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Entschärfung in Jülich: Weltkriegsbombe nahe der B56 gesprengt

Entschärfung in Jülich : Weltkriegsbombe nahe der B56 gesprengt

In Jülich ist am Sonntag eine Weltkriegsbombe entschärft worden. Die 500 Kilogramm schwere Fliegerbombe war am Samstag gefunden worden. Sie wurde am Nachmittag vom Kampfmittelbeseitigungsdienst in einer Sandgrube kontrolliert gesprengt.

 Ihren 1. Advent hatten sich rund 500 Menschen aus dem Jülicher Stadtviertel Heckfeld und rund 100 Helfer sicher anders vorgestellt: Wegen einer Weltkriegsbombe mussten die Anwohner evakuiert werden. Am Sonntagnachmittag hat der Kampfmittelräumdienst die auf dem Gelände eines Kieswerks nahe der B56 gefundene Fliegerbombe kontrolliert gesprengt.

Die Helfer hatten unterschiedliche, unerwartete Aufgaben: Vom kontrollierten Sprengen der 500 Kilogramm schweren Fliegerbombe in der Nähe der Bundesstraße 56 bis zum Kochen und Verteilen von Suppe an die Evakuierten und Helfer erstreckten sich die Aufgaben an diesem 1. Advent.

Die Zehn-Zehnter-Bombe wurde am Samstag auf dem Grundstück eines Kieswerks gefunden. Ein Angler hatte sie in einem der Teiche entdeckt. Der Kampfmittelräumdienst entschied sich, das explosive Kriegsrelikt kontrolliert zu sprengen. Dafür mussten alle Menschen im Umkreis von 600 Metern evakuiert werden, zudem verhängte die Stadt eine Flugverbotszone mit Radius von 1000 Metern um die Fundstelle.

Im Jülicher Stadtteil Heckfeld (im Hintergrund) mussten mehrere Hundert Anwohner ihre Häuser räumen. Foto: MHA/Guido Jansen

Ab dem frühen Sonntagmittag informierte die Feuerwehr die betroffenen Anwohner über Lautsprecherdurchsagen. Später klingelten die Helfer – neben der Feuerwehr waren das Rote Kreuz, die Malteser, das THW sowie Mitarbeiter der Stadt Jülich im Einsatz -, um sicherzustellen, dass alle Anwohner evakuiert sind. In der Muschel, der neuen Jülicher Veranstaltungshalle im Brückenkopf-Park, die wegen Corona noch nicht in Betrieb ist, richtete die Stadt eine Sammelstelle für die Anwohner ein. Rund 50 fanden sich dort ein und wurden mit Getränken und Gulaschsuppe versorgt.

Zugangsvoraussetzung zur Muschel: kein Fieber. Als Vorsichtsmaßnahme gegen das Coronavirus machte ein in Schutzbekleidung eingehüllter Rot-Kreuz-Mitarbeiter einen Fieberschnelltest am Eingang. „Naja, ich könnte mit einen schöneren 1. Advent vorstellen“, sagte Ute Lüdecke. Die Evakuierung war für sie, ihren Mann und die Nachbarn Uschi und Wilfried Vonden nicht das Unerfreulichste am Tag. Morgens war die Heizung in ihrem Wohnhaus ausgefallen. „Es war gerade wieder schön warm, da mussten wir raus“, berichtet Uschi Vonden.

Wolfgang Wolf (Mitte) erläuterte das Vorgehen. Foto: MHA/Guido Jansen

„Aber wir machen das Beste draus“, fügt Ute Lüdecke hinzu, während die vier sich mit Kartenspielen an einem Tisch in der Muschel beschäftigen. „Aber bitte nicht um Geld spielen. Dann muss ich eingreifen“, sagte Richard Schumacher von der Stadtverwaltung, bei dem die Fäden des Bomben-Einsatzes zusammenliefen. Alle lachten, auch Schumacher, der den Kommentar erkennbar witzig gemeint hatte. Beeindruckt zeigten sich die evakuierten Nachbarn von der Muschel. „Ich hab mit die kleiner vorgestellt“, sagte Wilfried Vonden. „Aber das ist genau das, was Jülich braucht.“

Die Stadt veröffentlichte Informationen auf ihrer Webseite. Für die Sprengung mussten auch alle Straßen und Radwege in der Sicherheitszone gesperrt werden. Gegen 15.30 Uhr war es dann soweit: Die Experten zerstörten das gefährliche Überbleibsel aus dem Zweiten Weltkrieg – es handelte sich um eine britische Bombe – in einer Sandgrube. Zuständig war der Kampfmittelbeseitigungsdienst der Bezirksregierung Düsseldorf. Bei der gezielten Sprengung entstand ein etwa drei Meter tiefer Krater mit einem Durchmesser von zehn Metern. Die in Sicherheit gebrachten Anwohner durften anschließend wieder in ihre Gebäude zurückkehren.

Die evakuierten Anwohner nutzten die Zeit für das ein oder andere Gesellschaftsspiel in der „Muschel“. Foto: MHA/Guido Jansen

In Jülich sind Bombenfunde insofern nicht ungewöhnlich, weil die Stadt neben Düren eine der prozentual am stärksten zerstörten Städte Deutschlands ist. Bei einem britischen Luftangriff vom 16. November 1944 wurden beide Innenstädte fast komplett zerstört. Aber auch in den Tagen und Wochen zuvor war Jülich immer wieder Ziel alliierter Luftangriffe.

2012 musste aufgrund eines Bombenfundes in der Nähe der Jülicher Zitadelle ein Teil der Innenstadt evakuiert werden, inklusive Schule, Krankenhaus und Altenheim.