Jülich: Vor Ort wird die abstrakte EU konkret: Schüler besuchen Abgeordneten

Jülich: Vor Ort wird die abstrakte EU konkret: Schüler besuchen Abgeordneten

Die Einladung des Europaabgeordneten Arndt Kohn stand: „Kommt doch mal nach Brüssel!“ Also machten sich zwei Klassen des Beruflichen Gymnasiums und der Höheren Handelsschule mit ihren Lehrern auf den Weg ins Zentrum Europas.

Sie wurden begleitet von seiner Mitarbeiterin Hannah Sanders, die ein abwechslungsreiches und spannendes Programm zusammengestellt hatte und die Busfahrt nutzte, um die Schülergruppe mit Informationen über die belgische Geschichte und Interessantes aus dem europäischen Alltag zu versorgen. Einmal angekommen wurde man direkt mit einer Herausforderung konfrontiert, die auch für EU-Politiker gilt: In Brüssel kommt man ohne Sprachkenntnisse, hartnäckige Diplomatie und Kompromisse nicht weiter — und auch nicht an einen Parkplatz für den Bus.

Axel Heyer vom Besucherdienst warf dann mit der Gruppe einen Blick von oben auf das Europaviertel von Brüssel und zeigte ihr direkt einen anderen Blick auf die Erdkugel: Wer mit China in Zukunft um die Führungsrolle konkurrieren will, braucht starke Partner. Wie soll ein kleines europäisches Land hier ernst genommen werden?

Aber 28 Länder in Europa, die mit einer Stimme sprechen, können auf Augenhöhe mitreden und stellen ernstzunehmende Partner dar. Auch mit den Ergebnissen einer Studie, die europa-, ja sogar weltweit sinkende Zustimmungswerte zur Demokratie attestiert, weckte Heyer bei Schülern Betroffenheit. Sein abschließender Aufruf stieß deshalb auf offene Ohren: „Ja, Demokratie ist anstrengend, aber Europa hat es sicher verdient, dass man im Mai 2019 aufsteht und zur Wahl geht.“

Einer von 96 Deutschen

Schließlich hatten die Jugendlichen die Gelegenheit, Arndt Kohn kennenzulernen. Als einer von 96 deutschen Abgeordneten in Brüssel versteht er sich als Brückenbauer zwischen Brüssel und der Region Aachen. Auch in Jülich kommen europäische Fördergelder an: So wurde das Auslandspraktikum der Höheren Handelsschulklasse im Rahmen der Zusatzqualifikation Euregiokompetenz dank der Fördergelder Erasmus+ erst möglich.

Für das Gespräch mit Arndt Kohn hatten die Schüler einige Fragen zu Datenspeicherung und Datenmissbrauch, die zunehmende politische Radikalisierung und klimafreundliche Energiekonzepte vorbereitet, die er wegen seiner Arbeit im Ausschuss für Binnenmarkt und Verbraucherschutz kompetent beantworten konnte und ihnen damit Europa ein Stück näher brachte.

Den beeindruckenden Plenarsaal hatte man für sich alleine. Hannah Sanders erklärte, wie die Sitzungen ablaufen und ging auch ausführlich auf die Kommunikation zwischen Abgeordneten aus 28 Ländern ein, die 24 verschiedene Sprachen sprechen. Auch hier wurde die oft doch abstrakte EU plötzlich ganz konkret.

Danach hatten sich alle eine Pause im Herzen Brüssels verdient. Ausgehend vom Grand Place oder Grote Markt schwärmten die Schüler Richtung Fritten und Waffeln aus. Verständigen konnten sie sich im internationalen Brüssel auf Englisch, Französisch oder Niederländisch.

Am Nachmittag besichtigten sie dann noch das „Parlamentarium“ — eine Art interaktives EU-Museum: Auf ihrer virtuellen Reise durch die Europäische Union konnten die Schüler dabei deren Vielfalt sowie rund 100 Wege kennenlernen, auf denen die Europäische Union zum Wohlergehen ihrer Bürger beiträgt. In einem Kino mit einer überwältigenden 360°-Leinwand hatten sie Gelegenheit, zu sehen, wie Europa und sein Parlament arbeiten, wie Gesetze gemacht werden und wie sich die europäische Politik auf ihr Leben auswirkt.

Nach einem langen und spannenden Tag im Zentrum Europas machte man sich auf den Rückweg. Noch ein bisschen Stau zum Abschied und dann waren alle wieder zurück in Jülich. Europa ist gar nicht so weit weg!

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