Jülich: Wachstumskurs im Mechatronikzentrum Jülich

Jülich : Wachstumskurs im Mechatronikzentrum Jülich

Aus dem Tal der Tränen ist das Mechatronikzentrum raus. Das sagt Michael Kommoss, der neue Leiter der Bundeswehr-Einrichtung in Jülich. Die Zeiten seien vorbei, in denen es fraglich war, ob und wie es mit einem der größten Arbeitgeber im Kreis Düren weiter geht. Kommoss hat seine neue Stelle angetreten mit dem Auftrag, dabei zu helfen, den Standort zu vergrößern.

„Wir machen Jülich zukunftsfest“, sagt der 57-Jährige. „Diese Aufgabe hat mich sehr gereizt, deswegen habe ich sie angenommen.“ Unter Kommoss soll eine Art Rotationsprinzip Einzug halten im Werk, dessen Grundmauern vor 100 Jahren als Reichsbahnausbesserungswerk eingeweiht wurden und in dem die Bundeswehr heute Lastwagen, Jeeps und gepanzerte Fahrzeuge repariert, allerdings keine Panzer. Noch nicht.

Vorne liegt Halle 2, im Hintergrund schließt Halle 5 an, das größte Objekt im Mechatronikzentrum. Beide Hallen müssen saniert werden. Foto: Jansen

Expansionspläne

Die Gleise liegen: Seit 2013 könnten auch Panzer über die Schiene nach Jülich gebracht werden. Foto: Jansen

Die Hallen 2 und 5 des Mechatronikzentrums sind die Gebäude, die die Landschaft entlang der Bundesstraße 56 im Jülicher Südwesten mit ihrem roten Backstein prägen. „Beide Hallen werden jetzt 100 Jahre alt. Da mus man ran. Brandschutz, Arbeitsschutz, Ergonomie“, sagt Kommoss. Allein schon deswegen brauche das Mechatronikzentrum Platz.

Die Arbeit muss während der Sanierung an anderer Stelle weitergehen. Auch deswegen spricht das Bundesamt für Infrastruktur, Unterbringung und Dienstleistung gerade mit dem Forschungszentrum (FZJ). Das FZJ hat bekanntlich zwei Standorte in Jülich, den Hauptstandort und eine gemietete Fläche nordwestlich des Mechatronikzentrums, in dem unter anderem die Ausbildungswerkstätten und der Kindergarten Kleine Füchse untergebracht sind. Einen Teil der letztgenannten Fläche könnte das Bundesamt für das Mechatronikzentrum kaufen.

Das ist zwar noch Zukunftsmusik, aber die Gespräche laufen. Auf dem jetzigen FZJ-Gelände könnte also die Fläche entstehen mit Hallen, die Kommoss als Springerkapazität bezeichnet. Sind diese Hallen fertig, dann wird die Arbeit aus Halle 2 nach dort verlegt, um Halle 2 sanieren zu können. Danach ziehen Teile aus der größten Halle 5 um in Halle 2. „Irgendwann wären alle Hallen saniert, und wir hätten die Möglichkeit, in der dazugewonnen Halle, die jetzt noch auf FZJ-Gebiet liegt, zusätzliche Arbeitsplätze einzurichten“, erklärte Kommoss.

Eskalationsfähigkeit

Das ist der zweite Teil des Plans für Jülich. Die Bundeswehr braucht Kapazitäten, um ihre Ausrüstung zu sanieren. Die Werke der Heeresinstandsetzungslogistik (HIL) will der Bund laut Kommoss verkaufen. Damit bliebe Jülich übrig als einziger großer Standort im Besitz des Bundes zur Sanierung von Bundeswehrfahrzeugen.

Seit Russland 2014 die Krim besetzt hat, findet in Sachen Verteidigung ein Umdenken statt. Kommoss spricht von einer erhöhten Eskalationsfähigkeit als Ziel. Dazu gehöre, dass die über die Jahre reduzierte, aber jetzt wieder stärker eingesetzte Flotte an Fahrzeugen und Panzern schneller und häufiger repariert werden muss. Es müsse auch möglich sein, die Zahl der Sanierungen kurzfristig höher zu fahren.

Jülich könnte der Standort sein, an dem diese Kapazitäten vorgehalten werden. Auch für Panzer. Platz dafür wäre nach dem Ende der Rotation. Und eine wichtige Voraussetzung ist auch schon gegeben: der Bahnanschluss, über den die Panzer nach Jülich transportiert werden könnten.

Der wurde 2013 für rund 1,2 Millionen Euro hergerichtet. Insgesamt hat der Bund seit 2005 rund 10,7 Millionen Euro in das Mechatronikzentrum investiert, seit 1984 sind es 26 Millionen Euro. „Die Leitung im Mechatronikzentrum ist meine letzte Verwendung“, sagt Michael Kommoss. „Aber es ist eine ungemein spannende. Hier wird viel passieren.“

Rheinländer mit Migrationshintergrund

Michael Kommoss bezeichnet sich selbst als erfolgreich integrierten Rheinländer mit Migrationshintergrund. Der 57-jährige Oberstleutnant stammt aus Aurich in Ostfriesland. Kommoss ist seit 30 Jahren verheiratet und hat drei erwachsene Kinder. Seit 1999 lebt er mit seiner Familie in Langerwehe, davor war Aachen für sechseinhalb Jahre die Heimat.

Seit dem 20. Oktober ist er der Leiter des Mechatronikzentrums der Bundeswehr in Jülich. Er hat die Nachfolge von Dr. Ralf Weisen übernommen. 1981 hat er seine Grundausbildung in Boostedt im Süden von Schleswig-Holstein absolviert. Kommoss Truppengattung ist die Instandsetzung, dort hat er eine Laufbahn vom Gruppenführer bis zum Bataillonskommandeur gemacht. Weiter war er an der Heeresschule in Aachen tätig, er war Inspektionschef in der Donnerberg-Kaserne, er hat dem Schulstab in der Aachener Lützow-Kaserne angehört und war Truppenfachlehrer an der heutigen Dr.-Leo-Löwenstein-Kaserne in Aachen.

Zudem hat Kommoss vor seiner Versetzung acht Jahre lang für die Heeresinstandsetzungslogistik GmbH (HIL) gearbeitet. Dort hat er unter anderem die sogenannte Übungsunterstützung im Ausland aufgebaut. Am Mechatronikzentrum in Jülich arbeiten inklusive der Auszubildenden 300 Menschen, acht davon sind Soldaten, 40 Beamte, alle anderen sind Angestellte im öffentlichen Dienst.

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