Aldenhoven: Wie die Reformation nach hier kam

Aldenhoven: Wie die Reformation nach hier kam

Das Jugendtheaterprojekt „Anders Glauben“ versetzt die Zuschauer in die Zeit der Reformation. Gleichzeitig erfährt er, dass sich Geschichte mitten unter uns ereignet hat. Nicht weit von hier, im kleinen Ort Schwanenberg, heute Stadtteil von Erkelenz, spielt die Geschichte.

Lange vor der Besetzung durch die Franzosen Ende des 18. Jahrhunderts war Schwanenberg eine protestantische Enklave im katholischen Umfeld. Bis heute ist die Bevölkerungsmehrheit protestantisch. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg bildete sich eine katholische Gemeinde, die 1963 eine eigene Kirche erhielt.

Das Theaterstück, das Peter Schanz nach Recherchen in historischen Quellen entwickelt hat, zeigt in Mosaiken die Entwicklung des Protestantismus in plastischer Weise. Was glauben wir? Seit wann glauben wir? An den Zufallsgott unseres Geburtsortes? An das, was die anderen glauben, die Eltern? Fragen über Fragen. Man wird in das Mittelalter versetzt, die Zeit der Wahrsager, Bußprediger, Bettelmönche. Nach dem Augsburger Religionsfrieden (1555) bestimmte der Landesherr in seinem Territorium die Religion für seine Untertanen. Das Stück geht davon aus, dass der Landesfürst von Schwanenberg die reformatorische Gesinnung vorgab und den katholischen Pfarrer vom Vorteil der Erneuerung überzeugte, nämlich seine Geliebte ehelichen zu dürfen. Es zeigt auch die Zerwürfnisse in Familien und der Gesellschaft, die die Reformation im Gefolge hatte bis hin zu Beleidigungen und gewaltsamem Streit.

Das Stück zeigt letztlich auch die aufziehende Harmonie zwischen den Menschen verschiedener Religionen. So besteht das Ensemble nicht nur aus Konfirmanden, sondern auch aus ihren katholischen Freunden. Bemerkenswert ist auch, mit wie wenig Bühnenbild und Requisiten die Schwanenberger Theatergruppe in der Evangelischen Kirche auskam. Zu den Akteuren gehört auch der großartige Kirchenchor aus Schwanenberg, der das Geschehen auf der Bühne untermalte.

Das Stück passt hervorragend zum Reformationsjubiläum und ist das zehnte Werk, welches die Jugendgruppe aus Schwanenberg einstudiert hat.

(gre)
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