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Jülich: Wartezeiten bleiben trotz Augenzentrum lang

Jülich : Wartezeiten bleiben trotz Augenzentrum lang

Seit zwei Monaten wird in Jülich das „augenzentrum” betrieben, eine Augenklinik, welche in Ausführung und Architektur einmalig in der Bundesrepublik ist.

„Augenärzte sind besonders lichthungrig”, betont Bauherr Dr. Dr. Uwe Clasen, der sich besonders um Spenden für die Dritte Welt bemüht. Mit ihm sprach Helmut Schiffer.

Bei der Einweihung ihrer Augenklinik haben Spenden auf das Sonderkonto „Afrikas kleine Helden” erbeten. Woher rührt dieser Bezug?

Dr. Clasen: Wir hier in Europa profitieren enorm von der zunehmenden technischen Hilfe in der Augenheilkunde. Die Schere zwischen uns und den Entwicklungsländern klappt aber immer mehr auseinander.

In Afrika partizipiert keiner davon, da ist man froh, wenn zum Beispiel der graue Star überhaupt entdeckt, dann mit primitivsten Methoden operiert wird. So finden wir, dass wir es den Dritte-Welt-Ländern einfach schuldig sind, sich um diese Probleme zu kümmern, insbesondere was die Augenerkrankungen bei Kindern angeht.

Und so begrüßen wir es sehr, dass gerade der Aachener Zeitungsverlag mit seinem Sonderkonto ebenso die Aktion „Afrikas kleine Helden” unterstützt.

Wie kam es zu der Idee, in Jülich ein Augenzentrum zu errichten?

Dr. Clasen: In den letzten Jahren erfreute sich unsere Praxis zunehmenden Zuspruchs. Die vorhandenen Räume, die für meine Frau und mich konzipiert waren, sind dann aber viel zu klein geworden. Die Zahl unserer Untersuchungszimmer hat nicht Schritt gehalten mit dem Fortschritt in der Augenheilkunde. So war kein vernünftiges Arbeiten mehr möglich.

Seit 1989 haben sie eine Praxis in Jülich, waren und sind Belegarzt im Elisabeth-Krankenhaus. War die Nähe zum Krankenhaus gewollt?

Dr. Clasen: Dies hat sich idealerweise ergeben. Im Krankenhaus operieren wir, halten wir Konzile, erhalten von dort auch, wenn wir Probleme in der Praxis bekommen sollten, schnelle ärztliche Hilfe bei Notfällen.

Ihr Augenzentrum ist sehr hell, ansprechend, besonders von der Farbgebung her. Ist dies der neue Weg der medizinischen Architektur?

Dr. Clasen: Wir Augenärzte sind besonders lichthungrig, weil wir doch überwiegend im schummrigen Licht arbeiten müssen, um die Patienten zu untersuchen. Da ist schon der Wunsch da, in einem hellen, durchsichtigen und transparenten Gebäude zu praktizieren.

Gab es irgendwo in Deutschland Vorbilder vom Baucharakter her?

Dr. Clasen: Nein, es ist eine Idee, die meine Frau und ich immer mehr verfeinert haben. Bis es vom Grundstück her möglich war, so zu bauen, wie wir es wollten. Es sollte eine Kombination werden, wo die an der Versorgung der menschlichen Augen Beteiligten - sprich Augenärzte und Optiker - unter einem Dach gebracht werden können.

Jetzt haben wir noch mit Dr. Behren einen Neurologen gewinnen können, der unsere Arbeiten ergänzt, da Sehnerv und Netzhaut letztendlich ins Gehirn führen, wo der Neurologe seine Untersuchungen beginnt.

Das Interesse an einem solchen medizinischen Zentrum ist, wie sie sagen, sehr groß. Trotzdem sind doch die langen Wartezeiten auf einen Termin störend.

Dr. Clasen: Dies ist ein komplexes Gebiet, was eine längere Antwort erfordert. Jeder Notfall am Auge wird sofort behandelt. Es ist oft das Problem, wie der Patient seinen Wunsch auf einen Termin rüberbringt.

Wenn eine routinemäßige Augendruckmessung ansteht, dann sind mehrere Wochen Wartezeit schon möglich. Wichtig ist, dass der Patient auf eine Dringlichkeit hinweist.

Glaubt man den Statistiken, dann erkranken immer mehr Patienten am grauen oder grünen Star. Womit hängt dies zusammen?

Dr. Clasen: Es gibt drei Komponenten: Erstens, die Bevölkerung wird immer älter, die Chance, seinen grauen Star zu erleben - es handelt sich nicht um eine Krankheit, sondern um eine Altersveränderung - wird immer wahrscheinlicher.

Zweitens werden die Ansprüche an Sehen immer größer, zum Beispiel durch Bildschirmarbeit. Hinzu kommt aber auch, dass die Angst vor der Operation viel geringer geworden ist. Die dauert bei einem versierten Chirugen heute kaum mehr als acht Minuten, der Patient kann nach einer Stunde nach Hause gehen.

Kann man aus ärztlicher Sicht Rückschlüsse darauf ziehen, dass Kinder, die viel am Computer oder vor dem Fernseher sitzen, früher als andere eine Augenkrankheit erleiden?

Dr. Clasen: Viel Naharbeit, richtig korrigiert, schadet dem Auge auf keinen Fall. Das Auge ist von der Entwicklungsgeschichte her gesehen kein Organ für die näheren Ereignisse, sondern für das Aufnehmen von Geschehnissen in der Ferne gedacht. So schadet Naharbeit, richtig korrigiert, keinesfalls. Aber man sollte einen Augenspezialisten aufsuchen.