Jülich: Vortrag: Preußische Spuren im Jülicher Stadtbild

Jülich: Vortrag: Preußische Spuren im Jülicher Stadtbild

Welchen Spuren hinterließen die Preußen in Jülich? Guido von Büren referierte im Rahmen des Mittwochsclubs des Jülicher Geschichtsvereins (JGV) in Zusammenarbeit mit dem Museum Zitadelle über die Entwicklung der Stadt Jülich und ihr Erscheinungsbild in der Preußenzeit.

Offiziell gehörte Jülich seit 1815 zum Königreich, die preußischen Truppen verhielten sich nicht mehr wie Besatzer, und das Verhältnis zu den Bürgern normalisierte sich. Die vielen Soldaten in der Stadt kurbelten die Wirtschaft an.

Obwohl die militärische Bedeutung der Stadt abnahm, blieb Jülich jedoch Festungsstadt. Ende des 18. Jahrhunderts war der Brückenkopf entstanden und ein Kranz von Lünetten in Planung. Die Preußen vervollständigten die Bauarbeiten und sicherten die Nordfront der Zitadelle mit drei Lünetten, wie Guido von Büren darlegte. Größere militärische Bedeutung sprachen die Preußen allerdings den Städten Wesel, Köln und Koblenz in ihrer Funktion zur Grenzsicherung gegenüber Frankreich zu. Die Investitionen in diese Städte sei erheblich größer gewesen, sagte der Historiker.

Idealisierte Darstellung

In den Stadtansichten dieser Zeit, zum Beispiel in Bildern von Johann Wilhelm Schirmer, wird Jülich in Biedermeierart idealisiert dargestellt. Die militärische Präsenz im Stadtgefüge ist in den Darstellungen nicht zu sehen. Die Wiedergabe von Festungsbauten war verboten.

Die Bevölkerungszahlen nahmen nur langsam zu. Der Urbaninisierungsschub blieb zunächst aus. Veränderungen gab es jedoch im Landschaftsbild. Wiederholt auftretende Hungerkrisen hatten eine Ausweitung der landwirtschaftlichen Nutzflächen um Jülich zur Folge. Demzufolge wurde der Jahrhundertealte Erbwald gerodet. Ein waldreiches Landschaftsbild von Köln kommend veränderte sich in einen Landstrich mit Blick auf Ackerland. Es entstanden die ersten Gutshöfe, deren Aufgabe es war, die Flächen zu bearbeiten. 1893 waren der Jülicher-Welldorfer und Güstener Busch bis auf einen Rest verschwunden.

Europaweites Medieninteresse zog 1860 eine spektakuläre Belagerungsübung in Jülich nach sich. „Man hat 14 Tage Krieg gespielt“, verdeutlichte von Büren in seinen Ausführungen. Die Sprengung einer Mine war spektakulär, zahlreiche Fotos dokumentieren die Schießversuche an den Mauern und Wällen der Zitadelle. Das Spektakel galt auch als gesellschaftliches Ereignis. Selbst der Kronprinz nahm an der Übung teil. Preußen zeigte, was es kann: Eine Festung aus dem 16. Jahrhundert funktionierte nicht mehr.

Darauf änderte sich das Stadtbild langsam. Jülich erhielt 1873 einen Eisenbahnanschluss und begann sich über die Grenzen der Stadtbefestigung auszuweiten. Im mittelalterlichen Hexenturm eröffnete das Jülicher Heimatmuseum, der Schlossplatz erhielt Denkmäler. Jülich blieb Garnisonsstandort und Ort zweier Militärschulen. Das hatte eine große Anzahl an Postkarten mit Jülich-Motiven um 1900 zur Folge. Zu sehen sind neu entstandene Straßenzüge östlich und südlich vom Stadtkern und der aus dem ehemaligen Schwemmteich entstandene Schwanenteich mit repräsentativen Bauten wie das Kreisständehaus.

Auch wenn der Schwanenteich heute noch zum Verweilen einlädt, ist das preußisch geprägte Jülich nur bei genauem Hinsehen noch zu entdecken, da die gesamte Stadt bekanntlich am 16. November 1944 im Zweiten Weltkrieg in Schutt und Asche gelegt wurde.

Der Mittwochsclub diese Woche und die Doppelausstellung „Das preußische Jahrhundert“ in Jülich und Leverkusen rufen diese Phase in Erinnerung.