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Jülich: Warnung vor übermäßiger „Panikmache”

Jülich : Warnung vor übermäßiger „Panikmache”

„Wir erwarten von der Medizin, dass sie sich weiter entwickelt,” stellte Barbara Biel von der Katholischen Studenten- und Studentinnengemeinde (KSG) der Fachhochschule Aachen, Abteilung Jülich, im „Rundling” auf dem Solarcampus fest.

„Aber bedeutet dies Wissen um jeden Preis? Gibt es eine Grenze?” Zum 5. Forum Technik- Wissenschaft - Ethik waren die Professoren Klaus Zerres (Institut für Humangenetik am Universitätsklinikum der RWTH Aachen) und Gereon Fink (Institut für Medizin, „Kognitive Neurologie” am FZJ und der RWTH Aachen) sowie Bert Heinrichs (Institut für Wissenschaft und Ethik Bonn) eingeladen.

„Medizinische Diagnostik - Wissen um jeden Preis? Der schmale Grad zwischen Machbarkeit und Verantwortung!” lautete das Thema des Forums unter Moderation der Biologin und Theologin Barbara Baumann.

Hochaktuelles Thema

„Ein hochaktuelles Thema,” konstatierte Prof. Hans-Joachim Weber vom Lehr- und Forschungsbereich (LFB) Biomedizintechnik an der FH Abteilung Jülich. Immerhin beschäftigt sich der LFB mit der Entwicklung neuer medizinischer Geräte. Gemeinsam mit Prof. Gerhard Artmann, Prof. Christoph Helsper, den drei Referenten und Barbara Biel bereitete er das Forum vor.

Neben etlichen Studierenden der FH lauschte auch eine 11er-Klasse des Fachs Katholische Religion des Gymnasiums Zitadelle mit ihrer Lehrerin Petra Schlader-Thouet den Ausführungen.

Völlig unumstritten sei die medizinische Diagnostik, um Präventivmaßnahmen einzuleiten, betonte Ethikwissenschaftler Bert Heinrichs. Allerdings könnten Arbeitgeber und Versicherungen einen Gentest verlangen, um Einstellungen zu verweigern oder Verträge gar nicht oder zu höheren Tarifen abzuschließen.

Vor übermäßiger Panikmache warnte Klaus Zerres. So läge das Risiko einer 40-Jährigen, dass ihr Baby mit Down-Syndrom geboren wird, lediglich bei etwa einem Prozent. Schwierig wird es hingegen bei Familien, in denen behinderte und nichtbehinderte Geschwister gemeinsam leben.

„Die Eltern lieben ihr behindertes Kind über alles, wollen aber nicht, dass ihrem anderen Kind dasselbe passiert.” Intensive Gespräche mit Neurologen, Medizinern und Psychiatern in mehreren Sitzungen seien Voraussetzungen für derartige Tests, bekräftigte Zerres. Erst nach monatelangen Reflektionen würden diese gemacht.

Notwendig seien sie auch angesichts der „dramatischen Steigung der Lebenserwartung”. Während etwa Alzheimer ein Risiko von 0,3 Prozent bei 70-Jährigen darstelle, liege dies bei 80-Jährigen bei drei, bei 90-Jährigen gar bei zehn Prozent.

Kinder von Alzheimerpatienten trügen bereits ein drei- bis vierfach erhöhtes Risiko in sich. Durch die Prognostik könne ein potentieller Patient beizeiten Vorsorge für das spätere Leben treffen.