöhe begegnen

Es waren zwar Herbstferien, doch das Haus Overbach in Barmen war auch in diesen Tagen voller Leben. Gleich drei Ferienmaßnahmen fanden in dem außerschulischen Lernort Science College gleichzeitig statt und rund 80 junge Menschen im Alter zwischen 6 und 18 Jahren bevölkerten den Campus.

Da waren zunächst einmal die jüngsten, die an der Entdeckerwoche des Kreises Düren teilnahmen, die von der VHS Rur-Eifel und dem schulpsychologischen Dienst mit der finanziellen Unterstützung der Sparkasse Düren durchgeführt wurden. Zwei Gruppen von jeweils 18 Jungen und Mädchen waren für zwei Tage im Science College zu Gast und angeleitet von Gisela Poos und Andreas Franke schnupperten sie erstmals in die sogenannten MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) hinein. Angezogen mit Laborkittel und Schutzbrille führten sie kleine Experimente durch, lernten die Handhabung von Gerätschaften und schauten vielleicht zum ersten Mal durch ein Mikroskop.

Dabei lernten sie auch ganz einfache Dinge, wie beispielsweise einen Bunsenbrenner mit einem Streichholz anzünden. All dies sollte ihren Forscherdrang wecken und vor allem auch das Selbstbewusstsein stärken und ganz stolz sind die Nachwuchswissenschaftler stets auf ihre neu gewonnenen Fähigkeiten. Neben dem Science College beteiligen sich an dieser Aktion viele andere Institutionen und Vereine wie die Kunstakademie Heimbach, die Polizeibehörde, die Biologische Station des Kreises Düren, verschiedene Museen, Tanzclub oder Tennisclub.

Einige Jahre älter und auch schon in Naturwissenschaften und Technik zu Hause sind die 25 Teilnehmer der LernFerien NRW. Ausrichter war die Gewerbeförderungsstelle des nordrhein-westfälische Handwerks, die vom Schul- und Bildungsministerium NRW gefördert wird. Hier sind vor allem leistungsstrake Schüler mit einem großen Interesse an Wissenschaft gefragt. Insgesamt 20 Camps fanden in den Herbstferien zu ganz unterschiedlichen Themen statt und das Science College war der einzige Lernort, an dem sich mit MINT-Fächern beschäftigt wurde. Neben der Begabtenförderung soll dabei auch die soziale Kompetenz hervorgehoben werden.

„Für die Schüler ist es wichtig, sich hier mit anderen auszutauschen und ihren Leidenschaften nachzugehen. Da wird oft bis spät in den Abend diskutiert,“ erklärte Arlena Lambertz, Projektreferentin LernFerien. In Barmen beschäftigten sich die Jugendlichen vor allem mit der Arbeitswelt der Zukunft. „Was bringt die Digitalisierung und Roboterisierung? Wie sieht ein Arbeitsplatz der Zukunft aus? Wo liegen die Chancen und Risiken? Und wie sehen die Anforderungen aus?“, lautete die Fragestellung.

Dazu hörten sie Vorträge, besuchten unter anderem das Institut für Textiltechnik der RWTH, ein Werkzeuglabor der RWTH, den Superrechner am Forschungszentrum und etliche andere Einrichtungen. Angeschlossen an diese Workshops war auch eine Schreibwerkstatt, in der die Schüler unter fachkundiger Leitung eine Broschüre über das, was sie erarbeitet hatten, erstellten. Neben dieser Begabtenförderung ruht die Initiative noch auf einem weiteren Standbein, wie Arlena Lambertz berichtete. „Lernen lernen ist ein Projekt für Schüler und Schülerinnen mit Lerndefiziten.“

Raus aus dem Elfenbeinturm

Schon sehr präzise bereiteten sich die Teilnehmer und Teilnehmerinnen der Schülerakademie auf ihr späteres Berufsleben vor. Entsprechend hoch war auch ihre Vorbildung und so konnten die 28 jungen Leute zwischen 13 und 18 Jahren den Vorträgen der Wissenschaftler schon sehr gut folgen und anregende Diskussionen schlossen sich stets an.

Es ist ein Projekt, das unter anderem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert wird, um zum einen frühzeitig mit der Nachwuchsförderung zu beginnen, aber auch, Wissenschaftler aus ihrem Elfenbeinturm herauszuholen und sie dazu zu ermuntern, ihr Arbeitsgebiet allgemein verständlich nach außen zu tragen.

Für Prof. Christoph Hanhart vom Jülicher Forschungszentrum, der diese Schülerakademie zum Thema Teilchenphysik nun schon zum dritten Mal im Science College durchführte, ist dies ebenfalls eine spannende Geschichte. „Die meisten kennen die Teilchenphysik bereits aus dem Unterricht. Uns aber ist es wichtig, den Übergang zwischen Schule und Studium zu erleuchten. Hier begegnen die Schüler und Schülerinnen den Wissenschaftlern auf Augenhöhe.“

Das ist es auch, was die beiden 16- und 17-jährigen Schüler Klemens und Hendrik so gut finden. „Hier kann man die Leute direkt fragen, die sich mit dem Thema auskennen und es ist auf alle Fälle besser, als sich seine Informationen im Internet zusammenzusuchen“, erklärt Klemens, der sich mit dem Gedanken trägt, nach dem Abitur Physik zu studieren. Die Schülerakademie finden beide sehr interessant und lehrreich, gut vorbereitet und auch die Exkursionen finden ihr uneingeschränktes Interesse. So besuchten sie den Großrechner des Forschungszentrums und auch den Teilchenbeschleuniger COSY.

Schon sehr in die Tiefe gingen die verschiedenen Vorträge zu den unterschiedlichen Projekten. So wurde unter anderem die Bewegung eines Planeten um die Sonne simuliert, um zu erkennen, wie sich die Änderung des Newton‘schen Kraftgesetzes auswirkt. Die Grundprinzipien der Quantenmechanik und der Tunneleffekt wurden diskutiert und dem arthrotischen Prinzip auf den Grund gegangen.

Es gab einen Astronomieabend und ganz wichtig war der Rege Meinungs- und Erfahrungsaustausch für alle Beteiligten. „Für uns ist es natürlich toll, dass wir eine solche Infrastruktur wie am Science College nutzen können. Das erleichtert uns natürlich die Arbeit“, erklärte Prof. Hanhart abschließend.

(Kr.)