Hasselsweiler: „Wir sind gegen das Vergessen“ als Bekenntnis

Hasselsweiler: „Wir sind gegen das Vergessen“ als Bekenntnis

Schemenhafte Gesichter, erst aus der Nähe zu erkennen, blicken aus einer Feuersglut. Konzentrationslager symbolisierende Steine auf goldener Anhöhe werden von Stacheldraht umrahmt, aus dunklem Bildhintergrund lodern Flammen auf.

Das sind zwei beispielhaft herausgegriffene Bildmotive eines Workshop-Projekts, das fünf Teilnehmerinnen aus Ameln, Hasselsweiler und Titz mit dem Künstlerpaar Monika und Rolf-Dieter Müller respektvoll umgesetzt haben. Die Leinwände umrahmten räumlich und thematisch die fünfte Titzer Gedenkfeier, die stets an wechselnden Orten innerhalb der Gemeinde veranstaltet wird, diesmal in der Bürgerhalle Hasselsweiler.

„Ist das, was wir heute erleben, wirklich so weit entfernt vom Denken derer, die vor 77 Jahren Steine in Synagogenfenster warfen? Sind die Rufe der Lügenpresse so weit entfernt von der Gleichschaltung der Medien in den 1930er Jahren? Sind gezeigte Galgen in Dresden oder gezückte Messer in Köln nicht vergleichbar mit Attacken auf kommunistische, sozialdemokratische oder Zentrumspolitiker in den späten 1920er und frühen 1930er Jahren?“ Diese rhetorischen Fragen stellte Bürgermeister Jürgen Frantzen in seiner Rede, die mit dem Zugeständnis einer gewissen eigenen „Skepsis“ vor fünf Jahren bezüglich der Notwendigkeit einer solchen Feier begann und mit seinem festen „Ja“ als Antwort darauf endete.

Grundgesetz als Basis

Frantzen teilt zwar die Sorge vor Überforderung angesichts eines „nicht gesteuerten Zuzugs von Menschen“. Er zählt zu den 215 Bürgermeistern in NRW, die den sogenannten „Brandbrief“ an die Bundeskanzlerin und Ministerpräsidentin Hannelore Kraft unterschrieben haben. Aber solche, in einer offenen Gesellschaft notwendigen Formulierungen „stellen die Werte unseres Grundgesetzes, das Bekenntnis zu Meinungs- und Pressefreiheit, zum Asylrecht und zur Würde des Menschen nicht infrage“.

Auch der Hasselsweiler Ortsvorsteher Robert Holzportz hatte in seiner Begrüßung betont: „Wir müssen uns jeden Tag neu für eine aufgeklärte, tolerante und offene Gesellschaft einsetzen“, nachdem er die Randdaten um die „offiziellen Signale zum größten Völkermord“ am 9. November 1938 in Erinnerung gerufen hatte. Mit der sinkenden Zahl von Zeitzeugen werde die Notwendigkeit des Gedenkens immer wichtiger, ergänzte er noch.

Jugendbetreuer Rolf Sylvester hatte im laufenden Jahr mit einer Jugendgruppe eine Reise ins Konzentrationslager Auschwitz unternommen. So lag es nahe, die bekannte Ansicht des Vernichtungslagers auf Leinwand in den optischen Mittelpunkt der Halle zu setzen. Zwei Tafeln mit der Aufschrift „Wir sind gegen das Vergessen“ waren rechts und links daneben aufgestellt worden und wurden von den Teilnehmern der bewusst ruhig gehaltenen Gedenkfeier unterzeichnet.

Den musikalischen Rahmen gestalteten der MGV „Lätitia“ Hasselsweiler unter Leitung von Ralph Over und der Kirchenchor unter dem Dirigat von Harald Düren. „Irische Segenswünsche“ interpretierte unter anderem die „Lätitia“. „Wohin soll ich mich wenden“, lautete ein Liedbeitrag des Kirchenchores.

Breiteren Raum nahm die Betrachtung und Interpretation der Bilder ein, zu der Monika Müller und die übrigen Workshopteilnehmerinnen gerne zur Verfügung standen.

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