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Jülich: Wenn Gelenke Ärger machen

Jülich : Wenn Gelenke Ärger machen

Wenn es kracht und schmerzt im Bewegungsapparat, ist der Weg zum Orthopäden zwar beschwerlich, aber lohnend, um Gewissheit über die Ursache und konkrete Hilfe zu erhalten.

Die meisten Patienten werden vom Hausarzt zum Orthopäden überwiesen. Der Jülicher Orthopäde Dr. Friedrich Egberts ist einer der Referenten des 15. Forums Medizin von Malteser Krankenhaus Jülich und unserer Zeitung. Das Thema lautet „Wenn die Gelenke Probleme bereiten - Schmerzen, was nun?”.

Egbert´ Aufgabe besteht darin, mit allen Mitteln der konservativen Medizin den Einsatz eines Chirurgen, der ein künstliches Gelenk einsetzt, zu verhindern oder zumindest hinauszuzögern. Das entscheidende Kriterium pro Eingriff ist Schmerz. „Wenn der Patient auch nachts keine Ruhe mehr findet, dann geht er physisch kaputt”, beschreibt Egberts die entscheidende Phase.

Weiteres Kriterium für eine Operation sind nicht mehr hinnehmbare Nebenwirkungen von Medikamenten. Natürlich hat der Patient das entscheidende Wort. Das heißt aber auch: Wer aus Egberts´ Sicht vorschnell auf ein künstliches Gelenk setzt, den kann und will er nicht aufhalten. Dann liegt es am Operateur, ob der sich darauf einlässt.

Bis dahin gilt es aber erst einmal, vernünftiger Weise alle anderen Optionen zu nutzen. Ein intensives Patientengespräch und umfassende Untersuchungen stehen am Anfang. Dabei stellt sich oft heraus, dass der Betroffene schon mal vor Jahren kurzeitig Probleme hatte. Verschleiß bzw. Arthrose von Gelenken verläuft schleichend, die nachvollziehbaren Folgen treten zunächst schubweise auf, bevor sie chronisch werden.

„Der Körper verfügt über hohe Kompensationskräfte und kann über lange Zeit viel ausgleichen”, sagt Egberts. Entzündliche Schübe sind Zeichen dafür, dass das Gelenk versucht, die Folgen des Verschleißes zu verarbeiten.

„Das ist eine Abwehrfunktion”, sagt der Mediziner. Wärme, Schwellung, Rötung sind neben Schmerzen Hinweise dafür. Bei Arthrose, etwa im Knie, gilt es, zunächst die akute Entzündung zu überwinden - mit Medikamenten.

Helfen kann dabei physikalische Therapie, also Kältebehandlung, aber auch Stromfluss und therapeutische Ultraschallbehandlung. Akupunktur spielt eine wichtige Rolle. Dagegen sind homöopathische Anwendungen sehr zeitaufwändig, sagt Egberts, und helfen nicht in der akuten Phase.

Gezielte Röntgenbestrahlung und der Einsatz von Kortison sind weitere Instrumente.

Nicht Stillegen, sondern Bewegungstherapie fördert die Regeneration des betroffenen Gelenks. Präparate fördern den Knorpelaufbau und sorgen für „Schmierstoff”.

In seiner Praxis betreut der Jülicher Arzt auch Patienten, bei denen der Einbau eines künstlichen Gelenks nicht (mehr) die gewünschte Wirkung erzielt. Dann liegt meist eine Lockerung des Kunstgelenkes vor. Gründe dafür können in der falschen Berechnung der Geometrie von Substanz und Ersatz liegen.

Materialprobleme und mangelnde Einbauqualität kommen vor. „Dann muss erneut operiert werden, denn eine wackelnde Prothese zerstört die Knochen”, stellt Egberts klar.