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Inden/Altdorf: Wie aus der Kapelle ein Gebetshaus wurde

Inden/Altdorf : Wie aus der Kapelle ein Gebetshaus wurde

Ende Oktober 2001 erhielt die Kyffhäuser-Kameradschaft Inden die Genehmigung zum Bau einer Kapelle auf der neu errichteten Gedächtnisstätte Geuenich in Inden/Altdorf.

Jahrelang ist auf diesen Bau hingearbeitet worden. Bereits 1992 hatte der damalige Kirchenvorstand die Umsiedlung der Gedenkstätte an die Kyffhäuser abgetreten und beschlossen, der Kameradschaft ein geeignetes Tauschgrundstück zur Verfügung zu stellen.

Das Grundstück, auf dem sich die Gedenkstätte befand, war nämlich 1926 mit bischöflicher Genehmigung auf 99 Jahre angepachtet worden. Im Hinblick auf den Bau einer Kapelle wurde vom Kirchenvorstand und dem damaligen Pfarrer von Danwitz angeregt, doch ein größeres Grundstück zu wählen. Dies wurde auch so umgesetzt; die Parzelle wurde fast 1000 Quadratmeter größer und umfasste somit 2770 m2 - genügend Platz für einen Kapellenbau.

Nach der Umsetzung der Gedenkstätte 1997 wurde mit der Planung der Kapelle begonnen. Die Frau eines Vorstandsmitglieds, die Architektin Dagmar Leonards, erstellte den Bauplan. Der Vorstand der Kyffhäuser-Kameradschaft und zahlreiche Helfer begannen nach Genehmigung durch Rheinbraun mit der Sicherung von Altmaterialien in den Altorten Inden und Altdorf.

Palettenweise wurden Steine, Treppenstufen, Kirchenfenster, Sandsteine und Ähnliches aus den beiden Orten und der evangelischen Kirche gesichert. Selbst der kleinere Turmhelm der katholischen Kirche in Inden, Hohlziegel einer Scheune und fast die komplette Friedhofsmauer des evangelischen Friedhofs wurden ausgebaut. Zur Finanzierung und als Bauherr wurde eigens ein Kapellenbauverein gegründet.

Der Bau hätte eigentlich beginnen können. Aufgrund eines Zeitungsartikels meldete das Bistum Widerspruch an. So wurde unter anderem versucht, die Kyffhäuser von dem Vorhaben abzubringen, indem angeboten wurde, eine Kirche in der Gemeinde zu übernehmen und diese ersatzweise für die Kapelle zu betreiben.

Der Sinn des Kapellenbaus liegt jedoch darin, ein verbindendes Element zwischen den Altorten Inden und Altdorf sowie zum ehemaligen Ort Geuenich herzustellen. Jeder sollte die gesammelten Elemente im neuen Gebäude wieder erkennen.

Die Ablehnung hatte Folgen: Obwohl Kirchenvorstand und der Indener Gemeinderat den Bau unterstützten, wurden immer größere Steine in den Weg gerollt. Mittlerweile wurde seitens der Bauherren sogar über ein Alternativ-Grundstück nachgedacht und darüber verhandelt, was jedoch eine erneute Bebauungsplanänderung und einen neuen Bauantrag zur Folge gehabt hätte.

Die Ablehnung des Bistums hatte alleine mit künftig anfallenden Kosten zu tun. Die Bitumsleitung wollte keinesfalls mit einem zusätzlichen, kirchlichen Gebäude konfrontiert werden. Inzwischen ist der Weg, wie es scheint, geebnet, auch wenn der ursprüngliche Kapellenbau nur noch Gebetshaus genannt werden darf und eine Weihe im Vorfeld abgelehnt wird, um beispielsweise Trauungen oder Ähnliches in dem Haus zu verhindern.

Die Konstellation zur Realisierung des Bauvorhabens ist auch eher künstlich, denn das Grundstück wurde auf die Gemeinde Inden übertragen und mit ihr wird ein neuer, 99-jähriger Pachtvertrag abgeschlossen.

Ein bitterer Nachgeschmack bleibt bei den Betroffenen, denn das Gebäude könnte schon seit Jahren fertig gestellt sein. Die Verantwortlichen hoffen, dass jetzt nichts mehr schief geht und heute endlich mit dem Bau begonnen werden kann.