Vor dem Beginn der Rübenkampagne in Jülich: „Weißes Gold ist knapp“

Vor dem Beginn der Rübenkampagne in Jülich : „Das weiße Gold ist knapp geworden“

Der Start der Rübenkampagne ist im Rheinland zweigeteilt. Die Jülicher Fabrik beginnt am 18. September, um den Nachschub zu sichern. Der ist mittlerweile nämlich auch knapp geworden.

Der Start der Rübenkampagne ist 2019 im Rheinland zweigeteilt: Pfeifer & Langen (P+L) und der Rheinische Rübenbauer-Verband (RRV) haben sich darauf verständigt, dass infolge der abermals vorherrschenden Trockenheit der Kampagnebeginn in Euskirchen und Appeldorn um zwei Wochen auf den 30. September verschoben wird in der Hoffnung, dass die Herbstwitterung dort bei den Feldfrüchten noch einen Zuwachs an Rüben- und Zuckerertrag ermöglicht, wie es in einer Mitteilung von P+L an die Rübenlieferenten aus der Landwirtschaft heißt.

So seien die Einzugsgebiete der beiden genannten Werke am stärksten von der Trockenheit betroffen. Deshalb habe hier die Verlängerung der Vegetationszeit Priorität. Wie die Ergebnisse von den bisherigen drei Proberodungen gezeigt haben, stellen sich die Rüben- und Zuckererträge im Anbaugebiet der Zuckerfabrik Jülich insgesamt besser dar, auch wenn sich innerhalb dieses Anbaugebietes standortbedingt enorme Ertragsunterschiede zeigen.

Doch P+L befindet sich momentan in einem Dilemma: Nach dem ertragsschwachen „Dürrejahr“ 2018 ist nämlich der vorhandene Zucker nahezu vollständig ausgeliefert, so dass das Unternehmen dringend Nachschub benötigt, um seine Lieferfähigkeit zu erhalten. Vor diesem Hintergrund soll in Jülich die Kampagne wie ursprünglich geplant am 18. September starten. Dabei wird die Rübenverarbeitung im Jülicher Werk zunächst auf niedrigem Niveau erfolgen, um den meisten Rübenflächen im Einzugsgebiet der Fabrik noch mehr Vegetationszeit zu ermöglichen.

Als Ausgleich für die Landwirte, die bis zum 28. September ihre süßen Feldfrüchte anliefern, wird es deshalb neben der Frühlieferprämie noch ein zusätzliches „Bonbon“ in Form eines gestaffelten Vertriebsbonus pro gelieferter Tonne Zuckerrüben geben.

„Das weiße Gold ist knapp geworden“, umschreibt Heinz Leipertz, Leiter Landwirtschaft für die rheinischen Werke von P+L, den Hintergrund des zweigeteilten Kampagnenstarts, mit dessen Festsetzung sich die Verantwortlichen lange schwergetan hätten. Sie vereint die Hoffnung auf Regen, der sich zuletzt lange sehr rar gemacht hat.

Die 1,6 mm Niederschlag am Mittwoch waren da der viel zitierte Tropfen auf dem heißen Stein, dem gern mehr folgen darf, wenn es nach den Rübenbauern geht. „Das Blattwerk ist da und gesund“, verweist Leipertz auf die guten Voraussetzungen der Pflanzen, die im wahrsten Sinne des Wortes weit besser dastehen als vor einem Jahr, als die Dürre auf den Äckern längst offensichtlich geworden war. Heuer geht Rübenexperte Leipertz aufgrund der Daten der Proberodungen von einer Ernteniveau aus, das sich knapp auf das langjährige Mittel zu bewegt, während Kulturen wie Kartoffeln oder Mais viel stärker unter der Trockenheit gelitten hätten.

Kampagne und Baustelle parallel

Währenddessen sind in der Jülicher Zuckerfabrik die Vorbereitungen für die Kampagne in vollem Gange. „Wir müssen verarbeitungsfähig sein“, umschreibt Leipertz dieses Prozedere, das nach dem Aufspielen neuer Software auch diverse Testläufe einzelner Aggregate umfasst. Dazu kommt der Umstand, dass der Rübenhof an eine Baustelle grenzt, auf der parallel zur Kampagne die neue Veredlungshalle hochgezogen wird. Arbeiten und Abläufe sollten sich nicht gegenseitig ins Gehege kommen.

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