Kreis Düren: Wenn an Weihnachten für Polizei und Feuerwehr Dienst angesagt ist

Kreis Düren: Wenn an Weihnachten für Polizei und Feuerwehr Dienst angesagt ist

Im Folgenden folgt kein Bericht darüber, dass die meisten Menschen ab dem Heiligen Abend für ein paar Tage glückselig unter dem Weihnachtsbaum sitzen, während Polizei, Feuerwehr und Rettungskräfte die Hölle auf Erden verleben. Erstens hängt der Haussegen an Weihnachten gerne mal schneller schief als sonst.

Aber zweitens bedeutet das trotzdem nicht, dass das Weihnachtsfest Terrortage für alle Menschen bedeutet, die für das Gemeinwohl zuständig sind. Weihnachten ist einfach anders aus Sicht der Einsatz- und Rettungskräfte. Anders als für alle anderen. Und anders als früher.

Im Straßenverkehr ist die Polizei an den Feiertagen weniger gefragt, dafür aber vermehrt in Häusern und Wohnungen.

„Weihnachten ist für uns viel ruhiger geworden“, sagt Kreisbrandmeister Karlheinz Eismar. „Dank LED.“ Das Fragezeichen, das manch einer jetzt im Gesicht tragen mag, löst sich schnell auf, wenn Eismar erklärt, dass die Kombination aus Kerzen und Weihnachtsbäumen früher eine leicht entzündbare Mischung ergeben hat.

Mehr Sicherheit mit Leuchtdioden

„Früher waren vor allem die Angehörigen der Freiwilligen Feuerwehr an Weihnachten in Habachtstellung. Aber seit die meisten ihre Weihnachtsbäume mit LED zum Leuchten bringen, ist das Thema so gut wie verschwunden“, berichtet Eismar aus 27 Jahren Erfahrung bei der Feuerwehr der Stadt Düren, bevor er zum Kreisbrandmeister berufen wurde.

Leuchtdioden sind dem Kreisbrandmeister als Ursache für ein Feuer noch nicht begegnet. Erfahrungswerte, ob die zunehmende Zahl an künstlichen Weihnachtsbäumen ebenfalls eine Rolle spielt, hat Eismar nach eigenen Angaben nicht. „Ich weiß nicht, inwiefern sie hitzebeständig oder feuerfest sind. Aber ich weiß, dass ab einer gewissen Temperatur alles brennt.“

Für die Polizei im Kreis Düren besteht das Weihnachtsfest im Dienstplan aus ganz normalen Tagen. „Wir haben unsere Kräfte dann weder verringert noch erhöht“, sagt Polizei-Sprecherin In-grid Königs. „Weihnachten ist im Dienstplan ein ganz normaler Feiertag.“ Auf vielen Dienststellen gebe es eine Art Gerechtigkeitsliste, mit der geregelt wird, wer dienen muss und wer feiern darf. Die richte sich danach, wer im Vorjahr Dienst getan hat, wer kleine Kinder hat oder andere familiäre Verpflichtungen — wie überall anders auch, wenn Menschen an Weihnachten ranmüssen.

Mehr Einsätze zu Hause

Trotzdem ist Weihnachten aus Sicht der Polizei anders. „Die Verkehrsunfälle werden weniger, dafür nehmen die Vorfälle in den Haushalten zu“, beschreibt es Königs und nennt zum Beweis Zahlen aus dem vergangenen Jahr. An den Feiertagen passierten im Kreis 23 Verkehrsunfälle, am Wochenende vom 8. bis zum 11. Dezember waren es 84. Fälle von Körperverletzung und Einsätze, die die Polizei unter dem Stichwort Randale zusammengefasst hat, gab es acht beziehungsweise 13, während es am zweiten Dezemberwochenende fünf und sechs waren. „Meiner Erfahrung nach passiert mehr, wenn das Weihnachtsfest mit Wochenendtagen verlängert wird“, schildert Königs.

Irgendwann kommen bei längeren Familienzusammenkünften dann doch alle Dinge auf den Tisch, die sonst unausgesprochen im Raum gestanden haben. Oftmals finden sie sich auf dem Boden von Flaschen, die vormals Alkohol beinhalteten. Die Abnahme des christlichen Bezugs zu Weihnachten könne eine Rolle spielen, wie Königs anmerkt, die selbst im Kreis Düren — auch in Jülich — zehn Jahre Streife gefahren ist. „Für viele ist Weihnachten kein christliches Fest, sie sehen die zusätzlichen freien Tage und gehen dann feiern.“ Das könne zu Konflikten führen, vor allem, wenn Feiern auf das Ruhebedürfnis anderer an Feiertagen trifft.

Bei der Polizei bestens bekannt ist, welches Handwerk — bitte die Anführungszeichen dazu denken — ebenfalls Rücksicht auf Weihnachten nimmt: Einbrecher. „Sie schlagen gerne zu, wenn andere Menschen an Weihnachten in der Kirche sind“, schildert Königs.

Alle Gefahren gebannt sind an Weihnachten natürlich nicht. Auf Adventskränzen brennen meist immer noch Kerzen. „Man muss bedenken, dass Kränze und Bäume leichter entflammbar sind, je älter und damit trockener sie werden“, sagt Eismar. Deswegen gibt er einen Rat: Brennt tatsächlich der Baum oder der Kranz, dann soll man es bei maximal einem Löschversuch belassen.

„Am besten nimmt man keinen Pulver-Feuerlöscher, sondern löscht mit Schaum oder Wasser. Bei Pulver verliert man die Sicht, außerdem besteht die Gefahr, dass sich das Feuer erneut entzündet.“ Das Wichtigste sei, dass die Menschen sich rechtzeitig in Sicherheit bringen. Auch, wenn sich das Feuer am Ende als kleiner herausstellen sollte als zunächst befürchtet. „Wir rücken lieber einmal vergebens oder zu einem kleinen Einsatz aus“, betont Eismar.