Jülich: Wettbewerb um Jülicher „Filetstück“ Am Aachener Tor

Jülich: Wettbewerb um Jülicher „Filetstück“ Am Aachener Tor

Profitable Wohn- oder Geschäftslagen werden gern als „Filetstück“ bezeichnet. Ein solches scheint das Grundstück Am Aachener Tor zu sein, auf dem (noch) in Real- und Sekundarschule Jülich hunderte Kinder und Jugendliche unterrichtet werden.

Beide Einrichtungen ziehen im Sommer an die Linnicher Straße, dann ist das „Filetstück“ zu haben, das allerdings bei weitem nicht so viel Ertrag bringt, wie die Stadtverwaltung gehofft hatte. Als Erlös sind drei Millionen Euro eingeplant. Nach Informationen unserer Zeitung scheint es zwischen dieser Erlösschätzung und den vorhandenen Angeboten eine siebenstellige Differenz zu geben. Immerhin: Die Bewertung der Lage stimmt, es liegen zwei „Bewerbungen“ vor.

Die Pläne wurden im Fachausschuss präsentiert: vom niederländischen Bau- und Projektentwickler Van Wijnen mit Niederlassung in Aachen und von der Bietergemeinschaft Jülich, hinter der vier namhafte Bürger der Stadt stehen, inklusive Architekt Hans Karl Schüssler, der auch vortrug.

Beide Vorschläge sehen viergeschossige Mehrfamilienhäuser auf dem großen Areal vor, beide wollen einen „parkähnlichen Charakter“ erzielen, beide planen eine Tiefgarage. Die Van Wijnen-Vorstellungen beinhalten in zwei Etappen zunächst drei und dann weitere vier Gebäude mit insgesamt etwa 80 Wohnungen. Allerdings: Der Projektentwickler will zunächst nur den ersten Abschnitt auf dem derzeit unbebauten Realschulgrundstück realisieren. Das warf im Ausschuss die Frage auf, ob die Stadt unter Umständen auf dem zweiten Teil mit dem alten Realschulgebäude „sitzen bleibe“.

Die Bietergemeinschaft Jülich würde die gesamte Fläche nutzen und — nach den Skizzen — zwölf unterschiedlich dimensionierte Gebäude errichten — laut Architekt „auch Doppelhaushälften“.

Dieser Unterschied führt natürlich zu einer dichteren Bebauung und ist bereits Ergebnis einer von Hans Karl Schüssler vorgenommenen neuen Planung. Beide Entwürfe nehmen auf die historischen Besonderheiten Rücksicht, denn in unmittelbarer Nähe befinden sich die St. Jakobbastion, die Rurpforte und Reste der Stadtmauer. Von daher ist das Einvernehmen mit den Denkmalbehörden wichtig, und der Entwurf der Niederländer würde den Anforderungen gerecht, informierte Beigeordneter Martin Schulz. Die Stadtverwaltung hat sich bereits positioniert: Schulz sprach von einem „sehr guten“ Vorschlag von Van Wijnen und einem „guten Entwurf“ der Bietergemeinschaft Jülich.

Ein Aspekt dieser Beurteilung ist laut Schulz der finanzielle: Der niederländische Plan muss nicht mehr verändert werden. „Wir gehen davon aus, dass auch der Kaufpreis noch in diesem Jahr fließen kann.“ Der Allgemeine Stellvertreter des Bürgermeisters räumt ein: „Drei Millionen Euro werden wir nicht erzielen können, es wird wesentlich weniger. Die Differenz müssen wir im Nachtragshaushalt einsparen.“ Wenn 2014 mit dem Grundstück gar kein Geld zu machen ist, müssen volle drei Millionen Euro her.

Die Entscheidung über den Bebauungsplan wurde vertagt. Ausschussvorsitzender Erich (CDU) sprach von einem „ersten Aufschlag“. Jürgen Laufs (Grüne) votierte zwar für eine Vermarktung, „aber nicht schnell-schnell“. Dem schloss sich Winfried Cremerius an, der in der Fläche „die letzte wunderbare Lage im Herzen der Stadt“ sieht. Wie allerdings das Haushaltsloch gestopft werden soll, wenn das Grundstück später verkauft werden sollte, blieb in der Sitzung unklar. Schon am Donnerstag könnte das Thema im Haupt- und Finanzausschuss werden — oder müsste.

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